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  • Sa., 12. September 2026, 10:25 Uhr
    Nibelungen Kurier: Die Kandidaten für Worms im schriftlichen Fragen- und großen Video-Check / Entscheidungshilfe für den morgigen Wahlsonntag

    Wer wird das nächste Stadtoberhaupt?

    Archivfoto: Rudolf Uhrig

    Von Florian Helfert › Die Spannung steigt – am morgigen Sonntag, dem 13. September, haben alle Wormser Bürgerinnen und Bürger von 8 bis 18 Uhr die Wahl: Wer soll der nächste Oberbürgermeister bzw. die nächste Oberbürgermeisterin werden?

    Im Vergleich zur letzten OB-Wahl vor acht Jahren mit noch sechs Kandidaten treten diesmal vier Personen an. Stephanie Lohr (CDU), Timo Horst (SPD), Frank Senger (AfD) und Ali Kesler (FDP) bewerben sich um das höchste Amt der Nibelungenstadt Worms. Sollte es zur Stichwahl kommen, erfolgt diese dann am Sonntag, dem 27. September.

    Vor der Wahl des Stadtoberhauptes wollte der NK in einem ersten Fragekomplex von allen vier Kandidaten wissen, welche drei Projekte diese in den ersten 100 Tagen beginnen würden, welche drei Ziele nach vier Jahren messbar erreicht sein sollten – und wie dies finanziert würde? Darüber hinaus wurden drei weitere kurze Fragen an die vier OB-Kandidaten gestellt.

    Während fast alle Befragten auf den NK-Fragenkatalog geantwortet haben, blieb eine Rückmeldung des AfD-Kandidaten Frank Senger bis zum Redaktionsschluss – auch auf eine Erinnerung hin – leider aus. Daher konnten seine Positionen zu den angesprochenen Themen an dieser Stelle nicht dargestellt werden.

    Eine weitere Möglichkeit, die Bewerber und ihre politischen Schwerpunkte kennenzulernen, bieten die vier ausführlichen Studiogespräche im Wormser MontagsMagazins beim rheinlOKal Worms.

    Das Besondere: Über einen gemeinsamen Aufruf mit dem Nibelungen Kurier sind hier Fragen, Anregungen und Anliegen der Wormserinnen und Wormser in die Fragerunden der vier Einzelgespräche eingeflossen.

    Die vollständigen Gespräche sind über die jeweiligen QR-Codes wie folgt abrufbar:

     

    Timo Horst, SPD

    Foto: Johannes Schembs

    In den ersten 100 Tagen werde ich drei Dinge anstoßen: Ein Sofortprogramm für eine saubere Innenstadt, die Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes gemeinsam mit der Polizei und dem Vollzugsdienst sowie die Erarbeitung eines Konzepts für mehr verlässliche Betreuung in Kitas und Schulen unter Einbezugder Kindertagespflege. Durch eine häufige Reinigung stark frequentierter Bereiche und eine konsequentes Beseitigen von Müll und illegalen Ablagerungen möchte ich die Aufenthaltsqualität erhöhen. Verbunden mit der Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes das eine stärkere Präsenz des Ordnungsamtes und der Polizei an Hotspots, eine bessere Beleuchtung, gezielte Videoüberwachung an sensiblen Orten, soll unsere Stadt zu einem Ort der Sicherheit und des Wohlfühlens werden.

    Nach vier Jahren wird messbar sein, dass sich die Verlässlichkeit der Betreuung sichtbar verbessert hat. Durch mehr Sauberkeit und Sicherheit unserer Innenstadt soll Worms für Bürger und Unternehmen attraktiver werden, was sich in mehr Arbeitsplätzen und höheren Gewerbesteuereinnahmen deutlich macht. Wichtig ist mir, dass wir in vier Jahren eine spürbare Verbesserung in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum erreicht haben werden. Die Maßnahmen müssen alle direkt und gleichzeitig angegangen werden. Hier liegt meine klare Priorität. Das bedeutet auch, dass nicht alles, was darüber hinaus wünschenswert ist, sofort umgesetzt werden kann. Gleichzeitig brauchen wir neue Einnahmen durch zusätzliche Arbeitsplätze, Unternehmen und Einwohner. Nur wenn Worms attraktiver wird, können wir neue Unternehmen ansiedeln und mehr Steuereinnahmen generieren. Steuererhöhungen sind für mich zu vermeiden.

    Stephanie Lohr, CDU

    Foto: Kati Nowicki

    Ich verspreche nur, was ich halten kann. Eine Oberbürgermeisterin bewegt nichts alleine: Für echte Ergebnisse braucht es, neben einer verlässlichen Führung, auch eine genehmigte Haushaltsbasis und ein starkes Team aus Verwaltung, Stadtrat und Bürgerschaft. In den ersten 100 Tagen schaffe ich Vertrauen und packe an: Sicherheit & Sauberkeit: Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts mit Gefahrenabwehrverordnung und einer höheren Präsenz des Kommunalen Vollzugdienstes. Mit ebwo und Baubereich optimieren wir die Prozesse der Innenstadtreinigung. Hausarztversorgung: Vorlage eines Umsetzungskonzepts für ein kommunales MVZ im Stadtrat. Dialog & Struktur: Beschlussfassung über den Start des Stadtleitbildprozesses und Fortschreibung des Tourismuskonzepts. Nach vier Jahren soll messbar erreicht sein: Lebensqualität & Zusammenhalt: Worms ist sicherer und sauberer. Neue Hausärzte sind da. Die Kinderbetreuung ist verlässlicher geworden und deckt Randzeiten besser ab. Der Zusammenhalt in Kernstadt und Vororten ist gestärkt – durch auskömmliche Budgets für die Ortsbeiräte und eine bessere Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Sichtbare Stadtentwicklung: Arealentwicklungen wie Gerberquartier und Domhof sind auf den Weg gebracht. Die Feuerwache Nord steht und die Hauptfeuerwehrwache ist im fortgeschrittenen Bau. Starke Position: Worms agiert als profilierter Partner in Rheinhessen und Rhein-Neckar und überzeugt als Kultur- und Wirtschaftsstandort.

    Finanzierung: Gezielte Fördermittelakquise (Land/Bund/EU), Stärkung der Gewerbesteuerbasis und Verwaltungseffizienz. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne bessere Finanzausstattung durch Bund und Land geht es nicht.

    Ali Kesler, FDP

    Foto: FDP Worms

    Meine ersten 100 Tage haben drei klare Aufgaben.

    Erstens schaffe ich mit einem Kassen- und Projektcheck Transparenz: Was kostet ein Vorhaben, welchen Nutzen bringt es, wie wird es finanziert und bis wann ist es fertig?

    Zweitens führe ich ein 48-Stunden-Management für Sauberkeit und Schäden im öffentlichen Raum ein. Ordnungsamt, Polizei und Sozialarbeit arbeiten dabei abgestimmt.

    Drittens verankere ich die Wirtschaftsförderung direkt beim Oberbürgermeister. Unternehmen und Bauwillige erhalten feste Ansprechpartner und klare Bearbeitungswege.

    Nach vier Jahren will ich mich an drei Ergebnissen messen lassen: Mindestens 90 Prozent der gemeldeten Mängel werden innerhalb von 48 Stunden entweder beseitigt oder erhalten einen verbindlichen Erledigungstermin. Die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten ausgewählter Bau- und Verwaltungsverfahren sinken gegenüber dem Ausgangswert um mindestens 25 Prozent. Außerdem sind mindestens 100 Hektar für Gewerbe geprüft, der Regionalplanung vorgeschlagen und die geeignetsten Flächen in der Bauleitplanung.

    Für jedes Vorhaben müssen Finanzierung und Folgekosten vor dem Start geklärt sein. Wir setzen im Haushalt klare Prioritäten, nutzen Forderprogramme von Bund, Land und EU konsequent und vermeiden teure Verzögerungen.

    Bei Wohnungsbau und Gewerbeentwicklung mobilisieren wir für Worms zusätzlich privates Kapital. Dauerhaft stärken neue Unternehmen und Arbeitsplätze die Einnahmen der Stadt, nicht höhere Steuern.

    Worms vor der Wahl – Prioritäten, Wohnraum und Innenstadt

    Welche Investitionen haben für Sie Vorrang? Schulen, Kitas, Feuerwehr, Klimaschutz, Verkehrswege oder zum Beispiel Wohnungsbau?

    Stephanie Lohr (CDU): Verantwortungsvolle Politik darf Pflichtaufgaben nicht gegeneinander ausspielen, sondern muss verlässlich priorisieren. Höchste Priorität haben das Fundament unserer Stadt: Moderne Schulen und eine verlässliche Kinderbetreuung für die Zukunft unserer Kinder sowie die Feuerwehr und der Katastrophenschutz (Neubau Wache Nord, Hauptfeuerwehrwache) für die Sicherheit aller Wormser. Wir müssen in die Digitalisierung unserer Verwaltung zunächst investieren, bevor wir durch optimierte Prozesse sparen können. Klimaschutz integrieren wir bei unseren Vorhaben pragmatisch – durch einen verbesserten Starkregenschutz, weiteren Entsieglungsmaßnahmen und die energetische Sanierung unserer Gebäude.

    Timo Horst (SPD): An erster Stelle stehen für mich Schulen und Kitas. Gute Bildung und verlässliche Betreuung sind Investitionen in die Zukunft unserer Stadt. Gleichzeitig müssen wir unsere Feuerwehr leistungsfähig halten und in Klimaanpassung, Wohnungsbau und eine funktionierende Infrastruktur investieren. Auch die Sicherheit und Sauberkeit unserer Innenstadt gehören dazu, weil sie die Grundlage für Aufenthaltsqualität, Handel und neue Ansiedlungen bilden. Entscheidend ist für mich: Wir müssen priorisieren, statt immer neue Projekte zu versprechen, ohne ihre Finanzierung zu klären.

    Ali Kesler (FDP):Vorrang haben für mich Schulen und Kitas sowie eine verlässlich ausgestattete Feuerwehr. Kinder dürfen nicht in maroden Räumen lernen, und bei unserer Sicherheit darf es keine Kompromisse geben. Danach folgen Straßen, Brücken und digitale Infrastruktur, die unseren Alltag und die Wirtschaft am Laufen halten. Klimaschutz wird bei jeder Investition mitgedacht: wirksam, bezahlbar und technologieoffen. Erst sanieren und erhalten, dann neu bauen.

     

    Wie möchten Sie mehr bezahlbaren Wohnraum für Worms schaffen?

    Stephanie Lohr (CDU): Bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale soziale Frage. Weil beim Bauen gilt „Zeit ist Geld“, beschleunigen wir Genehmigungen durch den digitalen Bauantrag und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Fachabteilungen. Bei Flächen setzen wir auf kluge Innenentwicklung: Die Verlagerung von ebwo und Feuerwehr auf das Salamandergelände eröffnet hochattraktive Potenziale am Hohenstaufenring und in der Monsheimer Straße. Statt verteuernder Standards schaffen wir Anreize, die gut für den Geldbeutel und das Klima sind.

    Timo Horst (SPD): Worms braucht schneller mehr Wohnungen. Dafür möchte ich mit dem neuen Bauturbo Genehmigungsverfahren beschleunigen, Baulücken und Leerstände stärker aktivieren und neue Wohngebiete entwickeln.

    Bei größeren Projekten sollen mindestens 25 Prozent geförderter Wohnraum entstehen. Außerdem möchte ich eine Stadtentwicklungsgesellschaft nutzen, um Flächen strategisch zu erwerben, zu entwickeln und bezahlbares Wohnen langfristig zu sichern.

    Ali Kesler (FDP):Bezahlbarer Wohnraum entsteht, wenn Bauen schneller und einfacher wird. Wir müssen Baulücken schließen, Aufstockungen ermöglichen und leer stehende Gebäude umnutzen. Genehmigungen brauchen feste Ansprechpartner und klare Fristen. Städtische Grundstücke sollen nach dem besten Konzept und nicht allein nach dem höchsten Preis vergeben werden. Gemeinsam mit Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und privaten Investoren schaffen wir mehr Wohnungen.

     

    Wie möchten Sie die Wormser Innenstadt beleben?

    Stephanie Lohr (CDU): Unsere Innenstadt soll das saubere, sichere und lebendige „Wohnzimmer“ aller Wormser sein. Erste Grundlage sind Sicherheit und Sauberkeit durch eine höhere KVD-Präsenz und eine optimierte Reinigung. Wir steigern die Aufenthaltsqualität mit ganzjährigem „Weinmeile-Feeling“ in Form von attraktiven Veranstaltungen und der Weiterführung der Grünanlagen entlang der Stadtmauer bis zur Herta-Mansbacher Anlage. Den Tourismus und Innenstadtentwicklung werde ich noch besser verzahnen, weil sich beides perfekt ergänzt und Kaufkraft in unsere Innenstadt holt. Mit einem professionellen Leerstandsmangement unterstützen wir die Eigentümer und bemühen uns um neue Geschäfte, die unsere Innenstadt bereichern. 

    Timo Horst (SPD): Neben dem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit ist mir wichtig, dass unsere Innenstadt ein Ort des Verweilens und Wohlfühlens ist. Durch unsere Anlagen und mehr Grünflächen, ebenso wie die Ansiedlung von Einzelhandel wird die Attraktivität gesteigert und die Besucherzahlen erhöht. Ich möchte Außengastronomie erleichtern, Veranstaltungen und Märkte stärken und inhabergeführten Handel unterstützen. Entscheidend ist ein guter Mix aus Handel, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Wohnen, damit auch nach Ladenschluss Leben in der Innenstadt ist.

    Ali Kesler (FDP): Unsere Innenstadt braucht mehr als Geschäfte. Sie muss sauber, sicher, gut erreichbar und ein Ort sein, an dem man gerne Zeit verbringt. Dafür brauchen wir verlassliche Parkmoglichkeiten, mehr Wohnen, Gastronomie, Kultur und Angebote für Familien. Das bestehende Leerstandsmanagement bekommt klare Ziele und einen verantwortlichen Ansprechpartner. Eigentümer, Gründer und Investoren erhalten Unterstützung aus einer Hand.

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