50 Studenten der TU Kaiserslautern präsentierten Stadtentwicklungskonzepte und diskutierten mit Bürgern / Ausstellung bis Donnerstag
Wie soll Osthofen in zehn Jahren aussehen?
Studenten präsentierten ihre Arbeiten. Von links: Julia Rehl, Alexander Meid und Linda Hollstein. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Sekt- und Winzerstadt Osthofen hat viele „offene Baustellen“, bietet andererseits aber auch großes Potential und die Bürger engagieren sich für ihre Kommune. Dies alles schafft ein interessantes Klima für Stadtentwicklungskonzepte. Passend dazu erarbeiteten im vergangenen halben Jahr 50 Studenten der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern des Studiengangs Raum- und Umweltplanung rund zehn Vorschläge zur zukünftigen Gestaltung von Osthofen. Nachdem die Studenten ihre Ideen bereits intern vor Politik und Presse präsentierten, konnten sich am Montag die Bürger ab 17 Uhr im Landhotel „Zum Schwanen“ einen Eindruck von den Arbeiten machen. Der Andrang im Bürgersaal des Hotels war riesengroß und die Menschen warteten neugierig auf die Ausführungen des akademischen Nachwuchses.
Bis morgen zu sehen Wer Interesse an der Ausstellung hat, kann diese noch bis einschließlich dem morgigen Donnerstag, dem 12. Februar, zwischen 17 und 20 Uhr, im Bürgersaal besuchen. Dabei kann mit grünen und roten Karten auch eine Bewertung vorgenommen werden. In wenigen Tagen wird eine Zusammenfassung der Arbeiten auch auf der Internetseite der Stadt Osthofen zu sehen sein. Die Ergebnisse werden auch Thema der Stadtratsitzung am heutigen 11. Februar sein, die um 19 Uhr im Rathaus stattfindet.
Friedrich-Ebert-Straße Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Goller stellten am Montagabend die einzelnen Arbeitsgruppen aus meist vier Studenten ihr jeweiliges Projekt auf der Bühne in etwa drei, vier Minuten vor. Die Arbeiten beschäftigten sich dabei mit den drei Überthemen „Verkehrssituation“, „Öffentliche Plätze“ und „Stadtraumentwicklung“. Das besondere Interesse der Bürger galt natürlich dem Schillgelände und der Friedrich-Ebert-Straße. Im Bezug auf die Friedrich-Ebert-Straße standen die Fragen nach einer Verkehrsberuhigung und einer Einbahnstraßenregelung im Fokus. Die Problematik der Radfahrer stellte einen weiteren Diskussionspunkt dar. So sei Osthofen nicht besonders radlerfreundlich, ja, es sei geradezu gefährlich, mit dem Bike durch die Friedrich-Ebert-Straße zu fahren. Auch verbesserte Möglichkeiten zum Parken in Osthofen, etwa in einer optisch ansprechenden Parkscheune, wurden angerissen.
Schillgelände Beim Schillgelände ging es natürlich in erster Linie um die Schicksalsfrage: „Soll der Malz-Turm abgerissen werden oder nicht?“ Hier präsentierten die Studenten verschiedene Varianten, von Abriss bis zur Überführung in eine Wohnnutzung. Die Studenten erläuterten hier, dass sie darüber intern heftig diskutierten, genauso wie sie mit den Bürgern sehr angeregt Gespräche geführt hätten. Eine wesentliche Bedeutung bezüglich Abriss oder Nutzung seien natürlich die enormen Kosten, die ein Abriss verursachen würden.
Spannende Diskussionen Nach den kurzen Präsentationen durch die Studenten, die insgesamt nur etwa 20 Minuten dauerte, begann der zweite Teil der Veranstaltung, bei dem die Bürger mit den Studenten diskutieren und sich informieren konnten. Dazu waren im Bürgersaal des Landhotels „Zum Schwanen“ große Trennwände bzw. Schautafeln aufgestellt, an denen Karten, Planskizzen, Fotos und Infokästchen angebracht waren. Jede Arbeitsgruppe aus vier Studenten erläuterte hier mit den Bürgern ihre Ideen und ihre Ergebnisse. Und die Osthofner machten rege von diesen Möglichkeiten Gebrauch und es entstanden spannende Gespräche.
Praxisbezug Die Studenten der TU Kaiserslautern befinden sich nach dem erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums alle im weiterführenden Masterstudiengang. Das Projekt über die Stadt Osthofen fand im Rahmen einer wöchentlichen Vorlesung mit angegliederter Übung statt. Teilweise bis zu 20 Wochenstunden habe man in das Projekt gesteckt, so Julia Rehl gegenüber dem NK. Sehr wichtig sei ihnen das Feedback der Bevölkerung. Mit Spannung habe man daher der Präsentation entgegengefiebert. Auf die Frage, ob die Arbeiten eher theoretisch am Schreibtisch oder vor Ort in Osthofen entstanden seien, antwortete Julia Rehl, dass sie häufig in der Sekt- und Winzerstadt gewesen seien und mit den Menschen diskutiert hätten. Dabei seien viele Ideen entstanden und man habe wichtige Anregungen erhalten. Man habe mit den Bürgern arbeiten wollen.
Begeisterung Das Interesse und die Begeisterung war bei Offiziellen gleichermaßen groß wie bei den Osthofener Bürgern. So sprach Bürgermeister Thomas Goller von einer sehr gelungenen Veranstaltung mit tollen Ideen. Die Vorschläge und Konzepte könnten nicht sofort und 1:1 umgesetzt werden, aber die Studenten hätten viel in Bewegung gesetzt und die Diskussion entscheidend vorangebracht.