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  • Sa., 20. September 2025, 07:00 Uhr
    WORMS: Konflikt zwischen dem neuen Flugzplatzbetreiber und Vereinen spitzt sich zu

    Wo sind all die Segelflugzeuge hin?

    Segelflug – Ausflugsmagnet und Jugendsport.
    Foto: Clara Werger

    Von Clara Werger › Wer in Worms kennt sie nicht, die Segelflugzeuge des Luftsportvereins, die am Wochenende am Himmel ihre Kreise ziehen. Seit 75 Jahren schickte der LSV Worms angehende Piloten und Hobby-Flieger in die Luft. Neugierige Spaziergänger, die an den Zaun kamen, blieben oftmals als neue Mitglieder. Beim Fliegen handelt es sich nicht um ein elitäres Hobby, vielmehr werden so Jugendliche gefördert, sich im Beruf schon früh zu orientieren. Im Verein finden sich alle Berufsgruppen von Handwerkern und Studenten wieder. Schon ab 14 Jahren können Jugendliche mit dem Segelflugschein beginnen. Neben dem LSV Worms sind der LSV Osthofen, der LSV Rhein-Main und der Aero Club Ludwigshafen in Worms ansässig. Vor einigen Monaten ist das Segelfliegen auf dem Wormser Flugplatz weitestgehend zum Erliegen gekommen. Das hängt mit dem neuen, mehrheitlichen Eigentümer, der Skyport Equity GmbH, zusammen, der Anfang letzten Jahres 50,1 % der Anteile von der Stadt Worms erwarb. Unter der Geschäftsleitung von Reinhard Ritter, der gleichzeitig Geschäftsführer der Flugplatz GmbH ist, wurden eine Reihe an Neuerungen eingeführt, die den Flugplatz profitabel machen sollen und im Zuge dessen das Leben der Flugvereine erheblich erschweren.

    Im Zuge der Wirtschaftlichkeit

    Zunächst versuchte die Skyport Equity GmbH, die bestehenden Pachtverträge der Luftsportvereine aufzulösen. Bei den meisten Vereinen blieb es beim Versuch, da ihre Verträge noch bis ins Jahr 2046 gültig sind. Der LSV Rhein-Main dagegen muss nun eine viermal höhere Pacht als zuvor entrichten. 
    Eine drastische Erhöhung der Leistungsentgelte wurde ebenso unternommen. Zusatzleistungen wie die Beleuchtung werden in Rechnung gestellt, die Landegebühren wurden erhöht, außerdem die Flugplatzmieten. An die Segelfluglehrer, die ehrenamtlich arbeiten, wurde plötzlich ein erhöhter administrativer Anspruch erhoben. Des Weiteren soll ein besonderer Lärmschutz eingeführt werden. Das Schleppen der Segelflugzeuge ist nur noch mit erhöhtem Lärmschutz gestattet und zwischen Start und Landung muss derzeit eine Stunde gewartet werden. Wie Sprecher der Interessengemeinschaft Wormser Flugplatz Oliver Deibert erklärt, seien die Maschinen des LSV Worms entweder mit erhöhtem oder einfachem Lärmschutz ausgestattet. Die Segelflüge nehmen einen vergleichsweise geringen Anteil ein: „Auf die Vereine am Flugplatz entfallen ungefähr 15 % aller Flugbewegungen“, erläutert Deibert. Zudem fliegen sie nicht über bewohntes Gebiet. „Zur gleichen Uhrzeit darf jemand ohne Lärmschutz über Bobenheim fliegen“, so Deibert. 

    Ein Luftsportverein ohne Landebahn

    Die begraste Landebahn, die für den Segelflug gebraucht wird, ist seit einigen Monaten nicht mehr nutzbar. Zuvor wurde sie vom LSV Osthofen in gemeinnütziger Arbeit gegen Vergünstigungen gepflegt. Seit der Übernahme beansprucht die Skyport Equity GmbH die Pflege der Grasbahn für sich selbst, wofür sie auch hier Gebühren erhebt. 2023 wurde die Grasbahn beschädigt, weil durch den Versuch, sie nach einem Hochwasser zu trocknen, Furchen entstanden. Der neue Haupteigentümer sieht die Reparatur in seinem Verantwortungsbereich, wobei ein erster Versuch letztes Jahr nicht fruchtete. Seit neun Monaten ist die Grasbahn gesperrt und es ist unklar, wann es einen neuen Anlauf für die Reparatur geben wird. „Da kriegt man als Verein die Grundlage entzogen“, bemerkt Deibert. Da aktuell nicht gesegelt werden kann, verliert der LSV Worms sowohl für neue als auch für alte Mitglieder an Attraktivität. Manche Mitglieder seien bereits zu anderen Vereinen gewechselt, so Deibert.
    Die jüngste Entwicklung innerhalb der Änderungen am Wormser Flugplatz betrifft nicht nur die Vereine, sondern auch die Besucher der Gaststätte und Gewerbetreibende: Ein externer Parkraumbewirtschafter übernahm das Gebührenmanagement. Seit dem 1. September soll das Parken kostenpflichtig sein. „Auch wenn die Gebühren erstmal vergleichsweise gering erscheinen, ist dies für einen außenstädtischen Parkplatz unüblich.  An keinem anderen Verkehrslandeplatz werden die Besucher, Vereinsmitglieder, Anwohner und Anrainer zur Kasse gebeten“, führt Deibert aus. Es kann nur noch elektronisch per App bezahlt werden, bei Nichteinhaltung wird eine Gebühr von 45 Euro erhoben. „Viele ältere Menschen gehen gerne zum Flugplatz, die so weit im Umgang mit Technik nicht trainiert sind und deswegen in die 45-Euro-Falle tappen könnten“, so Deibert weiter. Auf Nachfrage bezeichnete Ritter das neue Parkraummanagement in seiner Stellungnahme als „unverzichtbaren Baustein, um den Fortbestand des Flugplatzes für alle Nutzergruppen langfristig zu sichern“. Die Einführung sei notwendig geworden, „um die dauerhafte Wirtschaftlichkeit des Flugplatzbetriebs sicherzustellen. Der Flugplatz war in der Vergangenheit über viele Jahre hinweg defizitär. Diese Defizite wurden bislang von der Allgemeinheit – also den Steuerzahlern – getragen. Nach der Teilprivatisierung im Jahr 2025 ist die Flugplatz GmbH verpflichtet, einen kostendeckenden Betrieb sicherzustellen“, so Ritter weiter. Eine Zahlung per App sei heute gängiger Standard. „Zusätzlich bestehen weitere Zahlungsmöglichkeiten, etwa bis 48 Stunden nach Ausfahrt bequem über die Homepage des Anbieters.“ 

    Gescheiterter Dialog

    Zum Punkt der Wirtschaftlichkeit hält Deibert entgegen, dass  „Sicherheit, Tradition und Segelflug“ entscheidend seien, „die Wirtschaftlichkeit kann nicht im Vordergrund stehen und vor allem nicht auf dem Rücken der Vereine erwirkt werden. Dem Verein wurde die Grundlage für den Sport genommen. 75 Jahre Segelflug-Tradition müssen gefördert werden, nicht behindert.“ Die Stadt habe damals den Verkauf der Anteile damit begründet, dass der Flugplatz nicht ihr Gebiet sei und es keine positiven finanziellen Ergebnisse gebe, erzählt Deibert. Dies könne er nicht verstehen, da die Zahlen nicht transparent seien, fest stehe jedoch, dass die Flugplatz GmbH im letzten Jahr 360.000 Euro Umsatz eingenommen hätte. Auf die drängenden Fragen, wann die Grasbahn wieder einsatzfähig ist und was die Politik tut, um den Segelflug zu unterstützen, haben die Vereine keine definitive Antwort bekommen: „Es sind verlorene Jahre für die Vereine und die Nachwuchsförderung“, sagt Deibert. Das Verhältnis zwischen der Skyport Equity GmbH und den Luftsportvereinen sei stark belastet, mittlerweile sei Oberbürgermeister Adolf Kessel „durchaus bereit, in den Dialog einzusteigen. Wir sind immer gesprächsbereit“, schließt Deibert.

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