
Von Robert Lehr › Der Thron ist das Symbol für den Ort, von dem aus regiert wird – noch heute spricht man vom „Regierungssitz“. Und Worms sei laut des Konzeptkünstlers Eichfelder ein solcher Ort gewesen. „In keiner anderen Stadt des mittelalterlichen Reiches wurde häufiger Hof gehalten“, unterstreicht er.
Über zwei Jahrzehnte habe Karl der Große von Worms aus regiert, bis er nach dem Brand seiner hiesigen Pfalz nach Aachen wechselte, unterstreicht der Künstler. „Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb Worms zentraler Ort königlicher Macht, maßgeblich etwa auch unter Friedrich Barbarossa“.
Mit seinem Werk „Thron zu Worms“ möchte der Konzeptkünstler auf dem Weckerlingplatz an die große Vergangenheit der Stadt „als einen sagenumwobenen Ort europäischer Geschichte“ erinnern. Die Form des Doppelthrons sei dabei weltweit einzigartig: Zwei Seiten, zwei Blickrichtungen – vielmehr ein Symbol für Gewaltenteilung als für Herrschaft. Wer Platz auf ihm nehme, spüre augenblicklich, „wie leicht sich Macht inszenieren lässt und wie wichtig es ist, sie zu teilen“.
Gerade in Worms, wo die Monarchie allgegenwärtig gewesen sei, habe sich sich das Bürgertum früher als andernorts gegenüber der feudalen Macht emanzipiert, betont Eichfelder die epochale Entwicklung. So seien hier aus Untertanen eine freie Bürgerschaft geworden. „Und damit begann der lange Weg zur Demokratie – eine Errungenschaft, die heute keineswegs selbstverständlich ist“, schlägt Eichfelder einen Bogen zur Gegenwart.
Besonders wichtig ist Eichfelder, dass die historische Konzeption seines Werkes auf den „Regesta Imperii“ beruhe und von den Historikern Prof. Dr. Matthias Becher und Dr. Gerold Bönnen fachlich geprüft worden sei.
Gestiftet wurde der aus grob gespaltenen und miteinander verbundenen Rotsandsteinblöcke gestaltete Thron vom Rotary Club Worms. Seine handwerkliche Umsetzung übernahm die Firma Frank Natursteine, namentlich Steinmetz Lakhwinder Singh. Eichfelders künstlerische Interpretation wird am Sonntag, dem 18. Mai, um 11 Uhr, am Weckerlingplatz, eingeweiht. Die interessierte Bevölkerung ist herzlich eingeladen.
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