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  • Di., 08. Juli 2025, 13:53 Uhr
    Museum im Andreasstift: Römischer Reitergrabstein erinnert im Kreuzgang an siegreichen Kämpfer hoch zu Ross

    „Wormser“ Legionär mit ehrenvoller Aufgabe

    Der Grabstein ist heute im Lapidarium im Kreuzgang aufgestellt.
    Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift/Vinzenz Loga

    Wie möchte man der Nachwelt in Erinnerung bleiben? Für viele Reitersoldaten in der römischen Armee war das völlig klar: Als siegreicher Kämpfer hoch zu Ross, der seine Gegner mit der Lanze in den Staub stößt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. findet man viele solche Grabsteine in Worms, wo neben Fuß- vor allem Reitersoldaten stationiert waren.
     
    Dieser Soldat, Quintus Carminius Ingenuus, hatte dazu noch eine besonders ehrenvolle Aufgabe: Als „Signifer“ trug er das Feldzeichen seiner Einheit, das im Hintergrund zu erkennen ist. Es diente der Einheit in der Schlacht als Orientierung und wurde streng gehütet, sein Verlust galt als Schande.
     
    Löwenfiguren verdeutlichen Stolz
    Die römische Identität wurde auf solchen Grabsteinen auch in Abgrenzung vom „Anderen“ definiert: Die unterlegen Feinde sind an ihren langen Haaren eindeutig als „Barbaren“ zu erkennen. Deren Nacktheit könnte ihre Wildheit, aber auch ihre Hilflosigkeit zeigen. Ihre zusammengekauerte Haltung kontrastiert mit der aufrechten stolzen Pose des Römers. Dessen Mut versinnbildlichen auch zwei Löwenfiguren oben auf dem Stein, deren Köpfe aber leider abgebrochen sind. Dem Reiter „fehlt“ übrigens auch etwas: Steigbügel wurden in Europa erst später bekannt. Dafür hilft ein sogenannter Hörnchensattel mit Erhebungen vorne und hinten dabei, nicht vom Pferd zu rutschen.
     
    Unter dem einst bemalten Bild hat sich ein Teil der Inschrift erhalten: Sie verrät uns neben dem Namen des Toten auch den seiner Einheit: „Ala Hispanorum“. Das Sterbealter ist nicht mehr lesbar, wir können aber noch erkennen, dass er 25 Jahre im Dienst war. Dazu hat sich der Erbe, „Sacer Iulius“, mit auf den Grabstein schreiben lassen: Er hat den Stein dem Testament gemäß bezahlt.
     
    Der Grabstein wurde 1666 an der Mainzer Straße gefunden, wo sich die römische Gräberstraße außerhalb der Stadt befand. 

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