
Die Stadt Worms steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Neben dem bisher geplanten Verwaltungsstandort auf dem Salamandergelände hat sich nun eine Alternative im Herzen der Innenstadt ergeben, die laut städtischer Pressemitteilung einen Meilenstein in der Stadtentwicklung umfassen könnte. In der Stadtratssitzung am Mittwoch, dem 28. Mai, soll über das Thema entschieden werden.
Bislang war das Salamandergelände am Rande der Innenstadt als neues Quartier für das Technische Rathaus bzw. „Rathaus 3“ vorgesehen. Die Leistungsphase II für das Salamandergelände steht kurz vor dem Abschluss und eine erste Kostenschätzung liegt vor. Dies ist der übliche Zeitpunkt, zu dem ein Bauherr final über die Zukunft eines Bauvorhabens entscheidet.
Zwischenzeitlich wurde an den Stadtvorstand allerdings ein neuer Standort herangetragen, der aus Sicht des Stadtvorstandes organisatorische Vorteile für die Verwaltung verspricht und auch städtebaulich einen
bedeutenden Impuls für die Stadtentwicklung geben könnte.
Kern des Vorschlags ist ein Ringtausch zwischen der Stadt Worms und der Rheinhessen Sparkasse. Die Sparkasse plant, sollten die politischen Gremien zustimmen, in das „Andreasquartier“ (ehemaliges Gesundheitsamt) umzuziehen, welches das Kreditinstitut gemeinsam mit der TIMBRA Group neu
entwickeln möchte.
Im Gegenzug würde die Stadtverwaltung die bislang von der Sparkasse genutzte Hauptstelle am Lutherring beziehen. Diese Immobilie liegt zentral in der Innenstadt und ist infrastrukturell gut erschlossen.
Dass diese Tür erst vor wenigen Wochen aufgegangen ist, hängt nach Angaben der Stadt mit der Fusion der Sparkasse zusammen – auch hier mussten sich zunächst Zukunftsvisionen und Pläne entwickeln.
„Für uns bedeutet diese Entwicklung, dass wir jetzt entscheiden müssen, ob wir durch diese Tür hindurchgehen, denn sowohl die nächste Stufe des Planungsprozesses für das Salamandergelände als auch die städtebauliche Entwicklung des Andreasquartiers und die Zukunft des Standortes der Sparkasse hängen von dieser Entscheidung ab“, skizziert Oberbürgermeister Adolf Kessel die enge Verzahnung der
Vorhaben.
Diese Entwicklung sei eine große Chance für die Stadt, betont der Stadtvorstand geschlossen seine Sicht der Dinge. „Mit dem Umzug der Verwaltung in die Innenstadt und der Entwicklung des Andreasquartiers könnten wir nicht nur attraktive Arbeitsplätze im Herzen unserer Stadt verankern und die Besucherfrequenz an zentralen Standorten erhöhen, sondern gleichzeitig ein bedeutendes innerstädtisches Areal revitalisieren.“
Da die Bürofläche im Gebäude am Lutherring etwas geringer ausfällt als es die Pläne am Sala-
mandergelände für das technische Rathaus vorsehen, haben die Investoren hierfür bereits eine etwaige Lösung in Aussicht gestellt: Auf dem Gelände des ehemaligen Bauhauses könnte ein Bürokomplex entstehen, denn auch für diese Brachfläche deuten sich derzeit neue Entwicklungen an. Für das Areal
„Gerberquartier“ liegen bereits sehr konkrete Pläne – und auch eine Baugenehmigung – vor, so-
dass ein Baustart dort zeitnah erfolgen könnte.
Die Entwicklung des Salamandergeländes als neue Heimat für ebwo und Feuerwehr bleibt davon unberührt und soll weiterverfolgt werden. Für den geplanten Bau der Hauptfeuerwache und der ebwo AöR sei das Areal richtig und auch alternativlos, weshalb man weiterhin daran festhalten werde, heißt es aus der Verwaltung. Für die geplante Großküche des städtischen Integrations- und Dienstleistungsbetriebs (IDB) hat die Verwaltung allerdings ebenfalls bereits eine Alternative in Aussicht.
Die Stadt betont: „Es geht nicht darum, eine Lösung gegen die andere auszuspielen. Beide Optionen – sowohl die Variante auf dem Salamandergelände als auch der angebotene Standort im Lutherring – haben ihre Qualitäten und Vorzüge. Entscheidend ist, welche Lösung langfristig die besseren Perspektiven für die Stadt Worms bietet – wirtschaftlich, organisatorisch und städtebaulich.“
Ungeachtet dessen habe die ebwo AöR als Bauherr das Projekt Salamandergelände bis zum heutigen Tag überaus professionell und gewissenhaft betreut. Im Ergebnis habe die Verwaltung eine stimmige, den neuesten Standards an Nachhaltigkeit und modernen Arbeitsbedürfnissen entsprechende Planung erhalten.
Große Leerstände, wie zuletzt beim Andreasquartier oder – mit einem Umzug der Sparkasse – das Gebäude auf dem ehemaligen „Majorshof“ – beide aus städtebaulicher, historischer und touristischer Sicht äußerst wertvolle Standorte – schaden der Stadt jedoch langfristig. Auch die Sparkasse sei
sich der Verantwortung gegenüber diesen Standorten bewusst und strebe einen Neubau mit der Maßgabe an, dass auch die Nachnutzung des alten Standorts gesichert sei, betont die Verwaltung. Gleichzeitig stelle der Umzug des Hauptsitzes in einen Neubau ein wichtiges Bekenntnis der
Sparkasse zum Standort Worms dar.
Dass die Pläne für das Andreasquartier im Städtebauprojekt „Domquartier“ eigentlich eine Konzeptvergabe vorsehen, ist kein Hindernis, wie das Innenministerium bereits bestätigt hat. Wichtig sei in erster Linie, dass die Frequenz im Quartier erhalten bleibe, was mit einem Einzug der Wormser Sparkassen-Hauptstelle gegeben sein dürfte.
Diese neuen Entwicklungen könnten, wie die Stadtspitze Worms suggeriert, eine Initialzündung für die städtebauliche Entwicklung darstellen. Der Stadtvorstand unterstreicht, dass es nun um eine richtungsweisende Entscheidung gehe.
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