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Mo., 07. September 2015, 12:49 Uhr
Erfolgreiche Nacht-Tag-Übung der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Osthofen
Zur vollsten Zufriedenheit gemeistert
Eines der Fässer im Keller leckte, so waren besondere Maßnahmen von Nöten.
Um den Umgang mit den umfangreichen Hilfsmittel zu üben, damit alle erforderlichen Handgriffe im Ernstfall auch sitzen, führt die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Osthofen alljährlich im Spätsommer eine Nacht-Tag-Übung durch. So auch vergangenes Wochenende.
Als erste Aufgabe musste gegen 3 Uhr eine vermisste Person (Hofbesitzer) im Bereich „Mühlheimer Hof“, die durch sich in Urlaub befindete Familienangehörige vermisst gemeldet wurde, gesucht werden. Aus dem Gährkeller stieg ein beißender Geruch auf. Die Suche im diesem Bereich machte daher den Einsatz von Atemschutzträgern erforderlich. Weitere Kräfte, unter ihnen auch der Gefahrstoffzug des Landkreises, wurden angefordert.
Mit Schutzanzügen und Atemschutz
Die mit Schutzanzügen und Atemschutz ausgestatten Einsatzkräfte fanden den Vermissten im Keller unter einem Fass, zwei weitere Fässer befanden sich ebenfalls in dem Bereich. Durch die Aufschrift auf den Fässern war rasch klar, dass diese brennbare und hochgiftige Pestizide in hoch konzentrierter Form enthielten.
Der Verletzte atmete, war jedoch nicht ansprechbar. Der Verletzte musste geborgen und der Gefahrstoffes in geschlossene Behälter umgepumpt werden. Sobald Einsatzkräfte mit Gefahrstoffen in Berührung kommen, muss eine Reinigung über eine Drei-Kammer-Schleuse erfolgen. Aus diesem Grund war der Aufbau einer Dekontaminierungsschleuse erforderlich. Zur Entgiftung des Verletzten wurde eine Notkammer aufgebaut.
Um im Notfall. z. B. durch Entzündung der ausgelaufenen Flüssigkeit schnell eingreifen zu können, wurden zwei Leitungen sowohl zum Löschen mit Wasser als auch mit Schaum aufgebaut.
Der Einsatzort wurde durch Lichtmasten auf drei Einsatzfahrzeugen und einem zusätzlich aufgestellten Lichtmast ausgeleuchtet. Eine mobile Einsatzstelle zur Koordinierung des Einsatzes vor Ort war eingerichtet. Luftmessungen hinschlich Schadstoffgehalt wurden vorgenommen.
Kind vom Balkon gerettet
Bei der Tagübung bildete die Lorchsmühle den Einsatzort. Hier wurde der Wehr ein um Hilfe rufendes Kind auf dem Balkon gemeldet.
Da zunächst kein geeigneter Zugang gefunden werden konnte, verschafften sich die Einsatzkräfte über eine Leiter Zugang zum Balkon. Nach Befragung des Jungen stellte sich heraus, dass dieser zusammen mit seinen Eltern das Gebäude besichtigte, es plötzlich einen Knall gab und er sich auf den Balkon flüchtete.
Das Kind wurde betreut. Das Gebäude wurde vom Balkon aus betreten und eine von innen verschlossene Tür geöffnet, um den weiteren Einsatzkräften Zugang zu schaffen.
Im unteren Bereich drangen aus einer Öffnung im Boden Rufe in einer den Kräften fremden Sprache. Es stellte sich heraus, dass die Frau ihrem in eine Öffnung im Boden gefallenen Ehemann helfen wollte und dabei selbst hinunterfiel. Sie war panisch vor Angst.
Weitere Einsatzkräfte durchsuchten das Gebäude nach weiteren Personen und fanden im obersten Bereich des Gebäudes ein Mädchen, das ebenfalls stark verängstigt war.
Nachdem sich ein dritter Einsatztrupp Zugang zum Loch verschafft hatte, stellte dieser fest, dass der Ehemann atmete, aber nicht ansprechbar war. Da Verdacht auf eine Rückenverletzung bestand, wurde der Mann unter Hilfe eines Bergebrettes aus dem Loch gerettet. Die Ehefrau konnte über eine Leiter geborgen werden.
Zu allem Überfluss brach auch noch während der laufenden Rettungsmaßnahmen im ersten Stock des Gebäudes ein Feuer aus.
Einsatz einer Wärmebildkamera
Um die Bergungsmaßnahmen im Erdgeschoss nicht zu behindern, legten weitere Einsatzkräfte über den Balkon Löschleitungen um den Brand zu bekämpfen. Nachdem der Brand gelöscht war, wurde eine Wärmebildkamera eingesetzt, um evtl. versteckte Brandherde zu ermitteln.
Als weitere Aufgabe musste ein Feuerwehrmann, der im Einsatzeifer ebenfalls in das Loch im Erdgeschoss gefallen war, unter zu Hilfenahme eines Rollgliss aus dem Loch geborgen werden.
Die beiden umfassende Szenarien hatte sich der stellvertretende Wehrführer Dirk Reinemer, zusammen mit dem Feuerwehrkameraden Marco Mathis (Nachtübung) und Zugführer Jens Benedom (Tagübung), ausgedacht.
Wehrführer Klaus Anders machte am Ende des langen Einsatztages nochmals deutlich, wie wichtig die Durchführung solcher regelmäßiger größerer Übungen sei, bei denen die umfangreichen Hilfsmittel eingesetzt werden, damit alle erforderlichen Handgriffe im Ernstfall auch sitzen.
Der für die Übung verantwortlich zeichnende stellvertretende Wehrführer Dirk Reinemer bescheinigte den 28 Einsatzkräften die ihnen gestellten Aufgaben zur vollen Zufriedenheit gemeistert zu haben.