
Von Robert Lehr › „Scheint die Sonne nicht am Himmel, so lacht sie aus dem Glas“, wusste der Abenheimer MarktWinzer Christoph Lösch die Wetterunbilden zu kontern, die genau vor vier Wochen den Start in die 10. Jubiläumssaison der MarktWinzer am Siegfriedbrunnen wörtlich überschatteten (der NK berichtete).
Zwischenzeitlich fand die beliebte Veranstaltung an mehreren Samstagen statt und dies auch bei wesentlich besserem Wetter – was zur Folge hatte, dass sich teilweise eine riesige Schar an Weinfreundinnen und- freunden einfanden, um gemeinsam die heimischen Rebensäfte und die rheinhessische Geselligkeit vor der Dreifaltigkeitskirche zu genießen.
Allerdings schien gerade der große Zuspruch gewissen Unmut zu wecken. So erreichte den NK unter anderem die Mail eines Lesers (Name der Redaktion bekannt), dem es unbegreiflich scheint, „mit welch unterschiedlichem Maß in unserer Stadt gemessen wird“. Wenn kleinere Vereine in Worms eine Veranstaltung planten, würden ihnen oft „immens hohe Hürden auferlegt“. Dazu gehörten zentimetergenaue Sicherheitskonzepte, kostspielige Absperrungen und umfangreiche Auflagen, die ehrenamtliche Arbeit fast unmöglich machten.
Im Gegensatz dazu stünde das Geschehen bei den MarktWinzern. Dort scheine die Stadt „alles ohne nennenswerte Einschränkungen hinzunehmen, obwohl die Menschendichte rund um den Brunnen oft enorm ist“. Während Vereine für jede Kleinigkeit zur Kasse gebeten oder mit Bürokratie blockiert würden, herrsche bei den MarktWinzern eine auffällige „Laisser-faire“-Haltung.
Weiter fragt er: „Warum müssen kleine Vereine für überschaubare Events maximale Sicherheitsvorkehrungen treffen, während am Siegfriedbrunnen die üblichen Regeln scheinbar ausgesetzt werden?“
Wenn Sicherheitskonzepte zum Schutz der Bürger notwendig seien, müssten sie für alle gelten – unabhängig davon, wer der Veranstalter sei. Durch die hohen Auflagen werde das kulturelle Leben kleinerer Vereine im Keim erstickt, während kommerziell attraktivere Formate bevorzugt behandelt würden. Bei Veranstaltungen werden die Verantwortlichen der Stadt Worms aufgefordert, hier für Transparenz und vor allem für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. „Sicherheit darf kein Argument sein, um kleine Vereine zu gängeln, während man bei anderen Formaten beide Augen zudrückt“.
Konfrontiert mit dieser Kritik reagierte die Pressestelle der Stadt Worms: „Die Saison bei den Marktwinzern hat gerade erst begonnen“, so Pressesprecher Carsten Schneider-Wiederkehr.
Die Verwaltung habe die Entwicklung der Veranstaltung dennoch bereits im Blick und sei dabei, gemeinsam mit dem Stadtmarketing ein Konzept „zu erarbeiten und eine zufriedenstellende Lösung herbeizuführen“.
Die Vorwürfe, gerade das Ehrenamt mit hohen Auflagen zu belasten, weist die Stadtverwaltung entschieden zurück. „Zu keiner Zeit haben wir Veranstaltungen kleiner Vereine bislang mit übermäßigen Auflagen versehen“.
Grundsätzlich seien für Veranstaltungen – besonders sehr große – „die Sicherheitsanforderungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, so Schneider-Wiederkehr. Es gebe entsprechende Hinweise der Polizei, die von den Verantwortlichen der Stadtverwaltung bei der Genehmigung berücksichtigt würden. Bei kleineren Veranstaltungen müssten die jeweiligen Vorhaben immer „individuell bewertet werden“. Das gelinge aus Sicht der Verwaltung sehr gut, so der Pressesprecher: „Viele Veranstalter – oft ehrenamtlich tätig – kommen bereits frühzeitig auf die Verwaltung zu, sodass gemeinsam effektive Lösungen gesucht und gefunden werden können“. Es sei nicht bekannt, dass in Worms einmal eine Veranstaltung nicht hätte stattfinden können, weil etwa behördliche Auflagen nicht zu erfüllen waren;. Dies gelte auch für den Zufahrtsschutz.
Bürgermeisterin und Ordnungsdezernentin Stephanie Lohr führt dazu aus: „Ich danke den Veranstaltern, besonders der kleinen Feste, ganz ausdrücklich für die konstruktive Zusammenarbeit!“ Aus ihrer Sicht habe sich in den letzten Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit etabliert, die es der Stadtverwaltung ermögliche, auch an kleineren Veranstaltungen festzuhalten, ohne dabei Sicherheitsbelange zu vernachlässigen. „Auch unsere Ortsvorsteher leisten dazu einen wichtigen Beitrag“, dankt Lohr ihnen herzlich.
Das Stadtmarketing Nibelungenstadt Worms e.V. freut sich, dass seine Ideen „MarktWinzer“ oder auch die „Wormser Weinmeile“ so einen tollen Zuspruch haben. „Gemeinsam mit der Verwaltung achten wir auf alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen, sind wir immer auf der Suche nach Verbesserungen und offen für umsetzbare Vorschläge“, so Stadtmarketing-Geschäftsführer Kai Hornuf.
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