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  • Mi., 01. Juli 2020, 21:03 Uhr
    AUS DEM STADTRAT: OB sieht Fünkchen Hoffnung / SPD und CDU wollen mit Antrag Krise als Chance nutzen

    Kaufhof-Erhalt in letzter Sekunde?

    Foto: Florian Helfert


    VON STEFFEN HEUMANN | Es ist der Griff nach dem Strohhalm und wie es Obürgermeister Adolf Kessel am Mittwoch im Stadtrat formulierte lediglich „ein Fünkchen Hoffnung“, dass sich die Kaufhof-Beschäftigten bis zum finalen Ergebnis im Dialog zwischen Stadt, Konzern-Zentrale und Immobilieneigentümer „Ehret und Klein“ über den Standorterhalt in Worms bewahren sollten. Eine Telefonkonferenz mit den Oberbürgermeister-Kollegen in den von der Schließung betroffenen Städte, ein Schreiben an Kaufhof und ein ausstehendes Gespräch mit dem Eigentümer der Immobilie sowie der Austausch mit verschiedenen anderen Stellen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Immerhin wird noch verhandelt. Zudem möchte OB Kessel in Erfahrung bringen, ob bereits, wie in Landau geschehen, eine Folgenutzung des Gebäudes seitens des Projetentwicklers angedacht ist.

    Am Anfang der Debatte um den Tagesordnungspunkt 21 stand der gemeinsame Antrag von SPD und CDU, wonach die Verwaltung beauftragt werden soll, ein externes Büro zur Weiterentwicklung der Einkaufsinnenstadt beauftragen. Darin sollen Ziele und Visionen gemeinsam mit Akteuren des Einzelhandels, der Wirtschaft, Politik und Kultur entwickelt und eine Fortschreibung vorhandener Konzepte ermöglicht werden. Zudem soll der Stadtrat hierzu ein Budget von bis zu 100.000 Euro zur Verfügung stellen.

    „Wir wollen die Krise auch als Chance nutzen“, erläuterte Timo Horst, SPD. Der Trend gehe zu Online-Bestellungen, jetzt müsse man gute Ideen einholen und fördern, damit die Innenstadt attraktiv bleibe, so Horst. Mathias Englert, FWG-Bürgerforum, bewertete das Vorhaben als zielführend, sprach sich aber dafür aus, bei der Umsetzung von Konzepten weitere Partner, wie etwa das Stadtmarketing, mit ins Boot zu nehmen.

    Ein Umdenken muss stattfinden

    Jürgen Neureuther, FDP, bedauerte den drohenden Verlust von Kaufhof, erinnerte aber auch daran, dass man die Zeichen der Zeit zu spät erkannt habe und durch die Verzögerung am Beispiel der Parkhaussanierung in der Koehlstraße die Einkaufsstadt Worms unnötig geschwächt werde. Richard Grünewald, Die Grünen, machte deutlich, dass es kein „Weiter so“ geben könne und ein Umdenken in eine andere Richtung stattfinden müsse. Städte würden längst nicht mehr nur die Kernfunktion des Einkaufens innehaben. Die Frage sei „Wo wollen wir hin?“ Dieser Prozess könne in Workshops oder einer Klausur angestoßen werden, ergänzte Grünewald. Beim Ziel die City zu beleben, sollte man auch auf das Know-how der Hochschule Worms zurückgreifen, wie der Grünen-Stadtrat empfahl. Bis zu 100.000 Euro zu investieren, sei aber zu viel des Guten.

    Problem wird drängender

    Von der Vision, wie Worms als Wohn- und Einkaufsstadt in Zukunft aussehen soll, sprach Uwe Gros, SPD. Hierfür gelte es Konzepte zu entwickeln. Auf Horten sei die ITG mit der Kaiser Passage gefolgt. Was kommt nach Kaufhof, warf Gros in die Runde. In jedem Fall sei auch dieser Antrag Beleg dafür, dass man die Zukunft von Worms nicht verschlafen habe. Dr. Klaus Karlin, CDU, machte als zweiter Antragsteller klar, dass die Innenstadt längst nicht tot sei. Die drohende Kaufhof-Schließung mache das Problem nur drängender, betonte Karlin. Gute Ideen, auch von Außen oder der Hochschule, zusammenzuführen, sei wünschenswert, denn „der Einzelhandel braucht Frequenz, Breite und Vielfalt“. In Landau, wo Kaufhof ebenfalls schließt, sei ein Bürgerbeteiligungsprozess in die Wege geleitet worden, ergänzte Katharina Schmitt, Die Grünen. Ursula Bieser, AfD, plädierte ebenfalls dafür, den Sachverstand vor Ort zu nutzen, mit Blick auf die Haushaltslage aber hohe Ausgaben für Konzepte zu vermeiden.

    Leidvolle Erfahrung

    Auf die leidvolle Erfahrung mit 10 Jahren Leerstand des ehemaligen C&A-Gebäudes in der „KW” verwies Dezernent Waldemar Herder, SPD. „Klugscheißer sind wir selbst genug“, unterstrich Herder, dass es durchaus sinnvoll sei, auch Geld in die Hand zu nehmen, um die Innenstadt zu entwickeln. Jürgen Neureuther brachte weitere verkaufsoffene Sonntage ins Spiel, da die Umsätze für den Handel durchaus relevant seien. Steffen Landskron, FWG-Bügerforum, erklärte am Beispiel Berlin, dass das nicht unbedingt für die Kaufhof-Schließung ausschlaggebend sei. Das Thema verkaufsoffene Sonntage brachte Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek in Rage. „Den VOS an eine Veranstaltung zu knüpfen ist völliger Unsinn“, hofft der Bürgermeister auf eine baldige Gesetzesnovelle, damit die Stadt da im Sinne des Handels flexibler agieren könne.

    Ob Kaufhof letztlich am Standort Worms erhalten werden kann, bleibt noch offen, der SPD- und CDU-Antrag fand bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung breite Zustimmung.

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