
Am 1. Mai 1932, in der politisch aufgeheizten Stimmung am Ende der Weimarer Republik, gab es auch in Worms Demonstrationen der Kommunistischen Partei (KPD). Die KP orientierte sich strikt am Kurs des großen Bruders in Moskau, strebte einen gewaltsamen revolutionären Umsturz an und konnte sich auch in Worms auf ein seit Beginn der 20er Jahre auffallend kräftiges, auch noch nach 1945 nachwirkendes kommunistisches Milieu in der Arbeiterschaft stützen. Die in Kreisen linker Intellektueller der späteren ‚Frankfurter Schule‘ verkehrende, aus Berlin stammende junge Fotografin Gisèle Freund (1908-2000), später eine der ganz Großen ihres Berufes, war seinerzeit mit weiteren Genossen in Worms anwesend und machte eine Reihe äußerst beeindruckender Fotos der Demonstration auf dem Wormser Marktplatz.
Das in Bad Soden (Taunus) lebende Ehepaar Margarete und Martin Murtfeld, das Gisèle Freund gut gekannt hat, besitzt 20 Originalabzüge von damals entstandenen Negativen der nach 1933 emigrierten, bedeutenden Fotografin und stellt diese exklusiv für eine Ausstellung in Worms zur Verfügung. Vor einigen Wochen hatte das Historische Museum Frankfurt fast zeitgleich entstandene Aufnahmen entsprechender Demonstrationen 1932 gezeigt und in ihrer enormen Bedeutung gewürdigt.
Die zeitgeschichtlich wie fotografiehistorisch gleichermaßen interessante Ausstellung wird am Vorabend des Jahrestages, am Donnerstag, dem 30. April, um 19 Uhr im Stadtarchiv (Raschi-Haus) eröffnet und vier Wochen lang gezeigt. Der Ludwigshafener Historiker Dr. Klaus Becker wird dabei nach der Begrüßung durch Bürgermeister Kosubek in einem Kurzvortrag auf die Bedeutung des kommunistischen Milieus in Worms vor 1933 eingehen, Frau Murtfeld wird über ihren Kontakt zu Gisèle Freund berichten. Ein Umtrunk schließt sich an; der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
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