
20 Jahre lang wird in Worms bereits Hospizhilfe betrieben. Auf Grund dieses Anlasses kamen zahlreiche Gründungsmitglieder, aber auch etliche Menschen, die sich der Ökumenischen Hospizhilfe Worms verbunden fühlen, am Samstag zur Jubiläumsveranstaltung mit anschließendem Festgottesdienst zusammen.
Die Hospizhilfe sei „aus ihrem Todesengel-Image herausgekommen“, begann Hans Schmitt, der Stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Ökumenischen Hospizhilfe Worms, seine Begrüßung im evangelischen Gemeindehaus Horchheim. Er freute sich, dass so viele Mitglieder aus der Gründerzeit den Weg zur Jubiläumsveranstaltung gefunden haben. Schmitt begrüßte für die Hospizhilfe den Experten Dr. Christoph Kern, der einen Vortrag hielt mit dem plakativen Titel: „Sterbehilfe - Ja oder nein?“ Kern war lange Zeit der Leiter der Palliativstation am Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes in Alzey. Schmitt war es wichtig, einen Spezialisten am Jubiläumstag sprechen zu lassen, denn: „Viele äußern sich zu dem Thema, die sich berufen fühlen, es aber nicht sind - Politiker zum Beispiel haben manchmal reichlich unglückliche Ansichten…“. Das untermauerte er mit dem Beispiel, dass manche Politiker darüber sprechen, dass die Palliativmedizin „an ihre Grenzen gekommen“ sei.
Der kurzweilige Vortrag von Kern konnte belegen, dass dies bei Weitem nicht der Fall ist. Der Fachmann skizzierte die Unterschiede zwischen aktiver, indirekter aktiver, passiver Sterbehilfe und der Beihilfe zum Suizid. Kern stellte auch einen Wandel in der medialen Berichterstattung zum Thema fest: Inzwischen spreche sich die Mehrheit der Deutschen in diversen Umfragen und Statistiken für die Sterbehilfe aus. Die Katholische Kirche hingegen lehne die Sterbehilfe nach wie vor mit dem Argument ab, Sterbehilfe sei Mord und damit ein Angriff gegen die Schöpfung. Nur die passive Sterbehilfe, bei der lebensverlängernde Maßnahmen auf Wunsch eingestellt werden, sei unter diversen Umständen auch in den Augen der Katholischen Kirche erlaubt. Die Evangelische Kirche hingegen lasse die Vorstellung zu, dass ein Sterben in Würde ermöglicht werden solle. „Sterben lassen ist geboten, wenn der Tod nah ist“, fasste Kern das Credo der Evangelischen Kirche zusammen. Die Zuhörer im Horchheimer Gemeindehaus haben viel mitgenommen von Kerns fachmännischem Vortrag mit jeder Menge Insider-Wissen. Am Sonntag, dem 16. Oktober, um 18 Uhr, steht bereits die nächste Veranstaltung an: Das Benefizkonzert mit dem Ensemble Paulinum in der Evangelischen Magnuskirche zugunsten der Ökumenischen Hospizhilfe Worms.
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