Wormser Klinikum bündelt nach Fertigstellung des neuen Mutter-Kind-Zentrums alle Kapazitäten auf der Herrnsheimer Höhe
2020 gehen die Lichter endgültig aus
Wenn alles nach Plan verläuft, sind bis zum Jahr 2020 alle Bereiche des neuen Mutter-Kind-Zentrums am Klinikum auf der Herrnsheimer Höhe fertig gestellt, sodass das Hochstift in seiner Funktion als Krankenhaus schließt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Verantwortlichen des Wormser Klinikums informierten am Donnerstag im Rahmen eines Pressegesprächs über die aktuellen Entwicklungen.
Dabei wurde deutlich, dass die letzten im Hochstift verbliebenen Bereiche spätestens im Jahr 2020 ins Klinikum auf der Herrnsheimer Höhe umziehen.
Ab diesem Zeitpunkt wird das Hochstift in seiner Funktion als Krankenhaus endgültig Geschichte sein. Die weitere Nutzung ist momentan noch offen. Hierzu gibt es drei Varianten, so könnte das Hochstift als Hospiz für unheilbar Kranke Verwendung finden. Allerdings erscheint dies eher unrealistisch, da der vor wenigen Wochen gegründete Verein „Stationäres Hospiz Rheinhessen“ eher ein kleineres, hotelähnliches Gebäude im Grünen und mit familiären Charakter anstrebt.
Immer wieder ins Spiel gebracht wird auch die Überlegung, das Hochstift in irgendeiner Form für Senioren zu nutzen, aber an einem weiteren Altersheim besteht in Worms zurzeit kein Bedarf. Bleibt die wohl realistischste Überlegung. Demnach wird das Hochstift komplett abgerissen und es soll eine attraktive Wohn- und Geschäftsbebauung entstehen. Hierfür spricht, dass die Lage des gesamten Hochstiftareals im Herzen der Stadt für Investoren wohl sehr interessant ist.
Alle Arbeitsplätze gerettet
Die Gesamtentwicklung des Wormser Klinikums verläuft aber absolut positiv. Und letztlich gab es zur Übernahme des Hochstift durch das Klinikum im Jahr 2015 keine Alternative. Wäre das Klinikum nicht im letzten Moment als Retter in die Presche gesprungen, gebe es längst kein Hochstift mehr, denn es war aufgrund der maroden Bausubstanz und der zu geringen Bettenkapazität wirtschaftlich nicht überlebensfähig. So konnten zumindest durch das Klinikum alle Arbeitsplätze gerettet werden, was ein großer Erfolg ist.
Beeindruckende Zahlen weist das Klinikum auch hinsichtlich der Patientenzahlen auf. Im Jahr 2016 wurden 32.000 Patienten stationär behandelt.
Mutter-Kind-Zentrum ab 2019
Der Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor des Klinikums, Bernhard Büttner, erläuterte, dass sich die Fertigstellung des mehrgeschossigen Neubaus des Mutter-Kind-Zentrums am Standort Herrnsheimer Höhe aufgrund des großen Wasserschadens im Sommer 2016 bis zum Jahr 2019 verschiebt.
Es sei durch die großen Schäden ein teilweiser Rückbau des Gebäudes notwendig gewesen. Alleine dieser Rückbau habe 1,5 Millionen Euro gekostet. Der Wiederaufbau koste noch einmal drei Millionen Euro. Doch schaue man jetzt nach vorne und fokussiere sich auf die Fertigstellung, deren endgültiger Termin 2019 sei. Wobei gewisse Teilbereiche schon 2017 baulich abgeschlossen und vom Klinikum genutzt werden können.
Insgesamt wird das Mutter-Kind-Zentrum über 170 Betten verfügen. Die Gesamtkosten des Mutter-Kind-Zentrums einschließlich der integrierten Abteilung für Geriatrie werden sich auf 30 Millionen Euro belaufen, wobei das Land einen Zuschuss von rund 14 Millionen Euro gewährt.
Großer Arbeitgeber
Das Wormser Klinikum ist mit 1.800 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Nibelungenstadt. Diese gliedern sich wie folgt: 200 Ärzte, 1.000 Pflegekräfte, 100 Techniker und 500 Beschäftige, etwa in Verwaltung und Service.
Der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Tomas Hitschold führte hier aus, dass das Klinikum, im Gegensatz zum Bundestrend, keine Problem bei der Rekrutierung von Ärzten habe. So beschäftige das Klinikum keine Honorarärzte mehr, sondern alle seien fest angestellt. Bei den Pflegekräften sieht dies hingegen anders aus. Pflegedirektorin Brigitte Ahrens-Frieß betonte, dass sie das Wort „Pflegenotstand“ nicht gerne gebrauche, faktisch sei es aber zutreffend.
Das Klinikum bilde selbst aus, womit man vieles auffangen könne, doch während es früher so war, dass die Absolventen eindringlich darum baten, übernommen zu werden, bettele heute das Klinikum fast, dass sie bleiben.
„Wir müssen den jungen Menschen etwas bieten und Anreize schaffen. Auch eine familienfreundliche Teilzeitbeschäftigung ist heute möglich“, sagte Brigitte Ahrens-Frieß zu ihren Bemühungen. Fachpersonal habe heute einen extrem hohen Marktwert, so ihre abschließende Formulierung.
Demenz
Ein Projekt, das der Pflegedirektorin am Herzen liege, sei der Ausbau der Betreuung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Sie freue sich über die zahlreichen Spenden für die Kinderklinik.
„Schön wäre aber auch, wenn Demenzkranke mehr Unterstützung erfahren würden”, so Ahrens-Frieß abschließend.