
Von Florian Helfert › Das nach eigenen Angaben weltweit führende Laserfusionsunternehmen Focused Energy hat 240 Millionen US-Dollar eingeworben. Das deutsch-amerikanische Unternehmen mit Hauptsitz in Darmstadt setzt damit einen neuen Rekord und steigt zum wertvollsten Fusionsunternehmen Europas auf.
Investiert werden soll das frische Kapital fast vollständig im hessischen Biblis auf dem ehemaligen Kernkraftwerksgelände. Mit der Weiterentwicklung des Standorts Biblis, wird der weitere Fortgang der Fusionsanlagen signifikant beschleunigt und zugleich der Aufbau einer neuen Leitindustrie in Hessen vorangetrieben. Focused Energy positioniert Deutschland damit im Zentrum des weltweiten Wettlaufs um die kommerzielle Fusionstechnologie – vergleichbar mit der historischen Bedeutung der Halbleiter-, Luftfahrt- oder Automobilindustrie.
Zu den Kapitalgebern zählen neben RWE die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, der European Innovation Council Fund, die Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen, Futury Capital sowie der bisherige Lead-Investor Prime Movers Lab aus den USA.
Die hessische Landesregierung hat das Einwerben von 240 Millionen US-Dollar als starkes Signal für Biblis, Darmstadt sowie den Innovations- und Industriestandort Hessen bezeichnet. Laut Focused Energy kann das Projekt in Biblis zur Blaupause der Fusionstechnologie werden.
Prof. Markus Roth, Mitgründer und CSO von Focused Energy, erklärt: „In der Laserfusion ist Deutschland bestens aufgestellt, da unsere Optoelektronik-Industrie Weltklasse ist. Wer jetzt skaliert, kann die globalen technologischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Standards setzen.“ Das 2021 aus dem Umfeld der TU Darmstadt gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 160 führende Wissenschaftler und Ingenieure aus über 20 Nationen.
Im vergangenen Jahr hatte der Kreis Bergstraße eine Machbarkeitsstudie bezüglich der Nachnutzung des RWE-Industrieparks Biblis, also des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis, initiiert.
Untersucht werden sollen sowohl der unmittelbare Standort des ehemaligen Kernkraftwerks als auch angrenzende Flächen, mit Fokus u.a. auf neue Arbeitsplätze und Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft. Dabei sollen verschiedene Nutzungsoptionen analysiert und unter Berücksichtigung rechtlicher, planerischer und infrastruktureller Rahmenbedingungen bewertet werden.
Die Studie wird von der Gemeinde Biblis, dem Kreis Bergstraße und RWE Nuclear GmbH durchgeführt. Ziel ist es, „konkrete Realisierungsszenarien zu entwickeln und den Standort langfristig als Innovations- und Technologiestandort zu positionieren“. Die Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2026 erstellt sein.
Die Kernfusion gilt gemäß der hessischen Landesregierung als eine der meistversprechenden Technologien für die Energieversorgung der Zukunft. Sie ahme den Prozess nach, der auch in der Sonne Energie erzeuge, und biete das Potenzial für eine klimafreundliche und sichere Energiequelle. Im Vergleich zu fossilen Brennstoffen entstehe bei der Fusion keine CO₂-Emissionen, im Gegensatz zur Kernspaltung würden deutlich geringere Mengen langlebiger radioaktiver Abfälle anfallen.
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