Es sind die besonderen Glücksmomente eines Steinkauzbetreuers, wenn er nach der Brutzeit zum ersten Mal in eine Niströhre schaut und darin Junge entdeckt. Oft blicken ihn dann 4–6 Augenpaare verdutzt an. Solche Augenblicke sind leider nicht mehr häufig, zu kritisch ist die Situation des Steinkauzes im Wonnegau. Das berichtet der NABU in seiner Pressemitteilung.
Die Naturschützer führen nun bereits seit 30 Jahren das Artenschutzprojekt durch und haben im Wonnegau fast flächendeckend sogenannte Steinkauzröhren in vorwiegend Nussbäumen, aber auch an Strommasten angebracht. „Das Gebiet erstreckt sich von Worms-Horchheim im Süden bis nach Mettenheim im Norden und Mölsheim im Westen“, berichtet Matthias Bösl, der von Anfang an das Projekt betreut.
Er besitzt einen genauen Einblick in die Statistik. „Hatten wir in guten Jahren immer über 30 Steinkauzpaare in den rund 100 Niströhren, ist die Zahl in den letzten Jahren auf anhaltend unter 30 gesunken“. Dabei sei nicht nur entscheidend, wie viele Brutpaare im gesamten Raum anwesend sind, sondern wie viele dann tatsächlich erfolgreich brüten, so der NABU Worms-Wonnegau. „Und die aufgegebenen Gelege sind auf einem ungewöhnlich hohen Stand“, bedauert Bösl.
Witterungsverläufe wichtig
Die Witterungsverläufe im Frühjahr und das Angebot an Nahrung sind u.a. beeinflussende Faktoren. Ein ungewöhnlich kaltes oder auch ein ungewöhnlich trockenes Frühjahr können das Nahrungsangebot an Insekten einschränken. Gibt es ausreichend Mäuse, dann greife der Steinkauz auf diese zurück. „Wenn wir kein Mäusejahr haben, steht es um die Versorgung schlecht“, erläutert Bösl, „der Insektenschwund kommt nun auch beim Steinkauz an, denn von diesen ernährt er sich mit Vorliebe“.
Der NABU Worms-Wonnegau behält die Entwicklung im Auge, sorgt sich jedoch sehr um den Zustand des Steinkauzes. In manchen Gemarkungen ist keine dieser kleinen Eulen anzutreffen, während es in Horchheim mit fünf Brutpaaren und 18 Jungen ein außergewöhnlich gutes Ergebnis gab. So viele Brutpaare wurden dort nämlich noch nie gezählt.
Bei den Schutzbemühungen kann der NABU auf seine vielen Helferinnen und Helfer, die Gebietsbetreuer vor Ort, bauen. „Das sind engagierte Menschen, die rund um ihren Wohnort die Brutröhren pflegen", freut sich Bösl, „bei der Beringung der Jungvögel sind sie selbstverständlich auch dabei.“ Aktuell wird ein Betreuer für Worms-Heppenheim gesucht, der sich um die Steinkauzröhren kümmern und auch mal auf einer Leiter stehen kann.
Der NABU freut sich über eine Kontaktaufnahme Interessierter an E-Mail vorstand@nabu-worms.de
Matthias Bösl bei der Beringung eines Steinkauzes an einer in einem Strommast angebrachten Steinkauzröhre. Fotograf: Britton/NABU