Mehr als drei Mal ein halbes Jahrhundert Engagement aus vollem Herzen kommen bei der Akademischen Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Stadtsportverbandes Worms nochmals zusammen: Stadtsportverband-Vorsitzender Joachim Decker verabschiedet seine langjährigen Weggefährten Günter Schnee (links) und Klaus Diehl (rechts) in den wohlverdienten Ruhestand. Foto: Marcus Diehl
Von Jürgen Jaap | Am 21. Juli 1969 betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Zuge der Mission „Apollo 11“ als erste Menschen den Mond. Ein großer Schritt für die Menschheit. Eine Woche zuvor am 14. Juli 2019 wurde in der Nibelungenstadt Worms ebenfalls ein großer Schritt vollzogen. Zugegeben, die Gründung des Stadtsportverbandes Worms war bei weitem nicht so medienwirksam wie der erste menschliche Marsch auf dem Erdtrabanten. Für den Sport in Worms und seine Sportvereine war er allerdings nicht minder wichtig. 50 Jahre später attestierte Herbert W. Hofmann, Ehrenpräsident des Sportbundes Rheinhessen und 1969 als Kassenwart Gründungsmitglied, dem Stadtsportverband Worms: „Die Interessenvertretung der Wormser Sportler und Vereine hat die in ihn gesetzten Erwartungen im letzten halben Jahrhundert voll und ganz erfüllt.“
Die Laudatio des wohl bedeutendsten Wormser Sportfunktionärs zum 50-jährigen Jubiläum des Stadtsportverbandes Worms fand in würdigem Rahmen im EWR-Kesselhaus, musikalisch virtuos auf zwei Violinen von Xixi und Kai Gabel aus der Musikschule Worms begleitet, statt. Mit dem scheidenden Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel, seinem gewählten Nachfolger Adolf Kessel, dem Wormser Sportdezernenten Uwe Franz, Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, Dr. Klaus Karlin, Klaus Kuhn (Komm. Präsident des Sportbundes Rheinhessen), Karl-Heinz Ries (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Stadtsportverbände) und natürlich Joachim Decker, dem Ersten Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Worms, und seinem Amts-Vorgänger Wolfgang Lammeyer lauschten viele hochrangige Politiker und Sportfunktionäre genau wie die zahlreich anwesenden Vertreter der Wormser Sportklubs aufmerksam den Worten von Herbert W. Hofmann.
Bindeglied zwischen Politik und Sport in Worms
„Die Gründerväter stellten sich den Stadtsportverband Worms als direkten Ansprechpartner für die Wormser Politik und Verwaltung vor“, blickte Herbert W. Hofmann auf die Anfänge des inzwischen 88 Wormser Sportvereine mit mehr als 30.000 Mitgliedern vertretenden Vereins zurück. Wie zuvor Joachim Decker und OB Michael Kissel unisono betonten, sei der Verein auf Initiative und Wunsch der Stadt Worms gegründet worden. „Der Verein stellt ein Bindeglied zwischen Politik und Sport dar“, bekräftigte Klaus Kuhn. Ein Bindeglied, das in den fünfzig Jahren so manchem Stresstest unterzogen wurde, wie Michael Kissel meinte: „Der Umgang miteinander war nicht immer bequem, aber stets fair und konstruktiv. In den letzten 16 Jahren haben sich Joachim Decker und seine Mannschaft des Stadtsportverbandes als kluge, energische und weitsichtige Vertreter des Wormser Sports bewiesen.“
Novum 1969: Stadtsportverband Worms entscheidet sofort mit
Vieles wurde dabei bewegt, speziell was die Situation der Sportstätten in Worms betrifft. Miserabel sei es darum vor fünfzig Jahren bestellt gewesen, erinnerten Joachim Decker und Michael Kissel. Heute umfasst der jährliche Etat der Stadt Worms für den Sport etwa knapp eine Million Euro. Ein Novum, auf das alle der inzwischen 13 in Rheinland-Pfalz tätigen Stadtsportverbände ein wenig neidig blickten: Von Beginn weg hatten die Gründerväter des Vereins bis heute sechs Vertreter mit Stimmrecht im Sportausschuss der Stadt Worms sitzen. Entscheidungen über Großprojekte wie beispielsweise den Bau und die Renovierung der BIZ-Sporthallen, die Erstellung und Erneuerung etlicher Rasen- und Kunstrasenplätze wie im Wormatia-Stadion, auf der Jahnwiese, und vieles anderes mehr kämpften Stadtsportverband und Stadt Worms gegen teils große Widerstände beispielsweise der Aufsichtsbehörden durch.
Sportmeile zum Rheinland-Pfalz-Tag 2018 in Worms ist Highlight in den 50 Jahren
Eine der großen Stärken des Stadtsportverbandes Worms: Kontinuität. Mit Nikolaus Doerr und Karl Engelbach in den ersten 25 Jahren und Wolfgang Lammeyer und dem seit 20 Jahren im Amt befindlichen Joachim Decker hatte der Stadtsportverband Worms nur vier Erste Vorsitzende an seiner Spitze. Einer stetigen Fortentwicklung stand diese personelle Stabilität dennoch nie im Wege. Große gemeinsame Veranstaltungen der Wormser Vereine wie der Sportlerball seit 1970 oder die Sporterlebnistage seit 2012 hob der Verein bis heute sehr erfolgreich aus der Taufe. „Höhepunkt“, da waren sich alle Festredner einig, „sei die fantastische Sportmeile beim Rheinland-Pfalz-Tag 2018 in Worms gewesen“ (Michael Kissel).
Fast zwei Jahrzehnte im regen Austausch über den Wormser Sport: Sportfunktionär Joachim Decker, 1. Vorsitzender Stadtsportverband Worms, Politiker Michael Kissel, Oberbürgermeister der Stadt Worms, kamen ungeachtet so mancher sachlicher und mitunter hitzigen Diskussion stets zu konstruktiven Lösungen für den Sport und die Vereine in der Nibelungenstadt. Foto: Marcus Diehl
Vergessen wollte Joachim Decker („Manchmal kamen wir uns beim Kampf um Fördermittel für Sportstätten und Gelder von Sponsoren für die in unserer Satzung verankerte Förderung der Jugendarbeit wie Don Quijote vor.“) aber auch manche schwere Stunde der Arbeit des Stadtsportverbandes nicht. Diesbezüglich mahnte Karl-Heinz Ries, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Stadtsportverbände, einen seit vielen Jahren ausgefochtenen Disput mit den politischen Gremien an. „Die Sportförderung muss – so wie es im Sportfördergesetz des Landes Rheinland-Pfalz verankert ist – als kommunale Pflichtaufgabe umgesetzt werden.“ Auch, dass für die kommenden Jahre viel Arbeit ansteht, kehrte Joachim Decker nicht unter das mit dem neuen Logo des Stadtsportverbandes Worms schick geschmückte Podium im EWR-Kesselhaus. Er verwies auf „herbe Rückschläge“ wie die Schließung des Kerschensteiner Bades und des Lehrschwimmbeckens im Eleonoren-Gymnasium, versprach aber auch zugleich: „Wir kämpfen für den gebührenden Stellenwert des Sports in der Gesellschaft.“ So wie es die Frauen und Männer des Stadtsportverbandes Worms in den letzten fünf Jahrzehnten stets getan haben.