Di., 02. Juli 2024, 15:39 Uhr
WORMS: Auch PETA erstattet Strafanzeige und fordert betreute Taubenschläge
600 Tauben auf Dachboden eingemauert
Mindestens 500 Tauben starben an Dehydrierung und Überhitzung auf einem Dachboden in einem Wohnkomplex in Worms. Die Tiere waren durch kaputte Ziegel dort hineingekommen und haben genistet. Dachdecker, welche die Schäden reparierten, mauerten die Tiere ein. Helfer des Arbeitskreises Stadttaube, der Berufstierrettung Rhein-Neckar und weitere Freiwillige konnten etwa 80 bis 100 Tauben lebendig bergen.
Unvorstellbare Qualen beim Hitzetod
Der Arbeitskreis Stadttaube und die Berufstierrettung haben Strafanzeige beim Umweltamt erstattet. Auch Deutschlands größte Tierschutzorganisation hat am 1. Juli bei der Staatsanwaltschaft Mainz Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.
Zudem fordert die Tierrechtsorganisation die Stadt erneut auf, die bereits geplanten betreuten Taubenschläge schnellstmöglich umzusetzen, um die Taubenpopulation nachhaltig und tierfreundlich kontrollieren zu können. Bereits im November 2023 wurden bei der Sanierung des ehemaligen Kaufhofgebäudes in der Fußgängerzone zwei Taubenküken lebendig eingemauert.
„Die Tauben mussten unvorstellbare Qualen erleiden. Man kann von Glück reden, dass immerhin einige Tiere von den Helfern gerettet werden konnten“, so Lisa Bechtloff, Fachreferentin bei PETA. „Wir hoffen, dass unsere Anzeige dabei hilft, die Tierquälerei zu sanktionieren und den Bau von betreuten Taubenschlägen voranzutreiben.“
Hohe Taubenpopulation ist menschengemacht
In nahezu allen Städten leben sogenannte Stadttauben. Dabei handelt es sich um ausgesetzte, domestizierte „Haustauben“. Maßgeblich für die großen Populationen sind laut der Tierschutzorganisation Wettflüge der Hobbyzüchter, wodurch massenhaft erschöpfte Tauben in Städten „stranden“ würden. Weitere Tauben werden aus Sicht von PETA freigelassen, weil sie unerwünschte „Zuchtmerkmale“ haben oder weil der Schlag nach einer Zucht aufgegeben werde. Hinzu kommen Tauben, die bei Hochzeiten „missbraucht“ werden. Billigend werde in Kauf genommen, dass diese Vögel sterben.
Stadttauben stammen von verwilderten sogenannten Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der Felsentaube gezüchtet wurden. Wie ihre Vorfahren, die in Felswänden leben, brauchen sie kleine, flache Flächen, auf denen sie ihre Nester bauen können. Diese finden sie in Häuserfassaden, Parkhäusern, Bahnhöfen und anderen städtischen Strukturen. Doch nahezu überall werden die Vögel durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt. Zudem finden sie in den Städten kaum gesunde Nahrung.
Augsburger Modell vorbildhaft
Das bewährte Augsburger Modell ist die einzige nachhaltige und tierleidfreie Lösung, um Taubenpopulationen zu kontrollieren. Dabei werden betreute Taubenschläge errichtet, wo die Vögel artgerechte Nahrung erhalten und ihre Eier durch Attrappen ausgetauscht werden können. Ebenso landet der Großteil des Kots der Tiere in den Taubenschlägen und nicht mehr auf den städtischen Straßen und Plätzen.