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  • Mo., 30. März 2015, 01:03 Uhr
    Am 29. März 1945 überquerten die Soldaten der 4. US-Infanteriedivision bei Worms den Rhein / Aus Befreiern wurden Freunde in der Wertgemeinschaft der NATO

    70 Jahre nach Kriegsende feierlicher Appell

    Der feierliche Appell am Pegelhäuschen erinnert an die Rheinüberquerung vor 70 Jahren. Foto: Gernot Kirch


    VON GERNOT KIRCH Im März 1945 lag das Deutsche Reich bereits in seinen letzten Atemzügen. Spätestens nach der erfolgreichen Landung von Amerikanern und Briten im Juni 1944 in der Normandie und dem Zusammenbruch der deutschen Heersgruppe Mitte im Sommer 1944 an der Ostfront war der Krieg für Deutschland verloren. Doch dachte bei der an Größenwahn verblendeten Nazi-Führung niemand an Kapitulation, sondern im gesamten Jahr 1944 und im Jahr 1945, bis zum Kriegsende am 8. Mai, ging das Töten weiter. Im letzten Kriegsjahr kamen dabei ungefähr so viele Menschen um, wie in den gesamten Kriegsjahren zuvor. Insgesamt sind rund 60 Millionen Menschen im 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

    Einnahme von Worms
    Unaufhaltsam rollten die Alliierten im Frühjahr 1945 auf deutschem Boden vor. So rückte im Osten die Rote Armee, bestehend Ukrainern, Weissrussen und Russen, in Richtung Berlin vor, während sich im Westen Engländer und Amerikaner dem Rhein näherten. Am 19. März 1945 hat die Panzerarmee des legendären US-Generals Patton die Nahe überschritten und Truppenteile bewegten sich auf Worms zu. Die Bange Frage war, würden um Worms erbitterte Häuserkämpfe geführt werden oder fiele die Stadt den Amerikaner ohne nennenswerte Gegenwehr in die Hände. Zwar war die Nibelungenstadt durch die beiden verheerenden Bombenangriffe am 21. Februar und am 18. März bereits schwer zerstört, dennoch hätte eine massive Verteidigung durch die Wehrmacht viele Tote geforderte, auch auf ziviler Seite. Ein Häuserkampf, für den die Schlacht von Stalingrad als Synonym steht, hätte sich tage- oder gar wochenlang hinziehen und einen hohen Blutzoll fordern können.

    Sprengung der Rheinbrücke
    Am 20. März erschüttern dann zwei gewaltige Detonationen die Stadt. Doch es war kein Gefechtslärm, sondern die Pioniere der Wehrmacht hatten in einer sinnlosen Aktion die Rheinbrücke gesprengt, als könne man damit die US-Armee stoppen. Einen Tag später, am 21. März erreichten dann die Panzerspitzen der Amerikaner mit ihren Sherman-Panzern die Nibelungenstadt. Sie drangen ohne nennenswerten Widerstand in die Stadt ein. Die abgesessene Infanterie durchkämmte unter Begleitschutz der Shermans die Stadt und stieß bis zum Rhein vor. Da die Brücke zerstört war, musste eine Pontonbrücke gebaut werden.

    In den nächsten Tagen setzen US-Infanteristen mit Sturmbooten über den Rhein, um am hessischen Ufer Brückenköpfe zu bilden. Sie trafen auf teils heftigen Beschuss durch SS- und Wehrmachtsteile. Schließlich brachte massives US-Artilleriefeuer den Widerstand zum Schwiegen und der Brückenschlag mit der Pontonbrücke gelang. Am 29. März trat dann die 4. US-Infanteriedivision über die Brücke zum Angriff auf die hessische Seite an. Damit war für Worms der 2. Weltkrieg endgültig vorbei.

    4. US-Infanteriedivison
    Die Brücken- bzw. Rheinüberquerung vor 70 Jahren durch die 4. US-Infanteriedivision war am Sonntagmorgen, den 29. März 2015,  Anlass für eine feierliche Erinnerungszeremonie am Pegelhäuschen am Rhein. Die 4. US-Infanteriedivision war ein Eliteverband, der bei der Landung in der Normandie dabei war, in Paris einmarschierte und bei der deutschen Ardennenoffensive und der Schlacht im Hürtgenwald bei Aachen 1944 hohe Verluste hatte.

    Ehrenflagge
    Zur feierlichen Zeremonie waren am Pegelhäuschen Abordnungen der Bundeswehr und der US-Army angetreten. Höhepunkt der Zeremonie war die Übergabe eines Erinnerungsbandes an die Rheinüberquerung. Das Band wurde von Oberbürgermeister Michael Kissel und dem Leiter des Kreis-Verbindungskommandos Worms, Oberstleutnant von Dörnberg, an den Kommandeur der 4. US-Infantriediviosn, General Paul J. LaCamera, übergeben und an der Ehrenflagge der 4. US-Division angebracht. Die 4. US-Infanteriedivision ist mittlerweile in Colorado stationiert und war sowohl in Vietnam wie auch im Irak und in Afghanistan eingesetzt.

    NATO-Partner
    OB Kissel sagte in seiner Ansprache, dass es dem Mut und der Entschlossenheit der Amerikaner zu verdanken sei, dass Deutschland und Worms vor 70 Jahren von der NS-Gewaltherrschaft befreit wurde. Die meisten Menschen hätte vor 70 Jahren das Ende des Krieges herbeigesehnt.

    General LaCamera betonte, dass aus den einstigen Feinden nach dem Krieg Freunde und NATO-Partner geworden seien. Der Chef des Stabes im US-Hauptquartier Wiesbaden, General Markus Laubenthal, sagte, dass der Besuch der Abordnung der 4. US-Infanteriedivision drei Zwecken diente. So wolle die US-Armee an den Brückenschlag vor 70 Jahren erinnern, die tiefe Verbundenheit zu Deutschland ausdrücken und gleichzeitig in Zeiten der Zunahme der Spannungen mit Russland die Entschlossenheit zur Bündnisverteidigung ausdrücken.

    Solidarität mit Osteuropa
    Wie aktuell und gefährlich die Situation momentan in Europa ist, zeigt sich daran, dass Teile der 4. US-Infanteriedivision gerade an einem Manöver im Baltikum teilnahmen, um dort gemeinsam mit NATO-Partnern für die Freiheit von Ländern wie Lettland, Litauen oder auch Polen gegenüber einer denkbaren russischen Aggression einzustehen. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland sowie die Waffenlieferungen an die Separatisten und das aktive Eingreifen von regulären russischen Streitkräften im Konflikt in der Ost-Ukraine zeigt, wie leicht eine Lage eskalieren kann und wie wichtig Streitkräfte zur Verteidigung der eigenen Souveränität sind.

    Sehen Sie dazu auch unseren Video-Clip über diesen Link

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