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  • Fr., 03. Februar 2023, 13:37 Uhr
    WORMS: Industriekapital, Bankiers und Großgrundbesitzer drängten auf Hitler als Reichskanzler

    90 Jahre Machtübertragung

    Dr. Ulrich Schneider referierte als Historiker und Bundessprecher der VVN-BdA über das Ende der Weimarer Republik respektive den Auftakt des NS-Regimes.

    Über 50 Interessierte folgten dem Vortrag von Dr. Ulrich Schneider im Tagungsraum der Arbeiterwohlfahrt. Gastgeber Hans-Herbert Rolvien Kreisvorsitzender der AWO erinnerte in seiner Begrüßung, dass auch die AWO nach 1933 von den Nazis verboten und Mitglieder verfolgt wurden. Ähnlich wie bei der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 sei auch das Vermögen der AWO von den Nazis geraubt worden.


    Ulrich Schneider, Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes  – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) zeichnete den Weg bis zur Machtübergabe in einem detailreichen Vortrag nach.


    Zu Beginn verwies er auf Alternativen zur Machtübertragung an die Faschisten. Die beiden Arbeiterparteien, die aus ideologischen Gründen zerstritten waren und auch das Zentrum hätten selbst nach den Juli-Wahlen 1932 noch die Mehrheit im Reichstag gehabt, trotz der Stimmenzuwächse der NSDAP. Auch die Novemberwahlen im gleichen Jahr, mit enormen Stimmenverlusten der Nazis, hätten eine demokratische Perspektive eröffnet.


    Schneider machte deutlich, wie, insbesondere nach den Novemberwahlen Vertreter des Industriekapitals, Bankiers, Großgrundbesitzer verstärkt auf die Abschaffung der Demokratie hinwirkten. In einer Eingabe vom November 1932 an Hindenburg hätten sie den Reichspräsidenten Hindenburg höflichst gebeten, „den Vertreter der stärksten nationalen Bewegung“, also Hitler, zum Reichskanzler zu ernennen.


    Skandal schwächte Hindenburg und begünstigte Hitler

    Dieser hielte den „kleinen Gefreiten“, aus reinem Standesdünkel, als nicht geeignet. Dennoch sei, so Schneider, in den Hinterzimmern mit Vertretern des Großkapitals auf die Machtübertragung hingearbeitet worden. Der Osthilfeskandal, in den auch das Hause Hindenburg verstrickt war, hätte letztlich auch Hindenburg zur Ernennung Hitlers bewegt, da Hitler versprach, eine parlamentarische Untersuchung zu verhindern.


    Reiner Schalk dankte Dr. Ulrich Schneider für seinen überaus interessanten Vortrag und verwies auf weitere Veranstaltungen zum Thema, was nach der Machtübertragung an die Faschisten passierte, insbesondere auf die Ausstellungseröffnung: „Auftakt des Terrors – Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ am Dienstag, dem 28. Februar, in der Gedenkstätte KZ Osthofen und auf die Planung einer Veranstaltung zu Zerschlagung der Gewerkschaften im Mai 1933.

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