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  • Sa., 18. Januar 2020, 15:24 Uhr
    Worms: Gisela und US-Amerikaner Jeff werden nach 40 Jahren Trennung erneut ein Paar

    "A true Love Story"

    Derzeit besucht Jeff Gisela in Worms: 40 Jahre lang hatten sie keinen Kontakt. Foto: Vera Beiersdörfer


    Von Vera Beiersdörfer | Gisela Rotunno konnte es kaum glauben, als ihr ihre Tochter Marion im November des vergangenen Jahres ein Handyfoto mit den Worten: „Das ist dein Jeff, er wartete auf deinen Anruf“, zeigte. Die Wormserin und der Amerikaner Jeffrey Allen Davidson waren einst ein Paar, aber das liegt bereits 40 Jahre zurück. Von 1971 bis 1977 war Jeff als Soldat der U.S. Army in der Nibelungenstadt stationiert. Als Gisela eines Tages mit ihrer Tochter im NCO-Club zum Bingo-Spielen war, erblickte sie den stattlichen jungen Mann. „Ich habe immer gelacht, wenn Leute von Liebe auf den ersten Blick gesprochen haben, aber in diesem Moment wusste ich, dass es sie tatsächlich gibt“, erzählt die 73-Jährige. Kurzerhand brachte die alleinerziehende Mutter die Tochter nach Hause und eilte zurück in den Club, doch Jeff war nicht mehr da.
    Von da an streckte Gisela ihre Fühler aus, sie wollte sein, wo er ist. Letztendlich war es eine Fastnachtsparty auf der aus den beiden ein Paar wurde. Gisela war 24, was sie jedoch nicht wusste: Jeff war erst 18. Das beichtete er ihr jedoch erst ein Jahr später, zuvor hatte er sich immer für gleich alt ausgegeben. „Was sollte ich machen, da habe ich ihn schon sehr geliebt“, schmunzelt Gisela.

    „Platz in meinem Herzen“
    1973 erblickte die gemeinsame Tochter Bianca das Licht der Welt. Die Familie war glücklich, bis Jeff 1977 zurück in die USA musste. „Natürlich hatten wir noch telefonisch und per Brief Kontakt, aber das waren andere Zeiten, das war nicht so einfach wie heutzutage“, bedauert die Ur-Wormserin. 1979 kam der Amerikaner dann nochmals zurück nach Worms, aber die Beziehung war nicht mehr dieselbe und das Paar trennte sich. Fortan hatten sie keinerlei Kontakt mehr. „Jedoch konnte ich ihn nie wirklich vergessen. Seinen Platz in meinem Herzen konnte kein anderer einnehmen“, berichtet Gisela.

    „So habe ich damals ausgesehen als wir uns kennenlernten“, erzählt Gisela. Ein gemeinsames Foto haben beide leider nicht.


    Als sie im November zum Telefonhörer griff war sie sehr aufgeregt, aber das änderte sich sofort als sie Jeffs Stimme hörte. Zwei Stunden lang sprachen sie über alles und die Gefühle übermannten beide erneut. „Da war auf einmal alles wieder da, dieses Kribbeln im Bauch, das ich danach nie wieder so gefühlt habe“, schwärmt Gisela mit Tränen in den Augen.
    Seither haben sie täglich mindestens einmal miteinander gesprochen. Jeffs Telefonrechnung betrug im Dezember 2019 stolze 2.500 Dollar, aber das war es ihm definitiv wert. Am Dienstag landete sein Flugzeug aus Ohio in Frankfurt, wo Giselas Schwiegersohn Andreas bereits auf ihn wartete, um ihn zu seiner großen Liebe nach Worms zu bringen. „Es war unglaublich, als er die Wohnung betreten hat, haben wir uns einfach nur festgehalten und geküsst. Die Liebe ist noch größer als damals, ich hätte nie gedacht, dass es das geben kann“, ist Gisela gerührt.

    Nochmalige Trennung
    ist undenkbar
    Stolz krempelt Jeff seinen Hemdsärmel hoch – ein von Giselas Bruder gestochenes Tattoo als Beleg der damaligen Liebe ziert noch immer seinen Unterarm. „Meine verstorbene Frau wollte immer, dass ich es mir entfernen lasse, aber das wollte und konnte ich nicht“, berichtet der 67-jährige, auch er hat in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder an Gisela denken müssen. Er wollte sie unbedingt wiedersehen. „Natürlich haben wir beide unsere Leben weitergelebt, wir waren beide verheiratet und sind mittlerweile verwitwet. Dass ich Gisela wiedersehe, daran habe ich fast nicht mehr geglaubt“, sagt er.

    Jeff hat das Tattoo, das ihn an seine große Liebe in Deutschland erinnert, nie entfernen lassen.


    Schließlich waren es die in den USA lebende Tochter Bianca und ihre Halbschwester Marion, die ihrer Mutter und dem Amerikaner zum späten Glück verhalfen und den Kontakt wiederherstellten. Und ihr Verkupplungsplan scheint aufzugehen. Noch bis zum 27. Januar ist Jeff in Worms, im Februar tritt Gisela dann den Gegenbesuch für etwa drei Wochen an. Eigentlich möchte Jeff, dass sie ganz bei ihm in den Staaten bleibt, eine nochmalige Trennung sei für ihn kaum denkbar. „Wenn ich mir alles angeschaut habe und es mir gefällt, werde ich, zurück in Worms, alles für meinen Umzug nach Ohio regeln“, berichtet sie augenzwinkernd, denn auch für sie steht nach nur drei gemeinsamen Tagen bereits fest, dass ein Leben ohne Jeff gar nicht mehr möglich ist.

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