Katholische Kirche in Worms und Umgebung: Verändertes Konzept der Seelsorge wurde über zwei Jahre lang ausgearbeitet
Ab 2022 auf neuen Wegen
Das ausführliche Pastoralkonzept, das auch eine ausführlich Ist-Analyse der Situation der Gemeinden beinhaltet, kann auf der Homepage des Dekanates unter www.kath-dekanat-worms.de eingesehen werden. Foto: Kath. Dekanat Worms
Seit fast zweieinhalb Jahren laufen in allen Pfarreien des Bistums Mainz unter dem Titel „Pastoraler Weg“ Beratungen zu einer grundlegenden Reform der Pfarreien und zu einer Neuausrichtung der Seelsorge. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hatte diesen Prozess unter das Leitwort gestellt: „Eine Kirche, die teilt“.
Anlass für den Reformprozess sind die rückläufigen Kirchenmitgliederzahlen und finanziellen Mittel. Hinzu kommen die Tatsache, dass auch das kirchliche Personal bis zum Jahr 2030 stark rückläufig ist: immer weniger Priester, Gemeinde- und Pastoralreferenten stehen für die Seelsorge vor Ort zur Verfügung. Daher soll bis zum Jahr 2030 eine zukunftsfähige Struktur und Form der Seelsorge entwickelt werden.
Gemeinsame Verwaltungseinheit
Auch im Dekanat Worms und seinen Gemeinden und Pfarreien wurde der Reformprozess intensiv beraten. „Wir haben in mehreren Dekanatsversammlungen die Rahmenvorgaben des Bistums vorgestellt und diskutiert, in Pfarrversammlungen und in den Pfarrgemeinderäten vor Ort wurden konkrete Vorschläge erarbeitet; mit Dekan und Dekanatsvorstand waren wir in allen Pfarrgemeinderäten, um ein gemeinsames Pastoralkonzept zu erarbeiten“, erläutert Carolin Bollinger, die Dekanatsreferentin des katholischen Dekanates Worms den Weg.
Die Grundidee der Reform sei es, die 23 einzelne Pfarreien zu einer gemeinsamen Verwaltungseinheit zu bündeln, erläutert Dekan Tobias Schäfer. „Durch eine starke gemeinsame Verwaltung soll dem stark angewachsenen Verwaltungsaufwand Rechnung getragen werden; und durch die Entlastung der einzelnen Gemeinden, Gremien und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben werden Ressourcen frei für die Seelsorge, die ja unser eigentlicher Auftrag ist“. Im Zentrum stehe daher die Fusion aller 23 Pfarreien des jetzigen Dekanates zu einer Pfarrei. Dabei sei jedoch wichtig, dass die einzelnen Gemeinden nicht aufgelöst werden sollen. „Im Gegenteil: es geht darum, die Gemeinden zu stärken. Denn der Glaube wird vor Ort, rund um die eigene vertraute Kirche, gelebt. Und das muss unbedingt so bleiben. Die Kirche bleibt im Dorf!“ unterstreicht Dekan Schäfer.
Ermutigendes Signal
Am 17. November 2021 wurde das Pastorale Konzept im Rahmen einer digitalen Dekanatsversammlung mit 35 Ja-Stimmen, 5 Enthaltungen und einer Gegenstimme von der Dekanatsversammlung verabschiedet und konnte daraufhin der Bistumsleitung übergeben werden. Stimmberechtigte Mitglieder der Dekanatsversammlung sind neben allen hauptamtlichen Mitarbeitern in den Pfarreien und im Dekanat die gewählten ehrenamtlichen Vorsitzenden aller einzelnen Pfarrgemeinderäte. Dass das gemeinsam erarbeitete Pastoralkonzept am Ende mit einer großen Mehrheit von der Dekanatsversammlung beschlossen und nun beim Bischof eingereicht werden konnte, sei ein ermutigendes Signal, unterstreicht auch Lucas Kraft, der als Dekanatsratsvorsitzender den Prozess bewusst als Ehrenamtlicher begleitet und mitgestaltet hat.
Es wird erwartet, dass der Bischof sich den Vorschlägen aus dem Dekanat anschließt. Dann kann der Reformprozess im Jahr 2022 in die 2. Phase gehen. „Voraussichtlich zum Sommer wird dann das bisherige Dekanat aufgelöst werden und der Pastoralraum Worms und Umgebung gegründet. Das ist eine Art Vorläufer der künftigen Pfarrei. Hier bestehen zwar rechtlich alle Pfarreien noch fort, werden aber durch den Bischof zu einer deutlich stärkeren Zusammenarbeit verpflichtet,“ erklärt Carolin Bollinger die nächsten Schritte. Es gelte zu lernen, miteinander verbindlich zu kooperieren, gemeinsame Projekte zu entwickeln und sich so auch gegenseitig zu entlasten und zu stützen. „Die Verantwortung der Ehrenamtlichen wird deutlich gestärkt: sie vor allem gestalten ja das Gemeindeleben vor Ort; zusammen mit den Hauptamtlichen werden wir schauen, welche Formen und Unterstützung es dafür braucht.“
Sechs Schwerpunkte
Für die Ausrichtung der Seelsorge habe man im Pastoralkonzept insgesamt sechs pastorale Schwerpunkte formuliert, die man nun gemeinsam entwickeln wolle: 1) das Zusammenwachsen als einen Weg des Teilens zu begreifen und dazu auch den Martinusweg, der durch das Dekanat Worms führt, geistlich zu erschließen; 2) Ehrenamtliche begleiten, fördern und neue Formen des Teilens von Verantwortung entwickeln; 3) die Familienpastoral soll ein besonderer Schwerpunkt des gemeinsamen kirchlichen Handelns werden; 4) die kirchlichen Kitas sollen als besondere Orte kirchlichen Lebens und Handelns weiter entwickelt werden; 5) die Jugendarbeit soll ein wichtiger Schwerpunkt bleiben; und schließlich soll 6) durch die sozial-caritative Arbeit in den Gemeinden die Sorge der Kirche für die Armen und Benachteiligten nicht aus dem Blick geraten.
Das ausführliche Pastoralkonzept, das auch eine ausführlich Ist-Analyse der Situation der Gemeinden beinhaltet, kann auf der Homepage des Dekanates unter www.kath-dekanat-worms.de eingesehen werden.
„Mit der Verabschiedung des Konzepts ist zwar die erste Phase des Reformprozesses ‚Pastoraler Weg‘ abgeschlossen; aber das ist erst die erste Etappe auf einem Weg, der im Neuen Jahr weiter Fahrt aufnimmt. Jetzt gilt es, die nächsten konkreten Schritte zu gehen. Dazu werden wir mit den Gemeinden, mit den Haupt- und Ehrenamtlichen weiter in intensivem Gespräch bleiben“, ist sich Dekan Tobias Schäfer sicher.