Petra Urban zu Gast bei den Pfeddersheimer Landfrauen
Abenteuer Älterwerden
In ihren Geschichten plädiert Petra Urban für mehr Sensibilität im Augenblick, das Entdecken all der kleinen Freuden, die das Leben uns an jedem Tag schenkt.
Zuerst wurde ausgiebig gefrühstückt an den vielen großen Tischen im evangelischen Gemeindehaus, die allesamt herbstlich bunt geschmückt waren. Nachdem es jede Menge Gutes vom Buffet gegeben hatte, sorgte die Binger Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Petra Urban für geistige Nahrung.
„Mir gefällt ihre bilderreiche Sprache, denn Bilder bleiben im Gedächtnis“, hieß es spontan aus dem Publikum, als Petra Urban einen Teil ihrer Lesung mit den Worten beendete: „Älterwerden heißt, wir dürfen niemals aufhören, uns selbst zu beschenken, uns selbst den Hof zu machen.“ Voran gegangen war eine genauso amüsante wie treffende Fantasie vom „Leben als Bauernhof“.
„Da war für jeden etwas dabei“, sagte Ortsvorsitzende Hannelore Reinheimer am Ende und freute sich, dass das Thema: „Sprudelndes Leben, strömende Zeit - Frauengeschichten vom Älterwerden“ so gut ankam. In einer Zeit, die von der Sehnsucht nach ewiger Jugend und Schönheit geprägt ist, in der Geburtstage als Feinde abgestempelt werden und Falten und graue Haare gern der Krieg erklärt wird, schwimmt Petra Urban erfrischend gegen den Strom.
Auseinandersetzung mit dem Älterwerden hat gut getan!
Sich mit dem Älterwerden spielerisch auseinander zu setzen, habe ihr gut getan und ihr ein ganz neues Lebensgefühl geschenkt, erklärte sie. Bunt und abwechslungsreich reihte sie Gedanken und Geschichten, Literarisches und Philosophisches aneinander, sprach von seelischen Aufbrüchen und dem Mut, sich neue Schritte im eigenen Leben zu erlauben, sich lustvoll neu zu entwerfen. In immer neuen Bildern inspirierte sie dazu, über die so wichtige Kunst nachzudenken, sich am Tisch des Lebens eine gute und großzügige Gastgeberin zu sein.
In ihrer poetischen Sprache machte sie den anwesenden Frauen Mut, sich nicht nur äußerlich, sich vielmehr innerlich zu verjüngen. Am Beispiel einer fast Hundertjährigen verdeutlichte sie, wie wichtig es ist, „Liebe im Blick“ zu haben. Damit meint sie eine innere Haltung, die mit Alter und Sehfähigkeit nichts zu tun hat, die vielmehr vollkommene Zuwendung ist. Eine Aufmerksamkeit dem Leben und sich selbst gegenüber, die mit „Aufmachen“, „sich dem Augenblick öffnen“ zu tun hat. Ihr Resümee: „Nicht in den eigenen vier Wänden vereinsamen, das Leben findet draußen statt.“
Noch beim Büchersignieren kreiste das Gespräch um die Lust am Älterwerden. Wichtig vor allem, darin waren sich alle einig, neugierig zu bleiben und den Humor zu bewahren. „Denn das Lachen“, so Urban, „funktioniert wie ein Surfbrett, auf dem wir über die sich auftürmenden Wogen des Alters schwerelos hinweg gleiten.“