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  • Mo., 13. Dezember 2021, 12:25 Uhr
    ABENHEIM: Abluftanlage in Klasse 4 der Klausenberg-Grundschule soll 90 Prozent Aerosole absorbieren / Lob von Stadt und Schule  

    Abluftanlage „Marke Eigenbau“ in Grundschule in Betrieb

    In der vierten Klasse der Abenheimer Klausenbergschule hängen große Schirme unter der Decke, etwas darüber verlaufen Abluftrohre, die verbrauchte Luft nach draußen führen. Es ist die erste Abluftanlage dieser Art an einer Wormser Schule. Foto: Gert Bickel


    Selbst aktiv werden gegen Corona? Und in Eigenregie eine Lüftungsanlage bauen, die im Klassenzimmer 90 Prozent der Aerosole absorbiert? Ohne allzu große Kosten? Und mit Materialien, die aus jedem Baumarkt zu bekommen sind? Als Gert Bickel von dieser Möglichkeit in der Zeitung las, dachte er sich: Das wär‘ doch was für unsere Abenheimer Klausenberg-Grundschule! Und als er erfuhr, dass das Projekt wissenschaftlich abgesegnet ist durch das Max-Planck-Institut in Mainz, gab es kein Zögern mehr.

    Bickel, selbst Vater eines Kindes, das die Grundschule dort besucht, machte sich an die Arbeit: Er knüpfte Kontakte, stellte die Finanzierung über den Förderverein sicher, trommelte Helfer zusammen und warb für die Idee bei der Stadt. Vor wenigen Tagen konnte die Lüftung "Marke Eigenbau" tatsächlich in Betrieb genommen werden. 22 Schüler der vierten Klasse haben bereits unter diesen Voraussetzungen Unterricht gehabt. In ihrem Klassenzimmer hängen große Schirme unter der Decke, etwas darüber verlaufen Abluftrohre, die verbrauchte Luft nach draußen führen. Es ist die erste Anlage dieser Art an einer Wormser Schule. Viel Lob kam bereits von Schulleiter Christian Langner für das Eltern-Engagement.

    Nutzen belegt durch Max-Planck-Institut

    Die Haupt-Arbeit, die Installation der Anlage, war von acht Eltern an einem Wochenende erledigt. Über einen Messebauer, der ebenfalls eng mit dem Max-Planck-Institut zusammenarbeitet und sich auf die Materialbeschaffung der Anlagen spezialisiert hat, hatte Bickel den Materialbedarf selbst über ein Programm berechnen können. „Das war eine Sache von einer Dreiviertelstunde“. Dort wurde auch das Material geordert. Dann sei noch ein wenig Vorarbeit zu Hause nötig gewesen. Außer den Baumaterialien seien dann vor Ort nur noch Messer, Schere, Tacker, Akkuschrauber und Säge nötig gewesen, zählt Bickel auf.

    Fürsprecher leisten Überzeugungsarbeit

    Doch auch, wenn das Projekt schnell in die Praxis umgesetzt war – der Anlauf dazu war schwierig. Von der Idee bis zu Umsetzung verging fast ein Jahr. Die Verwaltung favorisierte zunächst andere Lösungen. Der neue Leiter des Bereichs Immobilienmanagement, Patrik Eichhorn, zeigte sich jedoch schnell aufgeschlossen. Gemeinsam mit Bickel nahm er eine Anlage gleicher Bauweise in Augenschein. In Worms hatte das Alisa-Zentrum, eine private Hilfseinrichtung im Wormser Norden, wo Schüler unter anderem Hausaufgabenbetreuung bekommen, eine solche unter ganz ähnlichen Bedingungen bereits in Betrieb. Und als Eichhorn sah, wie durchdacht alles konstruiert ist und dass beispielsweise keine Durchbrüche an der Wand nötig sind bei der Installation, kam alles ins Rollen.

    Materialkosten nur rund 30 Euro pro Schüler

    Auf rund 750 Euro belaufen sich die Kosten für das Baumaterial. Für 25 Personen ist die Anlage ausgelegt. „In Summe kostet dieser Corona-Schutz also nur rund 30 Euro pro Schüler“, erklärt Bickel. Die Finanzierung hatte er über den Förderverein sichergestellt. Zu seiner Freude ließ Eichhorn durchblicken, die Stadt wolle sich an den Kosten beteiligen. In den nächsten Tagen wird Eichhorn die Anlage in Abenheim inspizieren. Kommt sein OK, können Bickel und das Helferteam auch die anderen vier Klassenräume, sowie dem Raum für die Mittagspause, mit einer solchen Abluftanlage ausstatten.  (Initiator Bickel: Nach unseren gesammelten Erfahrungen ist ein Raum dann mit sechs Helfern in sechs Stunden machbar.)

    Leise wie eine Geschirrspülmaschine

    Die vierte Klasse wird derweil schon unter den neuen Corona-Schutzschirmen unterrichtet. „Auch wenn noch keine Studien vorliegen, wie stark eine solche Lüftungsanlage die Zahl der Coronafälle verringern kann – wissenschaftlich belegt ist, dass sich die Aerosolkonzentration, also die Virus- und Bakterienlast insgesamt, inklusive Coronavirus, bei guten Bedingungen um 90 Prozent verringert“, erklärt Bickel. Und noch etwas kann man jetzt schon sagen: Der Konzentration schadet die Anlage ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Durch den ständigen Luftaustausch ist der Sauerstoffgehalt höher. Und mit 39 Dezibel surrt die Anlage auf der vom Max-Planck-Institut empfohlenen mittleren Betriebsstufe so leise wie eine Geschirrspülmaschine.

    INFO

    Wer mehr wissen möchte und vielleicht selbst ein ähnliches Projekt starten möchte: Unter den E-Mail-Adressen Marco.schaefer76@gmx.de und Ralph.lahr@t–online.de geben Aktive aus der Abenheimer Elternschaft nähere Infos und auch Kontakt zum Initiator Gert Bickel.

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