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Mo., 20. Mai 2013, 13:08 Uhr
Worms erhöht ab September die Parkgebühren in der City auf das Niveau der Stellflächen in den Parkhäusern / Mittelfristig weitere Erhöhungen geplant
Abzocke oder sinnvolle Parkraum-Koordinierung?
Die Parkhäuser sind leer, die Außenbereiche, zum Teil durch Falschparker voll. Dieses Problem möchte die Stadt mit dem neuen Parkraumkonzept angehen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der erfolgte Aufschrei über die Erhöhung der Parkgebühren in der Wormser Innenstadt, der so genanten Tarifzone 1, um rund 50 Prozent, war zu erwarten. So muss ab 1. September (sofern der Stadtrat zustimmt) für 20 Minuten Parkdauer statt 30 Cent dann 40 Cent berappt werden.
Für 30 Minuten kostet es bald 80 Cent, bisher waren es 50 Cent. Wer eine Stunde parkt, zahlt ab Herbst satt 1,10 Euro den Betrag von 1,70 Euro. Und zwei Stunden kosten drei Euro statt bisher 2,30 Euro.
In der Tarifzone 2, dem Bereich etwas außerhalb der Kernstadt, fällt die Erhöhung mit 40 Prozent nicht ganz so drastisch aus, doch auch hier muss deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden.
Prinzipiell soll die Parkdauer in der City maximal eine Stunde betragen, in einigen Bereichen, wie ums Rathaus oder am Bahnhof nur 30 Minuten. Auf dem Parkplatz in der Karmeliterstraße bleibt es hingegen bei zwei Stunden.
Oberbürgermeister Michael Kissel stellt das neue Park-Konzept der Presse so vor, wie es im Haupt- und Finanzausschuss mit zwölf Ja-Stimmen und drei Nein-Stimmen beschlossen wurde. Damit wäre es die erste Erhöhung seit etwa 10 Jahren.
Das Stadtoberhaupt erläuterte dabei, dass es nicht darum gehe, dass die Stadt mehr Geld einnehme, sondern die Parkströme sollen besser koordiniert werden. Im Kern heißt dies, der Parksuchverkehr, bei dem Autofahrer die gesamte City nach vermeintlichen Parkplätzen absuchen, soll eingeschränkt und das Abstellen der Kfz in Parkhäusern attraktiver werden.
Diesbezüglich wurde allerdings nicht der Schritt gewählt, die Tarife in den Häusern billiger zu machen, sondern man hebt die Gebühren in der City auf diejenigen der Parkhäuser an. Die Verwaltung, so OB Kissel, habe übrigens noch weit drastischere Erhöhungen vorgeschlagen, dies habe man jedoch nicht umgesetzt, sondern eine abgefederte Variante gewählt.
Weitere Erhöhungen geplant
Wobei die jetzt geplante Erhöhung nicht das Ende der Fahnenstange sein wird, sondern nach der dringend notwendigen Sanierung der Parkhäuser sollen dort die Gebühren wieder steigen. In einem dritten Schritt ist geplant, die Parkgebühren in der City wieder mit denen in den Parkhäusern in Einklang zu bringen.
Hinterfragt man die Entscheidung der Mehrheit der Mitglieder im Haupt- und Finanzausschuss abseits der wutschnaubenden Proteste der Autofahrer, kommt man an zwei Aspekten nicht vorbei. Die erste ist, dass nahezu jeder zweite Wormser einen Wagen besitzt. Rechnet man noch die Autos der Besucher aus der Region hinzu, stellt man fest, es ist unmöglich, für all diese Fahrzeuge Parkplätze in der City zu schaffen.
Das einzige, was hier hilft, sind Parkhäuser. Problem war allerdings bisher, dass die Gebühr im Parkhaus teuerer war, wie auf einem Abstellplatz im Freien. Also sucht der Autofahrer einen Parkplatz im Freien, weil dieser billiger ist. Wäre die Stadt konsequent, müsste es in den Parkhäusern sogar billiger sein als außerhalb, sodass jeder “freiwillig“ ins Parkhaus fährt.
City nach amerikanischem oder europäischen Vorbild?
Der zweite Aspekt ist, welche Art von Stadt man möchte. Eine europäisch oder eine amerikanisch geprägte. Eine „europäische“ Stadt bietet Fußgängerzonen, Plätze zum Verweilen und mit Cafés sowie Grünflächen und Parks in der Kernstadt – eine City also, in der der Mensch Vorfahrt hat.
In einer „amerikanischen“ Stadt habe das Auto Vorfahrt vor den Menschen: Möglichst dreispurig hinein und hinaus, große Parkplätzte direkt vor dem Geschäft. Der Nachteil hier – für urbanes Leben bleibt kein Raum.
Will man die „europäische“ Variante, kommt man nicht daran vorbei, die Autos aus der City zu verbannen bzw. auf Kurzzeitparken zu beschränken. Dieses Konzept verfolgt nicht nur Worms, sondern nahezu jede größerer Kommune in der Umgebung.
Die Crux an den Wormsern ist nur, dass sie in Mainz oder Mannheim ganz selbstverständlich die Parkhäuser ansteuern, diese in Worms aber meistens strikt ablehnen. Zu hinterfragen ist hier, ob die Parkgebühren wirklich zu hoch sind, oder dies nur mehr ein objektives Empfinden ist.
Denn manch einer kauft ohne zu murren für mehrere 100 Euro Klamotten, Schmuck und anderes ein, zwei Euro Parkgebühr empfindet er aber gleichzeitig als zu hoch.
OB Kissel wies zum Abschluss der Pressekonferenz noch auf das Parken an nicht erlaubter Stelle hin. So sei Worms nach seiner Aussage schon jetzt eine Stadt mit extrem vielen Falschparkern. Was in der Konsequenz dazu führe, dass Behinderte oder Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren häufig auf Fußwegen nicht mehr vorwärtskämen. Ein Umstand, der gerade vom Seniorenbeirat kritisiert werde. Zukünftig sollten daher zusätzliche Mitarbeiter für Kontrollen eingesetzt werden, im Klartext, „Knöllchen“ verteilen.
IHK und Stadtmarketing mit im Boot
Die IHK-Geschäftsführerin Andrea Wentsch und der Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, Kai Hornuf, bezeichneten auf der Pressekonferenz die geplanten Erhöhungen als moderat und durchaus vertretbar.
Zwei Dinge gilt es noch anzumerken. Wenn Parkhäuser für die Benutzer attraktiver werden sollen, müssen sie attraktiver werden, also mit größeren Parkboxen, ohne enge Auffahrten sowie heller und sicherer.
Der zweite Punkt, um die Innenstadt attraktiver zu machen, ist der konsequente Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, sodass die Bürger mit Bussen und Bahnen in die City fahren und nicht mit dem Auto. Doch hier scheut sich die Politik und denkt vorwiegende an den Straßenbau. Dabei wäre es so einfach, denn zurzeit liegt das Buslinienkonzept den Stadträten vor. Wenn man es ernst meint, müsste man nur einen 20- oder gar 15-Minutentakt für die Hauptlinien einführen, dann würde so manch einer auf Omnibusse umsteigen.