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So., 07. Februar 2016, 20:27 Uhr
Der Mannheimer Eishockey-Bundesligist unterlag am Sonntag im Heimspiel gegen die Augsburger Panther mit 1: 2 Toren nach Penalty-Schießen
Adler auf dem Tiefpunkt angekommen
Die Adler kommen in dieser Spielzeit - wie hier Glen Metropolit - einfach nicht auf die Beine. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch In einer schwachen und auf niedrigem Niveau stehenden Partie haben die Mannheimer Adler am Sonntagnachmittag mit 1:2 (0:1/1:0/0:0/0:0/0:1) Toren im Penalty-Schießen gegen den Augsburger EV verloren. Dies war die fünfte Pleite der Nordbadener in Serie. In der Tabelle bleiben die Blau-Weiß-Roten zwar auf Rang sieben, aber die Verfolger konnten sich wieder ein Stück an die Cracks aus der Quadratestadt heranschieben.
Jede Mannschaft kann einmal Zuhause verlieren, dies ist nicht der Punkt. Was vielmehr Grund zur Sorge bereitet, ist der Umstand, wie die Niederlage der Adler Zustande kam. Und diesbezüglich fällt das Urteil vernichtend aus. Es war ein grottenschlechtes Eishockey-Match, das bestenfalls Zweitliga-Niveau besaß. Weder Mannheim noch Augsburg haben in dieser Verfassung etwas in den Play-Offs zu suchen! Die Zuschauer in der nahezu ausverkauften SAP-Arena haben die Mannheimer Cracks daher auch vollkommen zurecht mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet.
Bei den Adlern stimmte am Sonntagnachmittag eigentlich gar nichts. Es war keine Leidenschaft vorhanden, es fehlte die Effizienz, der Kampf, der Biss und auch das spielerische Niveau. Die Überzahl war harmlos und das Zweikampfverhalten zögerlich. Man merkte den Cracks an, dass sie nach dem bisher schlechten Saisonverlauf hypernervös, verängstigt und ohne jegliches Selbstvertrauen agierten. Die Lustlosigkeit im Team war greifbar. Der einzige Adler-Akteur der zurzeit Normalform hat, ist Ryan MacMurchy. Alle anderen Spieler erreichen bestenfalls 50 Prozent der Qualität vom Vorjahr. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Mannschaft nur mehr im Tabellenmittelfeld mit absteigender Tendenz zu finden ist.
Erschwert wird die ganze Problematik wohl noch dadurch, dass es Gerüchten zu Folge im Team große Unstimmigkeiten gibt. Dies würde übrigens auch erklären, warum es den Anschein hat, dass das Team nicht als geschlossene Mannschaft auftritt wie in der letzten Spielzeit.
Die große Frage ist, spielen die Cracks mittlerweile gegen den Trainer Greg Ireland? Als Außenstehender weiß man es nicht. Klar ist aber auch, die Trainerdebatte dürfte in der heute beginnenden, zweiwöchigen Länderspielpause erneut begonnen haben. Es scheint dem Beobachter auch so, als ob Greg Irleand nicht mehr zu den Jungs durchdringt und ihm auch seit Wochen bzw. Monaten nichts Nachhaltiges einfällt, um die Adler dauerhaft zu stabilisieren. Alles am Trainer festzumachen ist sicher falsch, mindestens die halbe Mannschaft könnte man auf die Tribüne setzen. Es ist eben nur so, dass der Coach das schwächste Glied ist. Die andere Frage ist natürlich auch immer, wenn holt man als Ersatz, was gibt der Markt her. Zudem besitzt Greg Ireland ja auch einen mehrjährigen Vertrag. Es wäre also nicht billig, ihn zu entlassen. Für Spannung ist in den nächsten zwei Wochen also durchaus gesorgt, auch wenn das nächste Eishockey-Match erst am 19. Februar in Schwenningen ansteht. Es darf gerätselt werden, wer dann hinter der Bande das Sagen hat.
Manch ein frustrierter Fan ist übrigens jetzt schon froh, wenn die Saison vorbei ist. Ein emotionaler Tiefpunkt, der in der Eishockey verrückten Stadt Mannheim undenkbar schien.
Der Einstand von Adler-Neuzugang Matt Lashoff verlief umspektakulär. Der Verteidiger absolvierte ein unauffällige Partie. Es lässt sich über ihn noch wenig sagen.
Zur Chronologie
1. Drittel
Die Adler bestimmten von Beginn an die Partie gegen Augsburg. Wirklich gute Einschussgelegenheiten blieben aber Mangelware. Selbst eine Überzahlsituation ab der 3. Minute brachte keinen Erfolg, zweimal vergab Christoph Ullmann und einmal Sinan Akdag. In der 8. Minute dann die völlig überraschende 1:0 Führung für Augsburg. Die Zuordnung bei den Adlern hatte nicht gestimmt, sodass eine Situation entstand, bei der zwei Stürmer der Panther auf einen Adler-Verteidiger zufuhren. Der „alte Fuchs“ im Augsburger Dress, Ivan Ciernik, nutzte dies und schoss ein. Die Mannheimer steckten nicht auf, aber ihre Aktionen wirkten planlos. Kai Hospelt (11. Min) und Brent Raedeke (13. Min) hatten noch die besten Chancen. Eine weitere Überzahl der Nordbadener verpuffte ebenso torlos. Jon Rheault vergab in der 15. Minute hier die größte Gelegenheit. Auch die Panther durften kurz vor Drittelende in Überzahl ran, aber auch die Schwaben brachten nichts Zustande. So ging es mit der 1:0 Führung für Augsburg in die Kabinen. Fazit: Nervöse Adler agierten ohne Biss und Effizienz, Augsburg nicht gut, aber cleverer und im Glück. Torschüsse: Mannheim 13 - Augsburg 10
2. Drittel
Im zweiten Abschnitt waren die Adler weiter feldüberlegen, ohne den ganz großen Druck entfalten zu können. Dennoch gelang Mannheim in der 27. Minute der Ausgleichstreffer zum 1:1 durch Ryan MacMurchy. Insgesamt erlebten die Zuschauer aber ein eher farbloses und blasses Drittel in dem auch der AEV keine Akzente setzte. Mit dem 1:1 ging es auch in die Kabinen. Fazit: Leidenschaft und Kampf sind etwas anderes. Ein mieses Drittel. Der Ausgleich zum 1:1 aber verdient. Torschüsse: Mannheim14 - Augsburg 9
3. Drittel
Die erste große Gelegenheit besaß Panther-Stürmer Benjamin Hanowski in der 44. Minute, aber Youri Ziffzer im Mannheimer Gehäuse parierte. Im Anschluss die Adler in Überzahl, hier hämmerte Ryan MacMurchy viermal auf das Tor der Augsburger, aber die kleine Hartgummischeibe wollte nicht rein gehen. So verstrich die Zeit. Dann waren noch zwölf Minuten zu spielen. In der 50. Minute probierte es Adler-Angreifer Jamie Tardif mit einem Schlagschuss, aber Jeff Drouin-Deslauriers im Panther-Gehäuse hielt glänzend. Ab der 54. Minute der AEV in Überzahl, aber die Schwaben spielten dies schwach und blieben ohne nennenswerte Chance. Das Spiel jetzt insgesamt ein ziemliches Rumgestochere. Dann waren noch vier Minuten zu spielen und es gab die ersten Pfiffe und Unmutsäußerungen der Zuschauer. Der Augsburger Michael Iggluden hatte eine Minute vor Spielende den Siegtreffer auf dem Schläger, aber er vergab, ebenso wie Ryan MacMurchy nur wenige Sekunden später auf der anderen Seite. So blieb es beim 1:1 nach 60. Minuten und es ging in die Verlängerung. Fazit: Ein schwaches Drittel von beiden Mannschaften, das einem die Lust am Eishockey nahm. Torschüsse: Mannheim 11 - Augsburg 9
Verlängerung / Penalty-Schießen
Beide Teams suchten durchaus in der Offensive die Entscheidung, doch waren die zwei Torsteher auf der Hut und hielten, was zu halten war. Schließlich blieb es beim 1:1 unentschieden und das Penalty-Schießen musste über Sieg oder Niederlage bestimmen. Hier hatte Augsburg mehr Glück, denn Michael Iggulden verwandelte als einziger von sechs Schützen seinen Penalty. Somit gewannen die Panther mit 2:1 Toren und nahmen zwei Punkte mit ins Schwabenland. Mannheim bleibt ein Zähler.