Di., 30. April 2013, 15:04 Uhr
Frühes Play-Offs-Aus der Mannheimer Kufencracks überschattet positive Punktrunde
Adler Bilanz der Spielzeit 2012/13
Die Ratlosigkeit war den Verantwortlichen nach dem raschen Aus im Play-Off-Viertelfinale anzusehen. Es herrschte Schockstarre. Zeitweise war zu befürchten, dass mehr als die halbe Mannschaft gehen muss. Dann aber besann man sich. Wobei die Schwierigkeit der Analyse darin bestand, dass man die Mannschaft während zwei völlig unterschiedlichen Phasen betrachten musste, hier die Punktrunde, dort die Play-Offs. Ginge es nur nach den Play-Offs müssten sicherlich 70 Prozent der Cracks ihren Hut nehmen, doch schaut man etwas gelassner auf die Gesamtbilanz bleibt festzuhalten, mit der Vizemeisterschaft 2012 und dem Punktrundentitel 2013 hat man sich in der DEL-Spitzegruppe festgesetzt und ist eine Größe im deutschen Eishockey. Und erarbeitet hat sich dies der Kader der Spielzeiten 2011/12 und 2012/13, der nahezu identisch war.
Dennoch musste nach den katastrophalen Play-Offs von Seiten der Verantwortlichen eine Reaktion gezeigt werden. Dis Konsequenz war, einige Verträge wurden nicht verlängert und einige Cracks mussten bzw. wollten gehen. Dies waren Doug Janik, Craig MacDonald, Yannic Seidenberg und Adam Mitchell. Wobei es bei einigen Cracks ein bisschen nach Baueropfern aussieht.
Insgesamt kann man die Reaktion der Verantwortlichen als einen Mix bezeichnen: Kein radikaler Umbruch, aber einige Spieler mussten gehen. Es wurde jedoch der Stamm gehalten, um die Mannschaft sukzessive zu verstärken und umzubauen. Dabei gab bzw. gibt es immer noch zwei große Baustellen, dies ist die Abschlussschwäche der Stürmer und die mangelnde Offensivfähigkeit der Abwehrspieler. Für die Sturmschwäche hat man inzwischen den Münchner Torjäger Martin Buchwieser, den Wolfsburger Kai Hospelt und Jochen Hecht verpflichtet. In Sachen Offensivverteidiger wurde das Mannheimer Eigengewächs Christopher Fischer aus Wolfsburg zurückgeholt.
Bei den Ausländer sieht man sich noch nach einem Offensivverteidiger und einem Torjäger um. Ob man fündig wird, bleibt abzuwarten. Denn inzwischen verdienen gute Ausländer nicht nur in der NHL, der Schweiz sowie der weiter wachsenden russischen KHL mehr, sondern auch in Schweden. Zudem fällt in Schweden in der kommenden Spielzeit die Begrenzung der Ausländer weg, weswegen noch mehr Ausländer nach Skandinavien gehen werden.
Was daraus für die Adler folgt, sind zwei Handlungsmöglichkeiten: Entweder man bekommt nur mehr unterdurchschnittliche, ausländische Cracks oder man greift tiefer in die Tasche. Was Spitzencracks wert sind, zeigten in der abgelaufen Spielzeit die beiden Schweden-Importe Holmqvist und Tjärnqvist in Köln oder mit Wheeler und Stastny in München. Noch positiver war es mit der Reihe Goc, Hecht und Pominville in Mannheim. Die Frage ist letztlich auch, wie attraktiv will bzw. muss man Eishockey machen, damit die breite Öffentlichkeit und des Fernsehen davon Notiz nimmt? Wobei dies andererseits natürlich die Frage aufwirft: "Wie bezahle ich dies, wenn die großen TV- und Werbegelder fehlen?" Alles in allem ein Spagat, doch sollte man es ruhig mal probieren, einen echten Kracher nach Mannheim zu holen, auch wenn dieser das Gehaltsgefüge sprengen dürfte. Mit Hecht scheint man diesen Weg zu gehen.
Ein Konsequenz aus der Tatsache, dass zu normalen Konditionen nur mehr „schwächere“ Ausländer nach Deutschland kommen, ist die Option, verstärkt auf einheimische Cracks zu setzen und sie zu den Leistungsträgern zu machen. Dazu gehört auch der Einbau und die Förderung von Eigengewächsen. Hier arbeitet Mannheim vorbildlich.
Doch bereitet den Verantwortlichen ein elementarer Umstand Kopfzerbrechen, der weniger etwas mit der technischen und läuferischen Klasse zu tun hat, und dies ist die Nervenschwäche im bisherigen Kader. Es fehlt einfach jenes Sieger-Gen, das etwa Berlin hat. Dieser Mangel in Mannheim wurde 2012 im Endspiel gegen die Eisbären und 2013 in der Serie gegen Wolfsburg deutlich.
Daher möchte man mehr Spielertypen haben, die dann ihre Stärke zeigen, wenn es darauf ankommt, nämlich in den Play-offs und in Spitzenspielen. Man möchte Cracks, die sich auf die Play-Offs und das Kräftemessen mit den Besten freuen und sich nicht davor verstecken.
Soll man einen Ausblick wagen, muss man sagen, die Adler sind prinzipiell auf dem richtigen Weg, auch wenn sie zweimal gepatzt haben, als es darauf ankam. Aber das kontinuierliche Verbessern eines Teams ist sicher der richtige Lösungsansatz. Und mit dem jetzt geschaffenen Kern von starken deutschen Spielern, ergänzt durch hungrige Nachwuchscracks und gute Ausländer ist Mannheim auf dem richtigen Weg. Und vielleicht gelingt bei den Verpflichtungen noch ein weiterer Kracher wie Hecht.
Von einem aber sollten sich die Mannheimer schleunigst verabschieden, und ist dies ist der Glaube, so etwas wie der natürlich Konkurrent und Nachfolger der Eisbären zu sein. Mit Köln, Ingolstadt, Hamburg gibt es jetzt schon ebenbürtige Gegner. Und München und Nürnberg werden auf Augenhöhe dazukommen. Will man also in Zukunft Titel gewinnen, wird dies nur über Kampf, Leidenschaft, Herz und mentale Stärke gehen, denn spielerisch ist man nicht (viel) besser als andere. Gelingt es, diesen mentalen Knopf umzulegen, werden die Adler dort oben bleiben, wo sie zurzeit sind. Wenn nicht, folgt ganz rasch das Durchreichen nach unten.