Von Gernot Kirch Die große Frage vor der DEL-Partie am Sonntagnachmittag zwischen den Mannheimer Adlern und der Düsseldorfer EG war, wie würden sich die Badener nach der 0:4 Heimpleite vom Freitag präsentieren? Würde das Team von Coach Harry Kreis eine entsprechende Reaktion zeigen. Die Antwort fällt zweigeteilt aus, einerseits bemühten sich Adler, zeigten Tempo und legten los wie Feuerwehr. Man merkte, die Cracks im blau-weiß-roten Trikot wollten Wiedergutmachung für die Schmach vom Freitag. Was ihnen mit einem klaren 3:0 (2:0/1:0/0:0) Sieg gegen die DEG gelang.
Doch muss man anderseits bzw. ehrlicherweise sagen, die Düsseldorfer EG war nicht der Gradmesser, wie es um Wille, Moral und Leistungsvermögen der Badener wirklich bestellt ist. Dazu ist die Truppe der Düsseldorfer in diesem Jahr einfach zu schwach, um ein Spitzenteam - wenn dieses "ernst" macht - wirklich fordern zu können. Was keine Abwertung gegenüber den tapfer kämpfenden Rheinländer ist, sondern einfach die Feststellung, dass man dort aufgrund finanzieller Engpässe keine starke Mannschaft zusammenstellen konnte.
Aber zurück zu dem Spiel vom Sonntagnachmittag bzw. den Adlern. Nachdem es nach etwa über acht Minuten bereits 2:0 für Mannheim stand, verflachte die Partie mehr und mehr und hatte eher den Charakter eines Trainingsspiels, denn eines ernsthaft Matches in der DEL. Wie gut die Adler wirklich drauf sind, können und müssen sie beim nächsten Spiel bei den Eisbären Berlin zeigen. Aufgrund der Länderspielpause findet dies erst am Freitag, dem 15. November statt.
Die "große Baustelle" der Mannheimer wurde aber auch am Sonntagnachmittag gegen die Düsseldorfer EG deutlich: Und dies ist die mangelhafte Chancenverwertung. So waren die Adler das ganze Match über haushoch überlegen und es war faktisch nur ein Spiel auf das Tor der Düsseldorfer. Doch schossen die Adler trotz vieler glasklarer Gelegenheit "nur" drei Tore. Will Mannheim ernsthaft um den Titel mitspielen, muss sich hier gewaltig etwas ändern. Hoffnung macht hier die möglich Rückkehr von Torjäger Jon Rheault gegen Ende des Jahres.
Auch die "kleine Baustelle" der Mannheimer trat gegen die DEG wieder offen zu Tage. Und eis ist das schwache Überzahlspiel. Selbst bei 5:3 Feldspieler hatte Mannheim gegen die DEG riesige Problem überhaupt ein Tor zu schießen.
Aber auch dies sollte man bei aller berechtigten Kritik, die zurzeit auf die Adler niederprasselt, ansprechen, es muss sich jeder hinterfragen, wie hoch er die Messlatte bei den Mannheimern legt? Sicher, es ist eine Spitzenmannschaft mit vielen teuren und namhaften Cracks, aber auch dies sind nur Menschen und niemand kann erwarten, dass ein Team über eine ganze Saison hinweg nur Top-Leistungen abruft. Und schwächere Partien gehören nun einmal genauso dazu wie echte Knaller und Spitzenbegegnungen. Auch andere Clubs können Eishockey spielen und wollen gewinnen. Und dass die Adler zurzeit in einer kleinen Krise sind, wird keiner bestreiten. Die Frage ist nur, wann und wie kommen sie dort wieder raus? Und andererseits kann man natürlich auch von Cracks in einer Schwächephase verlangen, dass sie kämpfen, auch oder gerade, wenn es spielerisch mal nicht so läuft. Dies vergessen leider einige Adler-Akteure zu häufig.
Für einen war die Partie gegen Düsseldorf ganz sicher eine ganz besondere Genugtuung, und dies war der zuletzt stark in der Kritik stehende Yanick Lehoux, der zwei Tore erzielen konnte.
Lesen Sie im Laufe der nächsten Woche die Zwischenbilanz der Adler, nachdem nun eine Drittel ein Saison absolviert ist und aufgrund der Länderspiele die DEL ruht.
Zur Chronologie:
1.Drittel: Die Adler legten los wie die Feuerwehr. Man spürte, sie wollte die demütigende 0:4 Heimniederlage vom Freitag gegen Straubing vergessen machen. Die Düsseldorfer EG agierten als Tabellen-Kellerkind erwartungsgemäß sehr defensiv. Sie standen in der Abwehr und "rührten Beton" an. So entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, nämlich das der Cracks im gelb-roten Dress. Die Adler erarbeiteten sich vom ersten Bully an Chancen am Fließband. In der 2. Minute war es Ronny Arendt der knapp scheiterte, in der 5. Minute dann Jochen Hecht. Aber nur eine Minute später war es dann soweit und Adler-Fans konnten einen Treffer bejubeln. Verteidiger Dennis Reul feuerte von der blauen Linie einen gewaltigen Hammer ab, der zwar knapp am Tor vorbei pfiff, doch sprang der Abpraller nahezu im gleichen Winkel zurück und landete vor dem Düsseldorfer Kasten. Dort reagierte Yanick Lehoux am schnellsten und schob den Puck zum 1:0 in den Kasten der DEG. Als in der 7. Minute die Mannheimer mit 5:3 Feldspielern agieren konnten, da zwei Düsseldorfer auf dem Sünderbänkchen saßen, zog Yanick Lehoux mit einem harten Schuss aus der Halbdistanz ab und ließ Torwart Daniel im DEG-Gehäuse keine Chance. Man spürte förmlich, wie die zwei Tore zuletzt in heftiger Kritik stehenden Yanick Lehoux gut taten.
Der ersten wirklich gefährlichen Chancen für die DEG dann ab der 15. Minute, als zweimal hintereinander Mannheimer Spieler auf die Strafbank wanderten und die Rheinländer in Überzahl agieren konnten. Dies taten sie wirklich gut und erspielten sich zahlreiche gute Einschussgelegenheiten, doch ein Tor wollten ihnen nicht gelingen. So ging es mit dem 2:0 in die Kabinen.
2.Drittel:
Die Düsseldorfer EG im zweiten Abschnitt insgesamt etwas aktiver, ohne dass sich an dem grundsätzlich Bild etwas änderte. Die Adler haushoch überlegen und spielbestimmend, die DEG überwiegend mit der Defensive beschäftigt und um Schadensbegrenzung bemüht. Trotz guter Gelegenheit gelang den Mannheimern jedoch nur ein weiter Treffer. Diesen markierte Kapitän Marcus Kink in der 29. Minute zum 3:0 Zwischenstand. Mit diesem Resultat ging es auch in die Pause.
3. Drittel:
Der Verlauf des letzten Abschnitts lässt sich rasch zusammenfassen. Es war belangloses Schaulaufen beider Teams. Wobei das Spielgeschehen fast ausschließlich vor dem DEG-Gehäuse stattfand. Doch wollte Mannheim kein Treffer gelingen, wohl auch, weil die beide Seiten die Ernsthaftigkeit eines Kräftemessens lange eingestellt hatte und man sich nicht mehr wehtun wollte.