Respekt vor dieser Entscheidung und diesen Preisträgerinnen!
Alisa-Preis für Frauennotruf
Die Trägerinnen des diesjährigen ALISA-Preises sind alle von sexualisierter Gewalt betroffenen Frauen. Darüber herrschte bei der Verleihung Einigkeit im Publikum. Das Thema „Respekt“ in der vorangegangenen Diskussion warf viele unbeantwortete Fragen auf. Foto: Regina Urbach.
Von Regina Urbach. „Systemdefekt Respektlosigkeit“ war das Andreasstiftgespräch anlässlich der Verleihung des ALISA-Preises der Wormser Ethik-Initiative für sozial vorbildliches Handeln am Freitag im Andreasstift überschrieben.
Kampfsportschuleninhaber Uwe Mandler trug zu seinem Vortrag ein T-Shirt mit der Aufschrift „Reschbegdt“ – Originalschreibweise an der Tafel einer siebten Klasse.
Er geißelte fehlende positive Leistungsanreize für Kids, die mit teurer Elektronik überschüttet werden, und lenkte den Blick auf den Unterschied zwischen echtem Respekt – aufgrund einer bewundernswerten Leistung – und Angst durch äußeren Druck und „Disziplin“. Viel Ernüchterndes und manch Schockierendes gab es dann auf dem von Johannes Götzen moderierten Podium zu hören.
Der neue Wormser Polizeidirektor Gerald Gouasé berichtete von gehäuften Biss-, Flaschen- und Spuckattacken auf junge Polizeibeamte und -beamtinnen. Wird hier nicht eher die Uniform, also letztlich unser Rechtsstaat beleidigt als der Mensch, der zufällig darin steckt, fragte er in die Runde.
Schulsozialarbeiter Dennis Eckhard bekannte sich dazu, immerhin etwa 85 Prozent aller Konflikte lösen zu können, aber nicht alle: „Sonst geht man kaputt.“ DRK-Familienhelfer Henning Lahr räumte mit Vorurteilen auf, Familienhelfer würden nur in bestimmten sozialen Schichten berufen. Ob ein Konflikt bereinigt werden könne, hänge vor allem von der zugrunde liegenden Beziehung ab – und nicht davon, ob der Familienhelfer freiwillig gerufen oder „verordnet“ worden sei. Der Fußball-Schiri Tim Kundel begegnet Konflikten in Kooperation mit bestimmten Spielern, die die Wogen in der Mannschaft glätten könnten. Ob ein beim Freundestreffen auf den Tisch gelegtes Handy respektlos ist, darüber waren sich Publikum und Podium nicht einig – je nach Generationszugehörigkeit.
Einig in stehenden Ovationen waren sich dann alle, als Ilse Lang die Preisträgerinnen offenbarte: die ehrenamtlich arbeitenden Frauen des Frauennotrufs und des Warbede Frauenzentrums. Damit sollten auch alle von sexueller Gewalt betroffenen Frauen geehrt werden – „als Anerkennung ihrer Leistung, sich zu diesem furchtbaren, erlittenen Unrecht zu bekennen.“ Als Psychologin Regina Mayer und Vorstandsmitglied Marion Ramb-Uderstadt sich sehr emotional bedankten und letztere sich dazu bekannte, selbst eine Betroffene zu sein, hatten viele Zuhörer Tränen in den Augen und zollten ihr stehend – Respekt.