Verkehrszählung des BUND: Große Gefahren für Radverkehr bei neuer Radwegeführung entlang der B47alt identifiziert
„Alles andere als sicher!“
Die Aktiven vom BUND auf der von ihnen präferierten Trasse bei der Präsentation der Ergebnisse ihrer Zählung. Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR | 8:1 – Das ist nicht das überdeutliche Ergebnis eines Fußballspieles, sondern das einer Analyse der Verkehrszählung des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) vom letzten Dienstag. Durchgeführt wurde sie im Rahmen der Diskussion um die Trassenführung eines neuen Radweges von Pfeddersheim nach Pfiffligheim.
Zwei Varianten stehen derzeit im Fokus: Eine, die nördlich entlang der Bahntrasse führt sowie diejenige, die südlich entlang der B47alt (jetzt Kreisstraße 9) gebaut werden soll. Letztere wird von einer Mehrheit im Wormser Stadtrat favorisiert, erstere von Umweltverbänden wie BUND, ADFC, NABU, VCD sowie der Verwaltung und den Wormser GRÜNEN.
Ein Ergebnis der Zählung am Dienstag dabei war u.a. die Identifizierung von 8 gefährlichen Straßenquerungen für Radlerinnen und Radler zwischen dem Martin-Luther-Haus und der Gärtnerei Schwahn in Pfeddersheim. Demgegenüber stelle bei der Variante 1 lediglich in Pfiffligheim die Querung der Heppenheimer Straße einen zu sichernden Übergang dar.
Für die Pfeddersheimerin Iris Weiß vom BUND ist eines klar: „Der schönste und romantischste Weg von Pfeddersheim nach Worms ist der Weg an der Pfrimm entlang“. Darin seien sich auch die Pfeddersheimerinnen und Pfeddersheimer einig. Dieser bliebe auch im jetzigen Zustand bestehen. Denn er dürfe aus naturschutzrechtlichen Gründen jedoch nicht als Radweg asphaltiert und ausgebaut werden. Und das „ist gut so!“
Permanenter Querungsverkehr! Da u.a. der BUND Variante 1 favorisiert, haben dessen Aktive morgens von 7 bis 8.30 Uhr sowie mittags von 13 bis 14 Uhr den entsprechenden Autoverkehr entlang der Variante 2 im Fokus gehabt. Dabei seien fast 900 Fahrzeuge gezählt worden, die aus 8 verschiedenen Zufahrtstraßen gekommen seien und den neuen Radweg (Variante 2) überfahren würden, um auf die Kreisstraße 9 in Richtung Monsheim oder Worms zu kommen.
Das bedeutet laut Hubert Schreiner vom BUND „dass alle paar Meter von rechts oder links ein Fahrzeug kommt und den Radweg an insgesamt 8 Stellen quert!“. Dabei gibt er zu bedenken, dass es derzeit wegen Corona ein vermindertes Verkehrsaufkommen gebe. „Ohne Corona kann man locker mit dem doppelten Verkehr rechnen“ zeigt er sich sicher.
„In Nicht-Corona Zeiten wären Schülerinnen und Schüler zu und von den weiterführenden Schulen sowie zumindestens morgens wesentlich mehr Berufspendler unterwegs“, so Iris Weiß. An allen Zufahrtsstraßen incl. Tankstelle, vom Altenheim bis zur Gärtnerei Schwahn sei der ein- und ausfahrende motorisierte Verkehr gezählt worden und „all diese Straßen müsste der Radverkehr queren, wenn Variante 2 dort entlang geführt würde“.
„Ergebnis bestätigt Vermutung“ „Das Ergebnis der Zählung bestätigte unsere Vermutung, schockierte uns sogar“, so Schreiner, so viele ein- und ausfahrende PKW, aber auch LKW, morgens wie mittags hätte man nicht erwartet. „Jede Minute gab es etwa 6 Autos, die in oder aus einer der Straßen (Beethoven-, Brahms-, Friedrich-Händel-Straße, Aral-Tankstelle, Gewerbegebiet) fuhren“. All diese Einmündungen müssten die Radfahrerinnen und Radfahrer im Blick haben und zusätzlich immer auch den Verkehr auf der K9. Dies sei „alles andere als sicher!“, unterstreicht Regine Luther-Schreiner vom BUND. Dabei seien auch die Schadstoffe der Abgase so nahe an der Straße wenig gesundheitsfördernd.
„Aber genau deshalb sollen und wollen ja viele aufs Fahrrad, um das zu vermeiden und dann werden sie entlang der K9 bis Pfiffligheim genau damit hautnah konfrontiert.“, ergänzt Alf Seltmann vom BUND. Dabei gibt er weiter zu bedenken, dass man bei Variante 2, die entlang von Weinbergen führe, auch mit dem dortigen Wirtschaftsverkehr sowie den „Wolken“ eventueller Spritzungen konfrontiert wäre.
Auf die ökologischen Vorteile und die deutlichen Mehrkosten einer Entscheidung für Variante 1 seien im Zusammenhang mit der Gefahrensituation nur am Rande hingewiesen, so Iris Weiß. Denn die Eingriffe in die Natur seien hier „bei Weitem nicht so massiv wie bei einem kompletten Radwegeneubau südlich der Kreisstraße.
„Das Ergebnis eines Vergleiches der beiden Trassen liegt aus unserer Sicht ganz klar auf der Hand“, so Hubert Schreiner. „Wir fragen uns, wieso eine Entscheidung so lange dauert?“ Daher gehe jetzt die Forderung an Politik und Stadtrat, die Fakten sprechen zu lassen und unvoreingenommen die Vor- und Nachteile beider Varianten zu vergleichen, um dann zügig zu entscheiden. „Nicht nur die Menschen in Pfeddersheim warten schon zu lange auf den Radweg!“, so Schreiner abschließend.
Die beiden Trassenvarianten im Überblick. Foto: BUND
Eine tabellarische Übersicht der Vor- und Nachteile aus Sicht des BUND.