
„Alles hat seine Zeit – eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben; eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen“. Dieses Wort aus dem alttestamentlichen Buch Kohelet war das Leitmotiv für den besonderen Gottesdienst anlässlich der Auflösung des Katholischen Männervereins 1895 Pfeddersheim.
Zum Lachen war den meisten freilich nicht zumute, nachdem die Mitgliederversammlung schweren Herzens den Beschluss zur Auflösung des Vereins nach 131-jähriger segensreicher Vereinsgeschichte gefasst hatte.
Von den einst fast 150 Mitgliedern waren zuletzt noch 21 übrig geblieben, von denen fast die Hälfte über 80 Jahre alt sind. Alle Versuche, neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen, waren vergeblich geblieben. „Dankbarkeit und Wehmut“ – unter diesen Zeichen stehe dieser Gottesdienst, so formulierte es Felix Zillien, mit 98 Jahren das älteste Mitglied, in einem bewegenden Nachruf…“, in einem bewegenden Nachruf, den für ihn Helmut Westrich verlas. Er zog eine Linie von der bewegten und vom Kulturkampf geprägten Gründerzeit bis ins Heute: über 130 Jahre hinweg habe man in allem Auf und Ab der Zeiten das Leben der Kirche und der Gemeinde Pfeddersheim im Glauben mitgetragen und geteilt. Man sei dankbar, für die Vielen, die sich über Generationen im Verein engagiert hätten.
Der Gottesdienst wurde von Pfarrer Stefan Mate, der als Pfarrer der Gemeinde Pfeddersheim 30 Jahre lang den Verein als Präses begleitet hatte, und von Propst Tobias Schäfer als leitendem Pfarrer der Pfarrei St. Nikolaus Worms-Wonnegau zelebriert.
In seiner Predigt griff Propst Schäfer noch einmal das Motto auf: „Alles hat seine Zeit“. Er dankte dem Männerverein für sein segensreichen Wirken, mit dem der Verein und seine Mitglieder Kirche vor Ort, aber auch Gesellschaft aus dem Glauben heraus mitgestaltet hätten; und er betonte, dass es auch nach der Auflösung des Vereins heute Räume und Orte brauche, wo man, vielleicht in anderen Formen als denen eines klassischen Vereins, sich gegenseitig im Glauben stärke und ermutige, sich in der Welt und aus den christlichen Überzeugungen heraus einzubringen.
Kai Dannhauer dankte als nun mit der Abwicklung des Vereins betrauter Vorstand den Vorstandskollegen und allen Mitgliedern für alles Engagement über die vielen Jahre. Freilich sei es bei der Altersstruktur und den fehlenden jungen Mitgliedern zuletzt immer schwerer geworden, Veranstaltungen und Projekte zu initiieren: „Als Vorstand können wir nur den Rahmen schaffen; es braucht die Mitglieder, die dann auch anpacken“. Den Dank der Gemeinde brachte schließlich Pfr. Mate mit bewegenden Worten zum Ausdruck. Der Verein habe das Leben der Gemeinde Pfeddersheim über viele Generationen mitgeprägt.
Der Gottesdienst endete mit dem „Te deum“, dem großen Lobgesang „Großer Gott wir loben dich“, das Propst Schäfer anstimmte und in das die ganze Gemeinde einfiel. Mit diesem Lied danke man Gott, so Schäfer, für die reiche und erfüllte Geschichte und lege sie nun gleichsam wieder in seine Hand zurück. Im Anschluss waren die Mitglieder sowie die Angehörigen der verstorbenen Mitglieder noch zu einer Begegnung eingeladen.
Beitrag aus der Rubrik