SPD-Spitzenpolitiker Olaf Scholz im öffentlichen Gespräch über sozialen Zusammenhalt
Alltägliche Arbeit honorieren
Olaf Scholz verewigt seinen Besuch in Worms.
VON FLORIAN HELFERT Mit dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz gastierte am Sonntag binnen weniger Wochen nach Kanzlerkandidat Martin Schulz bereits der zweite SPD-Spitzenpolitiker im Kultur- und Tagungszentrum der Nibelungenstadt. In Anbetracht der drei in diesem Jahr stattfindenden Landtagswahlen sowie der anstehenden Bundestagswahl äußerte Scholz auf die erste Frage des moderierenden Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, dass Bürgerinnen und Bürger je nach Wahl differenzieren. In der Folge wähle ein und dieselbe Person in Stadt, Land und Bund eben durchaus ganz selbstverständlich verschiedene Parteien. „Wir müssen mehr als nur unsere eigenen Leute mobilisieren“, beendete Scholz einen ersten Themenkomplex.
Bezüglich des Vormarsches rechtspopulistischer Parteien in Europa sowie des Brexits stellte er fest, dass ein Verschweigen vorhandener Ängste und Sorgen für eine fruchtbare Zukunftsdebatte hinderlich sei. „Zwar läuft es volkswirtschaftlich gut, allerdings ist der Mindestlohn für vier Millionen Bürgerinnen und Bürger eine Gehaltserhöhung gewesen“, legte Scholz dar Statt einer exklusiven Debatte der „happy few“ bedarf es aus Sicht des stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden vielmehr einer möglichst breit geführten Debatte: „Die immer globaler werdenden Eliten müssen wieder den Wert einer alltäglichen Arbeitsleistung honorieren“, verwies Scholz beispielsweise auf die Arbeit von Verkäuferinnen oder Gärtnern.
„Wir können niemanden garantieren, dass es für ihn gut geht, allerdings mit Hilfe unseres Sozialstaates einen guten, angstfreien Rahmen schaffen“, warb Scholz für das traditionelle Anliegen seiner Partei. Der Sozialstaat bleibe Pflicht – zumal Erfolg nicht nur am Einkommen gemessen werden solle. Abschließend rief der in Worms lebende und an der Universität Duisburg-Essen lehrende Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte kurz die Politikverdrossenheit der Bürger ins Gedächtnis, um sogleich den Begriff der Bürgerverdrossenheit seitens der Politiker anzusprechen. „Wer an einer solchen Berufskrankheit leidet, sollte aufhören, als Berufspolitiker zu arbeiten“, urteilte Olaf Scholz am Ende eines ebenso ruhigen wie sachlichen Gesprächs im Wormser.