HOCHHEIMER GEBABBEL: Wolfgang Hasch blickte auf Kindheit und Ortsgeschichte der Jahre 1939 bis 1948 zurück
Alltags- und Lokalgeschichte
Wolfgang Hasch berichtetet anschaulich aus der Vergangenheit von Hochheim; hier mit einer alten Wasserpumpe.
Hocherfreut begrüßte der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Worms-Hochheim Dieter Gleim die zahlreichen Besucher, die zum Hochheimer Gebabbel erschienen waren.
Wolfgang Hasch, Ur-Hochheimer und heimatverbunden, hatte die Zeit von 1939 bis 1948 ausgewählt, um über seine Erlebnisse in dieser Zeit zu berichten. Einige originale Utensilien hatte er mitgebracht und im Laufe seines Vortrags rumgereicht: eine Luftschutzspritze war besonders interessant, auch eine Gasmaske (vor dem Einsatz von Gas hatten die Menschen seit dem Ersten Weltkrieg besonders Angst, und dieser Krieg war ja erst vor 20 Jahren beendet worden!), einen schwergewichtigen Bombensplitter und die Nachbildung eines Verwundetenabzeichens.
Hitlergruß nicht laut genug mitgebrüllt
Damals kam es schon mal vor, dass der Schuldirektor ihn aus dem Saal verwies, weil er den „Deutschen Gruß“ nicht laut genug gebrüllt hatte. Es gab nur einen Rundfunksender für das gesamte Deutsche Reich, und über ihn wurde die Bevölkerung auch einseitig informiert. Die Kriegshetze wurde so den Nazis leicht gemacht. Vergleiche zu Putin und dem Russland heute liegen nahe.
Als Haschs Vater „zu den Waffen gerufen“ wurde, war die Familie bedrückt. Nur der damals kleine Wolfgang freute sich auf die Uniform, das Schießgewehr und die zu erwartenden Orden und Auszeichnungen für den Vater. Im ersten und auch zweiten Kriegsjahr merkten die Menschen in Hochheim kaum etwas vom Krieg, nur die eingezogenen jungen Männer fehlten und schickten ab und zu „Feldpost“, die zweimal täglich der Postbote überbrachte. Erst ab 1940/41 beobachteten die Hochheimer immer aufmerksamer den Nazi-Ortsgruppenleiter. Dieser war nämlich beauftragt, den hiesigen Angehörigen von den jungen Männern die Todesnachricht zu überbringen, wenn sie „auf dem Feld der Ehre für Führer, Volk und Vaterland gefallen waren“. In Wirklichkeit waren sie unter meist grausamen Umständen umgekommen, erschossen worden.
Blindgänger noch heute tief unter der Erde
Die immer zahlreicher werdenden Angriffe von Flugzeugen mit Bomben verschonten auch Hochheim nicht. So beschädigte eine solche im August 1941 Häuser im Römergarten, der Frauenstraße und der Himmelskronstraße. Jetzt wussten alle Hochheimer: es ist ja Krieg! Eine weitere Bombe fiel in der Frauenstraße, ohne zu explodieren. Sie ließ sich aber nicht ausbuddeln, rutschte beim Ausgrabungsversuch immer tiefer und liegt daher als „Blindgänger“ heute noch tief unter der Erde.
Wolfgang Hasch ließ noch manche weiteren Ereignisse aus der damaligen Zeit „aufblitzen“! Die zweite Vorsitzende des Hochheimer Heimat- und Kulturvereins Maria Hilberg dankte dem Referenten und Zeitzeugen, von denen es immer weniger gibt, für seine nachhaltigen Ausführungen. Besonders begrüßte sie vier neue Mitglieder, die nach dem aufschlussreichen Beisammensein ihren Beitritt zum Verein erklärten.