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Di., 05. März 2019, 16:22 Uhr
Zweiter Teil der Story über die „Worms Dragons“ / Boomende Sportart wartet auf Neugründung
American Football war einst auch in Worms zu Hause
Die Heimspiele der Dragons wurden zunächst im Wormatia Stadion und dann auf dem Rasenplatz im BIZ ausgetragen. Häufig konnten rund 1.000 Besucher ezählt werden.
VON GERNOT KIRCH | Im ersten Teil der Geschichte über den Footballclub „Worms Dragons“ ging es um den Footballboom zu Beginn der 1990er Jahre in Deutschland, der im Jahr 1992 zur Gründung der Worms Dragons führt. Auf den Sportseiten des Nibelungen Kuriers aus der damaligen Zeit lässt sich nachlesen, welche Begeisterung losgetreten war und welches Potenzial in den Dragons steckte. Rasch war der Kader zusammen, obwohl dies im Football nicht so einfach ist. Immerhin besteht ein Footballteam aus rund 30 bis 40 Spielern. Auf dem Feld steht immer eine komplette Angriffsformation aus elf Cracks, dazu kommt eine komplett andere Verteidigungsformation aus ebenfalls elf Spielern, die immer dann auf den Platz aufläuft, wenn der Ball und damit das Angriffsrecht wechselt. Rechnet man die Auswechselspieler und Spezialisten, wie etwa den Kicker, dazu, kommt man rasch auf jene 40 Athleten, die damals in Worms zu den Dragons stießen.
Erstes Match 1993
Nach der Gründung der Dragons im Jahr 1992 fanden 1993 die ersten Matches der Dragons im Rahmen des Rheinland-Pfalz-Bowls statt. Das Heimdebüt war ein Match gegen die Montabaur Fighting Farmers. Zu dieser Partie erschienen 1.200 Zuschauer.
Die erste reguläre Saison absolvierten die Dragons in der Spielzeit 1994 in der Verbandsliga Rheinland-Pfalz/Saar. Die Matches wurden im Wormatia Stadion ausgetragen. Gegner waren Teams wie die Landau Tigers oder Fischbach Fire. Im Jahr 1994 wurde Worms in der Verbandsliga Meister. Im kommenden Jahr traten die Dragons in der Regionalliga Rheinland-Pfalz/Saar an und agierten auch dort sehr erfolgreich. Aufgrund der damals noch teilweisen Umstrukturierung der Ligen, wie sie in einer jungen Sportart üblich sind, lässt sich heute leider nicht mehr ganz nachvollziehen, ob und wie oft die Dragons aufstiegen oder sich einfach der Name der Liga änderte.
Worms oben dabei
So findet man in Zeitungsartikeln der folgenden Jahren als Liga teilweise die Namen Oberliga, Regionalliga oder Verbandsliga. Worms war aber stets „oben“ dabei. Gegner waren in den Jahren ab 1995 häufig die Ludwigshafen Titans und die Mainz Golden Eagles. Die Golden Eagles gibt es übrigens noch heute, sie spielen in der dritthöchsten deutschen Spielklasse.
Das Ende im Jahr 2000
Ab 1998 fanden die Matches der Dragons nicht mehr im Wormatia Stadion, sondern auf dem BIZ-Rasenplatz statt. Liest man die Zeitungsberichte des Wormser Footballgeschehens nach, stößt der Leser ab 1999 nicht mehr auf den Namen Worms Dragons, sondern nun nannten sie sich Worms Wizards. Warum der Name geändert wurde, darüber war leider nichts mehr zu erfahren. Das Ende des Wormser Footballs kam im Jahr 2000. In diesem Jahr trafen sich – so zumindest die Information aus einem Footballmagazin – Vertreter der Mannheim Redskins, der Ludwigshafen Titans und der Worms Wizards mit dem Ziel, die Kräfte zu bündeln und einen Club im Rhein-Neckar-Gebiet zu etablieren. Mit der Realisierung dieses Vorhabens endeten (vorerst) die Football-Aktivitäten in der Nibelungenstadt. Die Matches des neu entstandenen Clubs fanden nicht mehr in Worms statt. Ob es auch andere Gründe gab, die zum Ende des Footballs in Worms führten, kann heute leider nicht mehr nachvollzogen werden. Das Jugendteam der Dragons bzw. Wizards hat sich – doch dies sind nicht bestätigte Informationen – nach dem Ende in Worms mit anderen Jugendteams der Region zu den Alsheim Wanderers zusammengeschlossen. Ein Team, das wohl aber auch nicht allzu lange existierte.
Ende des Booms und neuer Hype
Die NFL Europe stellte 2007 ihren Spielbetrieb ein, damit ebbte auch der Football-Boom in Deutschland zunächst wieder ab. Heute gibt es in Deutschland rund 400 American Football Clubs. Die höchste Liga ist die German Football League (GFL), die in einer Nord- und einer Südstaffel den Deutschen Meister ausspielt. Bei der GFL handelt es sich allerdings nicht um eine Profi-, sondern um eine Amateurliga. Zurzeit erlebt American Football in Deutschland eine Renaissance, was an den wöchentlichen Live-Übertragungen im Fernsehen aus den USA liegt. Den Superbowl, das Endspiel in der amerikanischen National Football League (NFL), verfolgten am ersten Wochenende im Februar alleine in Deutschland rund 1,8 Millionen Zuschauer live mit. Und dies, obwohl die Übertragung des Spiels erst nachts um 24 Uhr begann und bis in die frühen Morgenstunden dauerte.
Kommt wieder ein Footballclub?
Ob es in Worms mal wieder einen American Football Club geben wird, bleibt abzuwarten. Was es dazu braucht, ist wie in jedem Verein, ein paar positiv „Verrückte“, die sich einer Sache ganz verschreiben. Oliver Schembs, einer der damaligen Cracks, sagte denn auch abschließend in unserem Gespräch, sie seien damals eine tolle Truppe gewesen und es habe riesigen Spaß gemacht, was aber fehlte, seien ein eigenes Trainingsgelände, ein Clubheim und Vereinsmitglieder im mittleren Alter, die alles organisierten und einen Club auch längerfristig zusammenhalten.
Auch fehlte eine intensive Jugendarbeit von sechsjährigen Kids bis zur A-Jugend, um Nachwuchs zu generieren. Denn um ein wirklich guter Footballer werden zu können, muss man dies – wie bei anderen Sportarten auch – schon im Kindesalter gelernt haben. Wobei der große Vorteil von Football ist, dass fast jeder die Chance hat, seinen Platz im Kader zu finden. Kräftige, stämmige Cracks mit Gardemaßen agieren direkt an der Linie, um die Gegner zu blocken, schnelle, gewandte Athleten sind als Ballträger willkommen und Sportler mit einer guten Motorik, die ballsicher sind, werden als Wide Receiver eingesetzt. Und dann gibt es da natürlich noch den „König“ auf dem Spielfeld. Dies ist der Quarterback, der Spielmacher, auf den das ganze System zugeschnitten ist. Die Inhaber dieser Postion sind in der amerikanischen Profiliga NFL denn auch die absoluten Super-Stars und Großverdiener. Der NK dankt für das Gespräch sowie die Informationen zum Thema. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Comeback dieser Sportart in der Nibelungenstadt?