Sa., 13. Juli 2024, 17:11 Uhr
NIBELUNGENLAND: Abgeordnete und WoGE äußern sich zur kommunalen Gesundheitsversorgung
Ampel stärkt Hausärzte
Von Florian Helfert › „Hausärzte sind das Rückgrat der ärztlichen Versorgung. Sie lösen den größten Teil der medizinischen Probleme. Und dort, wo Fachärztinnen gebraucht werden, koordinieren die Hausärzte als erste Anlaufstelle die Weiterversorgung“, lässt Prof. Dr. med. Armin Grau, Grüner Obmann im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, per Pressemitteilung wissen.
Weil eine Vielzahl von Regionen Schwierigkeiten bei der Besetzung von Hausarztstellen beklagt, erhöht die Ampel im Bundestag die Attraktivität des Berufes: „Bisher gab es Budgets mit Obergrenzen bei der Vergütung durch die Kassen, die nun wegfallen – künftig werden alle in den Praxen erbrachten Leistungen in voller Höhe von den Krankenkassen bezahlt“, erläutert der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Schreider die sogenannte Entbudgetierung, wie sie in der Kinder- und Jugendmedizin bereits umgesetzt worden ist, in seiner Pressemitteilung zum gleichen Thema.
Licht und Schatten
Paul Brämer, Vorstandsvorsitzender des Wormser Gesundheitsnetzes (WoGe) und Allgemeinmediziner im Nibelungenland, wertet das Aufheben der Budgetierung auf NK-Nachfrage als einen ersten kleinen Schritt. Aufgrund des Ärzte- und Fachkräftemangels werde es allerdings dennoch nicht gelingen, die ärztliche Versorgung im bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten.
„Zeitintensive administrative Aufgaben lassen den Hausärzten wenig Spielraum, um zusätzliche Leistungen zu erbringen“, so der Hausarzt aus Hamm am Rhein weiter. Darum müssten zusätzliche Leistungen nicht nur von Ärzten, sondern auch von qualifiziertem Personal (etwa ausgebildete Arztassistenten, Fallmanager, Telemedizin) erbracht und besser vergütet werden können, um qualifiziertes Personal zu gewinnen.
Weitere Reformen
Das in die erste Lesung gestartete Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsversorgung in den Kommunen (GVSG) stößt gemäß den beiden Abgeordneten, deren Wahlkreis sich je von Bobenheim-Roxheim bis nach Ludwigshafen erstreckt, u.a. noch weitere wichtige Reformen für Patienten an.
Gut für Patienten
Über die Entbudgetierung hinausgehend erläutert der langjährige Arzt Armin Grau: „Zweitens führen wir eine jährliche Versorgungspauschale für chronisch Kranke ohne intensiven Betreuungsbedarf ein. Das löst das Quartalsprinzip ab und schafft Termine für Kranke, die sonst länger warten müssten.“ Drittens werde mit einer Vorhaltepauschale eine bedarfsgerechte Versorgung mit Haus- und Pflegeheimbesuchen, die Nutzung digitaler Anwendungen und bedarfsgerechte Praxisöffnungszeiten gefördert.
Kommunale Versorgungszentren
Der Abgeordnete Christian Schreider betont, dass zugleich überflüssige Bürokratie abgebaut werde, was Praxen entlaste. WoGe-Vorsitzender Paul Brämer hofft ebenfalls auf einen Abbau der Bürokratie, äußert sich jedoch skeptisch: „Trotz jahrelanger Ankündigungen ist der Bürokratieabbau bislang nicht ausreichend vorangekommen.
Der Unterversorgung in einigen Regionen wirke die Ampel zudem entgegen, so Schreider, indem sie das Gründen kommunaler medizinischer Versorgungszentren (MVZ) erleichtere. Außerdem würden zusätzliche Stellen für Psychotherapeuten geschaffen.
Sein grüner Kollege Armin Grau berichtet, dass die Gemeinde Katzenelnbogen dies in Rheinland-Pfalz als erste Kommune in Deutschland genutzt habe. Dem ehemaligen Ärztlichen Direktor zufolge nehmen Städte und Gemeinden diese Option bislang allerdings nur selten wahr – zu hoch die finanziellen und organisatorischen Hürden. Dies werde sich mit dem neuen Gesetz ändern, so Grau.
Ärzte scheuen zunehmend Selbstständigkeit
Um eine flächendeckende hausärztliche Versorgung sicherzustellen, ist die Unterstützung durch die Kommunen auch aus Sicht des WoGe-Vorsitzender Paul Brämer unerlässlich. „Da immer mehr Ärzte angestellt arbeiten wollen, werden auch kommunale Arztpraxen (MVZ) unter professioneller Führung ein Baustein zur Erhaltung der ärztlichen Versorgung sein“, ist Brämer ebenfalls von der Idee kommunaler medizinischer Versorgungszentren überzeugt.