Eine Schiffsreise der Evangelischen Erwachsenenbildung führte von Worms nach Ingelheim
„An Bord mit Herrn Luther“
Irene Gierke sorgte als „Clownin mit Luther im Gepäck“ für Unterhaltung Quelle: Yvonne Schnur, Evangelische Öffentlichkeitsarbeit (eöy/ys)
Von festlicher Musik des Posaunenchors Worms-Hochheim begleitet, bestiegen 160 Passagiere am vergangenen Sonntag die „Robert Stolz“, die von der Evangelischen Erwachsenenbildung Rheinhessen gechartert worden war. „An Bord mit Herrn Luther“ ging es von Worms nach Ingelheim.
Dass Luther Schiffsreisen gemacht hat, ist nicht überliefert, das Schiff als Bild für die Kirche Christi war ihm dagegen wohl vertraut. Besonders prägnant ist sein Gleichnis vom sinkenden Schiff, in dem Papst, Kardinäle und die hohe Geistlichkeit ungefährdet sitzen, während die Laien im Wasser treiben, sich allenfalls aus eigenen Kräften retten können oder eben ertrinken. Propst Dr. Klaus-Volker Schütz erzählte diese Geschichte am frühen Sonntagmittag, als das Schiff, vollbeladen mit Gästen aus allen sechs rheinhessischen Dekanaten, am Wormser Hagendenkmal ablegte. Schmunzelnd ergänzte er, dass diese Hierarchie auf dem Schiff natürlich nicht gelte. Das sei man dem Reformator, dem diese Fahrt gewidmet sei, schließlich schuldig.
Luther im Mittelpunkt des Programms
Im sechsten Jahr der Lutherdekade hatten die Organisatoren, Martina Schott, Axel Guse und Prof. Dr. Werner Zager, Bildungsreferenten der EBB Rheinhessen, die Tour ausgeschrieben, und um Luther und die Reformation drehte sich auch größtenteils das bunte Programm, das dem rund vierstündigen Aufenthalt zu Wasser eine besondere Würze gab. So gelang es der Wiesbadener Band „Zeitfarben“, die Gäste mit frischem, melodischen Chorgesang mitzureißen.
Die beiden Clowninnen Maria (Norgard Wolf) und Renate (Irene Gierke) pflanzten angesichts des gelegentlich heftigen Wellengangs das berühmte Apfelbäumchen in Blumentöpfe und demonstrierten Rücken an Rücken, was eine feste Burg wert ist. Mit Gitarre und Flöte stimmten sie dann auch das lutherische Trutz- und Glaubenslied an und die versammelte Bordgemeinde fiel singend ein.
Mit der Geschichte vom Meister Pfriem
Auch der Wormser Märchenerzähler, Alfred Pointner, ließ den Reformator lebendig werden. Er hatte die Geschichte vom Meister Pfriem, der alles besser weiß, im Gespäck sowie drei schöne Fabeln, die Luther mit einer Moral für seine Zuhörerschaft versehen hatte. Dass die Reformation keine reine Männersache war, war von Lydia Bergerhausen im Gewand der Katharina Zell (1498-1562) zu erfahren.
Diese bemerkenswerte, kluge und mutige Frau, verheiratet mit dem ersten reformatorischen Prediger Straßburgs, Matthäus Zell, wirkte auf vielfältige Weise als Katechetin, Verfasserin von Schriften und Briefen, Herausgeberin eines Liederbüchleins, war aber auch zeitlebens diakonisch tätig, nahm Religionsflüchtlinge auf, setzte sich ein für die Bildung der Jugend. Mit ihrem Mann reiste sie viel, kannte viele Reformatoren persönlich, den verfolgten Bucer verbarg sie sogar in ihrem Haus, ehe er nach England entkommen konnte.
Der Oppenheimer Pfarrer Gregor Ziorkewicz las unter anderem Passagen aus Carl Zuckmayers Lebenserinnerungen, die so nüchtern und gleichsam poetisch die rheinhessische Landschaft beschreiben, desgleichen auch seine berühmten Sätze über die rheinhessische Völkermühle aus „Des Teufels General“ und ließ auch Victor Hugo zu Wort kommen, der bei seiner Rheinreise 1840 zunächst einen recht ungünstigen Eindruck von der Sagenstadt Worms hatte.
Wer noch mehr über Luther wissen wollte, hatte auf Einladung von Pfarrer Dr. Achim Müller Gelegenheit, im Geschenkangebot des Wormser Lutherladens zu stöbern, konnte Lutherwein und Lutherbier, Socken mit der Aufschrift „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, Anhänger, Puzzles, Ratespiele und eine Fülle von Büchern über den Reformator erwerben. Einen Intensivkurs in Sachen Luther gibt es im Juni 2014. Dann organisiert Prof. Dr. Werner Zager erneut eine Studienreise „Auf den Spuren Martin Luthers“.