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  • Do., 12. Mai 2016, 11:43 Uhr
    Kulturmittler stehen Geflüchteten bei erster Orientierung zur Seite

    Ankommen und Einleben

    In einem neuen Projekt werden ab Juni ehrenamtliche Helfer in Worms zu sogenannten Kulturmittlern in der Flüchtlingshilfe ausgebildet.

    Wie finden sich geflüchtete Menschen in Worms besser zurecht? Wie erfahren sie etwas über die Gewohnheiten und Erwartungen derer, die schon länger hier leben? Wo können sie selbst über erste Erfahrungen sprechen?


    In einem neuen Projekt werden ab Juni ehrenamtliche Helfer in Worms zu sogenannten Kulturmittlern in der Flüchtlingshilfe ausgebildet. Durch ein Interkulturelles Training sollen diese Ehrenamtlichen darauf vorbereitet werden, als Brückenbauer neu ankommende Geflüchtete beim Einleben in der deutschen Gesellschaft und in Worms zu unterstützen. Die Kulturmittler werden Gesprächskreise für Neuankommende leiten, in denen kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten thematisiert werden. Ausgearbeitet wurde das Konzept vom Caritasverband Worms in Zusammenarbeit mit der Beauftragten für Migration und Integration der Stadtverwaltung.


    Das Projekt Kulturmittler Worms richtet sich an alle ankommenden Asylsuchenden, um früh auf ihre Hoffnungen und Erwartungshaltungen einzugehen, potentielle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und so ein gelingendes Miteinander zu gestalten.


    Da die meisten Geflüchteten kurz nach ihrer Ankunft in Worms erst wenig Deutsch sprechen, werden als Kulturmittler Personen eingesetzt, die die Gesprächskreise in der Muttersprache der Neuankommenden halten. In vielen Fällen erleichtert die gemeinsame Sprache auch, die begleitenden Ehrenamtlichen als vertrauenswürdige Ansprechpartner wahrzunehmen. Viele der Kulturmittler bringen eigene multikulturelle Erfahrungen und Identitäten mit, einige sind vor einiger Zeit selbst geflüchtet. So können sie mit Einfühlungsvermögen vermitteln, erklären, Vorbild sein.


    In einem zweitägigen Interkulturellen Training werden die Kulturmittler auf ihre Rolle vorbereitet. Unter anderem befassen sie sich dabei mit Kommunikationskonventionen und –situationen,  einschließlich damit, wie Fehlkommunikation entsteht. Sie besprechen, wie man Menschen aus anderen Wertegemeinschaften grundlegende Werte und Normen der hiesigen Gesellschaft näher bringen kann, wo auf diesem Gebiet vielleicht Gemeinsamkeiten zu finden sind und wie konstruktiv über die Einflüsse von Kultur und Religion gesprochen werden kann. Die Teilnehmer werden für die Flüchtlingsthematik in der öffentlichen Diskussion sensibilisiert.


    Daneben sollen die Vermittler auch praktische Sachverhalte an die Teilnehmer ihrer Gesprächsrunden vermitteln: wie Bahntickets gelöst und der Busverkehr genutzt wird oder wo man in Worms verschiedene Lebensmittel einkaufen kann. Eher „trockene“ Themen wie Behördengänge, Arztbesuche und Mülltrennung sind vorgesehen, aber auch Informationen zur Freizeitgestaltung, damit man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.


    Dabei sollen die Ehrenamtlichen ausloten, wo bei den Neuankommenden selbst Gesprächsbedarf besteht und was ihnen zunächst fremd vorkommt oder missverstanden wird. Ziel ist es, einen sicheren Raum zu bieten, in dem sich die Teilnehmer anhand eigener Erfahrungen mit ihren Einstellungen zu den Normen und Gewohnheiten der hiesigen Gesellschaft auseinandersetzen können. Denn ohne diesen Reflexionsprozess ist eine gelungene Integration nicht möglich.


    Integration ist ein langer, beidseitiger Prozess, der eine persönliche und eine gesellschaftliche Anstrengung mit sich bringt und dem ein kurzes Projekt nicht gerecht wird. Doch das Projekt Kulturmittler Worms kann und will den Anstoß zu diesem Prozess geben und Neuankommenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, von Anfang an. Ein bereicherndes Zusammenleben muss letztlich immer wieder gemeinsam definiert und mit Leben gefüllt werden.


    Wer an dem Interkulturellen Training Interesse hat, um selbst als ehrenamtlicher Kulturmittler Gesprächskreise für Neuankommende zu begleiten, kann sich bei der Fachstelle für Migration und Integration des Caritasverbandes Worms e.V. melden, Telefon 06241/2681271, E-Mail: alina.giesen@caritas-worms.de. Der Caritasverband und die Stadtverwaltung Worms freuen sich über Rückmeldung, vor allem bei Personen, die fließend Albanisch, Arabisch, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Kurdisch, Pashtu, Russisch, Serbisch, Somali, Tigrinya, Türkisch oder Urdu sprechen.

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