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  • Di., 25. Juli 2017, 10:53 Uhr
    IG BAU kritisiert Schieflage am Wormser Arbeitsmarkt / Klare Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“ gefordert

    Anteil „atypischer“ Jobs in der Stadt auf 43 Prozent gestiegen

    Immer mehr unsichere Jobs: 16.100 Wormser arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der so genannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 43 Prozent gestiegen.

    Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung Arbeitsmarkt in Worms seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 34 Prozent.

    IG BAU-Bezirkschef Rüdiger Wunderlich spricht von einem „Alarmsignal an die Politik“: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten“, sagt Wunderlich. Hier sei „grundsätzlich etwas in Schieflage geraten“. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz.

    Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat in Worms besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 4.500 Erwerbstätige in Teilzeit, waren im letzten Jahr mit 8.600 fast doppelt so viele. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, ist Rüdiger Wunderlich überzeugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

    Frauen besonders betroffen
    Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 5.200 Menschen in Worms waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 4.800). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus, berichtet Gewerkschafter Wunderlich. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

    Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz von den Parteien klare Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“. Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, betont Wunderlich. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen.

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