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  • So., 28. Januar 2024, 00:29 Uhr
    WORMS: Immenser Andrang bei Aktion des Runden Tisches der Luthergemeinde gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit

    Anti AfD-Demo am 27. Januar 2024

    Protestkundgebung gegen rechts und AfD in der Wormser Innenstadt, Foto: Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig › Von den mehr als 5,6 Millionen Opfern des Holocaust wurden etwa eine Million Juden als rassistisch verfolgte Menschen in Auschwitz-Birkenau ermordet. Der 27. Januar 2024 war der 79. Jahrestag, an dem der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee gedacht wurde. Am Mahnmal auf dem Otto-Wels-Platz kamen an diesem Samstag aber viel, viel mehr Menschen zusammen als üblich.

    Oberbürgermeister Adolf Kessel bekam während seiner Rede mehrfach „Szenenapplaus“ durch die Teilnehmer. Diese waren so zahlreich wie noch nie zuvor gekommen. Freilich war dem Stadtoberhaupt bewusst, dass die große Menschenmenge mit dem anschließend von dort aus beginnendem Protestmarsch gegen rechts und die AfD, zu dem der „Runde Tisch der Luthergemeinde gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit“ unter der Überschrift „Alle zusammen gegen den Faschismus“ aufgerufen hatte, zusammen hing. An der er sich nach eigener Bekundung „gerne beteiligt“.

    4.000 Teilnehmer laut Polizei

    Die gesperrte Stephansgasse füllte sich mehr und mehr, bis hinüber auf den Lutherplatz versammelten sich Jung und Alt; und dies mit zahlreichen Transparenten. Mit 100 Teilnehmern hatte Lukas Böhm als Versammlungsleiter, der als Beisitzer von Bündnis 90/Die Grünen im Kreisverband vertreten ist, gerechnet. Schnell wurde die Zahl auf 500 nach oben korrigiert. 4000 waren es am Ende nach Polizeiangaben.

    Breites Bündnis vertreten

    Insofern zeigte sich der Organisator nicht nur zufrieden, sondern überglücklich. Auch darüber, dass sich dem Aufruf zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen, ob „Wormser for Future“, „Pax Christi“ oder auch „Omas gegen Rechts“, die Ukraine Hilfe Worms, die mit ukrainischen Flaggen vertreten war, auch SPD, Grüne, Soroptimisten, Bündnis gegen Naziaufmärsche, die Lebenshilfe, Rudis gegen rechts und viele mehr, aktiv angeschlossen haben.

    Dass aber der eine oder andere Wormser Mitbürger nicht ganz so informiert war, zeigt die Aussage eines jungen Mannes „Was wollen denn die Grünen hier, die machen doch alles teurer“ oder eine junge Anwohnerin, die gerade das Haus zum Einkauf verließ und mit gebrochenem Deutsch meinte „Was ist denn hier los, ich habe gar nichts mitgekriegt.“ Dafür waren andere, Tausende Teilnehmer gut informiert, die mit mannigfaltigen Transparenten bunt und friedlich zunächst durch den Lutherring und durch die Wilhelm-Leuschner-Straße zogen.

    Lebenshilfe erinnerte an Euthanisie-Morde

    Am Bahnhofsvorplatz erinnerte Thomas Metzler, der für die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Worms-Alzey e. V. seit vielen Jahren engagiert ist, an die „Euthanasie“-Morde im Nationalsozialismus, die zwischen 1939 und 1945 planmäßig an Menschen begangen wurden, deren Leben nach der NS-Ideologie als „nicht lebenswert“ galt. Dabei wurden schätzungsweise 300.000 Menschen ermordet.

    Regenbogen- und Europa-Flaggen

    Immer wieder die Slogans „Ganz Worms gegen die AfD“ und „Alle zusammen gegen den Faschismus“, skandierend, zog der Tross weiter durch die Siegfriedstraße. Zwischen Regenbogen- und Europa-Flaggen war immer wieder, ob grafisch gestaltet oder einfach auf Karton geschrieben, zu lesen: „Unsere Stadt bleibt bunt, wir pfeifen auf Nazis“, „Du machst den Unterschied zwischen 1933 und heute!“, „Nie wieder. Stoppt die AfD“, „Demokratie forever“, „Rechts ist ekelhAfd, „Für eine Zukunft ohne Rassismus“, „Lieber bunte Bevölkerung als braunes Volk – AfD Nee“, „Klare Kante gegen rechts“, „Antifa bleibt Handarbeit“, „Nazis aus der Deckung holen“, „Nazis entgegen – treten“, „Nie wieder ist jetzt!“, „Wer AfD wählt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, „Wer nicht denkt und wer nichts weiß, glaubt den ganzen Nazi-Scheiß“, „Menschenrechte statt rechte Menschen“, „Omas gegen rechts“, „Lillifee statt AfD“, „Wer jetzt schweigt hat aus der Geschichte nichts gelernt“, „Demokratie braucht keine Alternative“, „Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim Nazi ist es andersrum“ und „Hass ist keine Meinung“.

    Die Wormser waren also einfallsreich und mutig. Auch mit der verkürzten Rede von Erich Kästner „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist“, in der der Schriftsteller die Ereignisse von 1933 bis 1945 aufgriff und meinte, man hätte diese spätestens 1928 bekämpfen müssen. Später sei es zu spät gewesen. „Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird“, zeigten sie, dass sie aus der Geschichte gelernt haben.

    Abschluss am Wormser Dom

    Der zweite vorgesehene Redepunkt am Winzerbrunnen fiel wegen der großen Teilnehmerschar aus. Dafür ging es über den Neumarkt zur Südseite des Wormser Doms. Hier fand nun die Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen von Daniel Usner und Soraya Schönfeldt (Jusos), Leonhard Schmitt (Grüne Jugend), Isabell Lieffertz (Die Linke).

    Die Würde des Menschen ist unantastbar

    Ganz besonders machte aber Turku Kandemir von der Alevitischen Gemeinde Worms und Umgebung e.V. mit ihrem Redebeitrag aufmerksam: „Migration ist das Verlassen von allem Gewohnten. Von Menschen, die man nicht mehr sieht. Von Orten, die man nicht mehr besucht. Migration ist Hoffnung, Migration ist Unsicherheit.“ Unmissverständlich sagte sie „Ich bin Deutsch.“ Großer Beifall für ihre klaren Worte: „Man darf nicht den Rechten überlassen, zu bestimmen, wer Deutscher ist. Wer jetzt noch die AfD wählt, wer weiß, was er tut!“ OB Kessel erinnerte aber auch an die Europawahl am 9. Juni und dass wir es alle mit der Wahl in der Hand haben. Nochmals zitierte er Artikel 1 des Grundgesetzes, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

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