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  • Mo., 04. Mai 2020, 14:03 Uhr | PR-Anzeige
    BVDA: Forderung nach einer Corona-Soforthilfe in Form zeitlich befristete Übernahme der Zustellkosten

    Als „feste regionale Größe“ unterstützen!

    Die kostenlosen Wochenblätter stellen insbesondere unter den gegenwärtigen Bedingungen der Corona-Pandemie für sehr viele Bürger/innen mit ihren verlässlichen journalistischen Informationen ein unverzichtbares Pressemedium für den Nahbereich dar. Sie gelten deshalb als systemrelevant.

    Besonders in den Zeiten der Corona-Pandemie sind kostenlose Wochenblätter wichtig: Dies betrifft vor allem die Vermittlung von lokalen Hilfsangeboten. Für die Gemeinden und Behörden vor Ort sind die kostenlosen Wochenblätter längst zum unentbehrlichen Sprachrohr geworden. 

    Sie erreichen nahezu jeden Haushalt – unabhängig von Einkommen, Bildung oder technischer Affinität. Sie geben all den Menschen ein Gesicht, die den Motor unseres Landes weiter am Laufen halten. Die journalistische Bedeutung der Mediengattung zeigt sich auch in der aktuellen Kooperation der BVDA-Mitgliedsverlage mit dem unabhängigen Recherchenetzwerk CORRECTIV, die zum Ziel hat, die Leser/innen vor gezielten Falschmeldungen zum Coronavirus zu schützen. Marktforschung belegt, dass Wochenblätter bei 75 Prozent der Bevölkerung als „feste regionale Größe“ mit hoher Glaubwürdigkeit gelten. Damit all dies aufrechterhalten werden kann, fordert der BVDA eine schnelle und unbürokratische Corona-Soforthilfe in Form einer temporären Übernahme der Zustellkosten durch den Staat.

    Große Verluste in der lokalen Medienvielfalt vermeiden
    Als Auswirkung der Corona-Pandemie führen massenhafte Stornierungen von Werbeanzeigen in den Verlagen zu einem Verlust der Einnahmen von bis zu 80 Prozent. Die dramatischen wirtschaftlichen Einbußen entsprechen einem Umsatzverlust der Branche von bis zu 312 Millionen Euro pro Quartal und können zudem nicht anderweitig kompensiert werden. 

    Da Werbeerlöse die einzige Einnahmequelle für kostenlose Wochenzeitungen darstellen, mussten bereits über 40 Prozent aller Titel eingestellt werden, die zur Wochenmitte erscheinen. Da eine Normalisierung des Marktes zeitnah nicht abzusehen ist, sind weitere einschneidende Verluste in der Medienvielfalt zu erwarten. Für die Aufrechterhaltung der Zustellung, die durch nahezu vollständig ausbleibender Einnahmen derzeit immense Kosten verursacht, benötigen die Wochenblätter nun sehr dringend Unterstützung.

    Systemrelevante Strukturen schützen
    Die regelmäßige und zuverlässige Zustellung von Wochenblät- tern in nahezu alle Haushalte erfordert einen hochkomplexen und kostenintensiven Zustellapparat, für dessen Aufrechterhaltung die Branche pro Quartal 196 Millionen Euro aufbringen muss. Für die Zustellung der kostenlosen Wochenzeitungen kommen ca. 200.000 fast ausnahmslos geringfügig beschäftigte Zusteller/innen zum Einsatz. Für diese Beschäftigtengruppe ist keine Kurzarbeit möglich. Zahlenmäßig nehmen die Bot/innen in den Zustellgesellschaften der Verlage jedoch oftmals einen so hohen Anteil ein, dass das notwendige Quorum für Kurzarbeit nicht erreicht werden kann. Dies hat zur Folge, dass dieses Instrument auch für die dort regulär sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nicht in Anspruch genommen werden kann.

    Der bevorstehende Verlust des komplexen Zustellapparats, der als gewachsene Struktur nach der Krise nur sehr schwer reaktiviert werden kann, erweist sich derzeit als nachhaltige Bedrohung der zukünftigen Medienvielfalt in Deutschland. Da die hohen Kosten der Zustellung durch andere staatliche Maßnahmen nicht zielführend gedeckt werden können, ist eine weitestgehend flächendeckende Zustellung nur mit einer zeitlich begrenzten Übernahme der Zustellkosten durch den Staat möglich.

    BVDA fordert zeitnahe Umsetzung der Zustellförderung
    Ende des vergangenen Jahres wurde den Verlagen bereits eine Zustellförderung zugesprochen. Diese Förderung soll dazu beitragen, die Versorgung mit kostenlosen Wochenblättern nahezu flächendeckend und besonders auch in strukturschwachen Gebieten aufrecht zu erhalten. Dort ist das Werbeaufkommen geringer und in ländlichen Gebieten steigen die Zustellkosten zum Beispiel aufgrund längerer Wegstrecken. Dieses Ziel einer nahezu flächendeckenden Zustellung sollte mit einer angemessenen Summe und einer schnellen Umsetzung erreicht werden.

    Das Geschäftsmodell der Anzeigenblätter an sich war jedoch keineswegs gefährdet. Auch die von der Europäischen Kommission definierten Voraussetzungen von „Unternehmen in Schwierigkeiten“, die einer Corona-Soforthilfe entgegenstehen könnten, waren vor der Krise bei den Verlagen nicht gegeben. Das heißt, dass keine Überschuldung oder Insolvenz vorlag und dass zuvor keine Rettungsbeihilfen vergeben wurden, die noch nicht zurückgezahlt waren.

    Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stehen die Verlage nun vor einer ganz neuen Herausforderung. Die oben beschriebenen dramatischen Einbrüche bei den Werbeeinnahmen gefährden die Produktion und Zustellung von kostenlosen Wochenzeitungen so stark, dass vielerorts weiße Flecken bei der Versorgung der Bevölkerung drohen oder bereits entstanden sind. In der aktuellen Situation handelt es sich vor allem um eine Erlöskrise – und diese ist in ihren existenzbedrohenden Auswirkungen erst durch die Corona-Pandemie ausgelöst worden.

    Vorhandenes Instrumentarium schnell und unbürokratisch nutzen
    Wenn man jedoch das bereits gut durchdachte Instrumentarium der geplanten Zustellförderung dazu nutzt, die Verlage mit finanziellen Hilfen in ausreichender Höhe schnell und unbürokratisch zu unterstützen, wäre dies eine effektive Hilfe für die Branche. Die staatlichen Zuschüsse können mit Rückgriff auf den bereits bekannten Verteilschlüssel an die Verlage ausgehändigt werden. Demzufolge erhält jeder Verlag einen seiner Auflagenhöhe entsprechenden Anteil an der Gesamtfördersumme. Zusätzlich werden die tatsächlich anfallenden Unterschiede der Zustellkosten in städtischen, ländlichen und Mischgebieten berücksichtigt. Als Nachweis der Auflagenhöhe eines Wochenblatttitels dient die Auflagenprüfung der Anzeigenblätter (ADA). Die ADA besteht seit 1985 als anerkanntes und am Markt etabliertes Prüfsystem, dessen Gütesiegel von unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vergeben wird.

    Um die flächendeckende Zustellung in nahezu alle Haushalte weiter zu gewährleisten und die Medienvielfalt im Lokalen zu erhalten, sieht der BVDA die hier geforderte Corona-Soforthilfe als dringend geboten an.
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