Di., 04. Februar 2014, 13:30 Uhr
Artenvielfalt für den Hohlweg westlich der St. Anna-Kapelle
Die Stadt Worms realisiert einen weiteren Mosaikstein bei der Umsetzung der Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“, die 2010 von Oberbürgermeister Michael Kissel unterzeichnet wurde. So soll in Kürze ein ca. 200 Meter langer, 10 bis 17 Meter breiter und ca. ein bis vier Meter tiefer Hohlweg in der Gemarkung Herrnsheim, westlich der St. Anna-Kapelle, gepflegt werden, um seine besondere Wertigkeit für Pflanzen und Tiere wiederherzustellen. Der Aufwuchs in Bereichen der südexponierten Böschung soll teilweise beseitigt und die Sohle des Hohlweges von Müll und Erosionsschutt befreit werden.
Mit dem Pflege- und Entwicklungskonzept „Lössböschungen und Hohlwege in Worms“, das 2012 im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde bei der Stadtverwaltung Worms erarbeitet wurde, liegt eine komplette Bestandsaufnahme sämtlicher Lössböschungen und Hohlwege im Stadtkreis Worms vor, einschließlich einer Aufnahme der bestehenden Vegetation und - darauf aufbauend - einer Darstellung von Maßnahmen, inwieweit die bestehenden Lössböschungen und Hohlwege als Lebensraum spezialisierter Tier- und Pflanzenarten mit ihren Lebensgemeinschaften wiederhergestellt werden können.
Hohlwege als „Zeugen des historischen Wegenetzes“
Hohlwege als „Zeugen des historischen Wegenetzes“ wie auch Böschungen gilt es heute zu erhalten, nicht nur als Kulturdenkmale, sondern auch als Rückzugsgebiete für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten und ihre Lebensgemeinschaften in den immer intensiver genutzten Acker- und Weinbau-Landschaften der Stadt Worms.
Die Hohlwege, durch Befahrungen und Auswaschungen entstanden, entsprechen nicht mehr den Anforderungen der heutzutage schweren und breiten Maschinen und Geräte, sodass die faunistisch so wichtigen offenen Lösswände durch Flurbereinigungen beseitigt wurden oder wegen fehlender Nutzung zuwuchsen. Durch Müllablagerungen und Stoffeinträge veränderte sich die Vegetation hin zu weniger anspruchsvollen Arten, und seltene und gefährdete Arten wurden verdrängt. Die ehemals wertgebende Artenvielfalt bis auf wenige Reste verarmte.
Lösswände - und damit auch Hohlwege, die beiderseits Lösswände besitzen – sind gesetzlich geschützt. Die beiden Biotoptypen sind in ihrem Bestand stark gefährdet und besitzen im östlichen Rheinland-Pfalz ihr westlichstes Vorkommen. So sorgen Südlage und Steilheit bei Sonneneinstrahlung für sehr viel höhere Temperaturen als in der Umgebung. Zusammen mit den geringen Niederschlägen der hiesigen Region sind die Bedingungen ähnlich wie in den osteuropäischen Steppengebieten. So findet man entsprechende Pflanzengesellschaften nur noch an wenigen Stellen in Rheinhessen. Auch bieten diese Böschungen hoch spezialisierten Tierarten Lebensraum, wie z.B. Wildbienenarten.
Förderung der Artenvielfalt
In der Gemarkung Herrnsheim wurden bereits mehrere wertvolle Böschungen zur Förderung der Artenvielfalt gepflegt. In diesem Sinne wird nun in einer größeren Maßnahme im Hohlwegebereich westlich der St. Anna-Kapelle über Jahrzehnte aufgekommener Holunder in der Hohlwegesohle und auf Teilen der südexponierten Böschung entfernt. Bei der Maßnahme werden Ausweichräume für Gehölz bewohnende Tierarten erhalten sowie auf markante Einzelbäume und biologisch besonders wertvolle Gehölze Rücksicht genommen. In den Folgejahren soll der Hohlweg regelmäßig gepflegt werden, um seine Funktion für die Tier- und Pflanzenwelt erfüllen zu können, aber auch um als ein markantes und für unsere Heimat typisches Landschaftselement dauerhaft erhalten zu bleiben.