Mi., 18. Februar 2015, 12:11 Uhr
Domgemeinde Worms: Neue Gestaltung des Bauzaunes am Domplatz vorgestellt /
Auch Hausgegner sollen zu Wort kommen dürfen
Die katholischen Pfarrgemeinden Dom St. Peter und St. Martin haben die Bauzaunelemente am Domplatz, die die Baustelle zum geplanten „Haus am Dom“ sichern, mit Bauzaunbannern neu gestaltet. Mit dem Aufstellen des Bauzaunes Anfang Dezember sei der Gemeinde immer wieder vorgeworfen, dass sie gerade in der vorweihnachtlichen Zeit den Domplatz mit dem unschönen Bauzaun verschandeln würden sei unsensibel oder gar eine bewusste Provokation der Gegner des geplanten Hauses, so eine Pressemitteilung der Gemeinde vom Mittwoch. Umgekehrt hatte die Gemeinde argumentiert, dass die mittlerweile begonnenen archäologischen Grabungen die bauvorbereitenden Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt zwingend nötig gemacht hatten.
Bauzaun ansprechender gestalten
„Der heftige Protest hat uns darüber nachdenken lassen, wie wir den zugegeben nicht eben schönen Bauzaun, der nach aller Voraussicht mehr als ein Jahr dort stehen wird, etwas ansprechender gestalten können“, erläutert Christine Rau für den gemeinsamen Öffentlichkeitsausschuss der beiden Gemeinden. Dabei seien nach Auskunft der Gemeinden mehrere Kriterien ausschlaggebend:
- Es sollte ausdrücklich keine Gestaltung umgesetzt werden, die die Gegner des geplanten Hauses am Dom als Provokation verstehen könnten
- Andererseits sollte mit der Gestaltung gerade für ortsfremde Gäste die Möglichkeit genutzt werden, um an dieser Stelle zu informieren, warum hier eine Baustelle ist und um zu zeigen, was hier geplant ist
- Zugleich soll die Chance genutzt werden, das vielfältige Leben der beiden Gemeinden sichtbar zu machen und Informationen zum Dom und über die Gemeinden zu geben
- Insbesondere auch für die Stadtführer soll hier die Möglichkeit entstehen, durch einige historische Ansichten zu zeigen, wie sich der Anblick des Domes im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert hat
- Nicht zuletzt soll die Gestaltung aber auch den Blick auf die Baustelle selbst, insbesondere auf die jetzt laufenden archäologischen Grabungen nicht einfach verdecken – es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, als solle hier etwas versteckt werden.
Im Ergebnis wurde der Bauzaun nun mit einer Reihe ansprechend bedruckter sogenannter „Bauzaunbanner“ gestaltet. Mehrere Bauzaunelemente bleiben dabei bewusst offen, um den Blick auf die Baustelle während der Grabungen wie auch später in der Bauphase weiter zu gewähren.
Zugleich geht die Gemeinde mit der Gestaltung des Bauzaunes auch ausdrücklich einen Schritt auf die Gegner des geplanten Baus an dieser Stelle zu. In einem Brief an den Vorsitzenden des Bürgervereins Domumfeld e.V. wird diesem von der Domgemeinde angeboten, dem Bürgerverein ein Bauzaunelement zur freien Gestaltung zur Verfügung zu stellen. „Ob Sie hier nun auch ein entsprechendes Bauzaunbanner mit Informationen über den Verein und sein Anliegen anbringen wollen, oder einfach Raum lassen für die Protestplakate, bleibt Ihnen überlassen“, schreibt Propst Schäfer in einem Brief an Dr. Josef Eberhardt, den Vorsitzenden des Bürgervereins.
Der vorgeworfenen Respektlosigkeit entgegnet
Der Domgemeinde war aus den Reihen des Bürgervereins wiederholt vorgeworfen worden, dass sie respektlos mit den Meinungen der Gegner des Hausbaus umgehen würde, weil man am Bauzaun Hinweise angebracht hatte, dass unbefugtes Plakatieren verboten sei und entsprechend unberechtigt angebrachte Plakate und Zettel mit Bürgerprotesten regelmäßig wieder entfernt wurden. „Mit dem Angebot, ein Bauzaunelement direkt an der geplanten Baustelle dem Bürgerverein zur Verfügung zu stellen, wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir respektvoll auch mit der Überzeugung der Gegner des geplanten Hauses am Dom umgehen wollen und setzen darauf, dass uns, unseren Überzeugungen und Rechten mit gleichem Respekt begegnet wird“, unterstreicht Propst Tobias Schäfer.
„Wir haben im Gegenzug den Bürgerverein lediglich sehr nachdrücklich und freundlich gebeten, dass er gegenüber seinen Anhängern z.B. bei der regelmäßigen Mahnwache darum werben möge, dass die übrigen Zaunelemente dann von weiteren Protestplakaten frei bleiben und vor allem die Banner der Domgemeinde nicht durch Vandalismus, Überkleben, Beschreiben usw. beschädigt werden.“, erläutert Klaus Berg für den Verwaltungsrat.
Mit „neutralen“ Informationen der Domgemeinde
Auffällig ist insgesamt, dass die Domgemeinde bei der Gestaltung der Banner auf jede als Provokation der Gegner des Hausbaus zu verstehende Gestaltung verzichtet: Lediglich zwei der insgesamt 12 Bauzaunbanner zeigen eine Ansicht des geplanten Gemeindezentrums, und auch auf diesen ist außer dem Hinweis: „Hier entsteht unser neues Gemeindehaus“ auf jeden weiteren Text verzichtet worden. Alle anderen Banner enthalten, unterlegt mit ansprechenden Darstellungen aus dem Dom, der Pfarrkirche St. Martin wie aus dem Gemeindeleben „neutrale“ Informationen der Domgemeinde wie die Öffnungszeiten des Domes, Gottesdienstzeiten, Termine der Domkonzerte usw. Gerade für Besucher des Domes und Touristen sind sicher auch die Ansichten des Domumfeldes aus früheren Jahrhunderten interessante Informationen, an denen auch Stadt- und Domführungen künftig gut anknüpfen können.
„Wir hoffen, dass unsere Initiative beim Bürgerverein so verstanden wird, wie sie gemeint ist: als ein Schritt aufeinander zu im gegenseitigen Respekt vor unterschiedlichen Überzeugungen“, unterstreicht Propst Schäfer. Eine erste Reaktion des Bürgervereins scheint in diese Richtung zu weisen. Der Vorsitzende, Dr. Josef Eberhardt, dankt ausdrücklich der Domgemeinde dafür, dass damit „ein Zeichen gesetzt und ein respektvoller Umgang miteinander möglich werde“ und sichert zu, man werde bei den Mahnwachen darum bitten, die aufgehängten Banner nicht zu beschädigen oder zu überkleben. Einzelheiten sollen in einem zeitnahen Gespräch miteinander geklärt werden.
Bereits erste archäologische Befunden
Seit Mitte Januar hat die Landesarchäologie mit Grabungen auf dem Gelände des geplanten Neubaus begonnen. Mauerzüge, die im Zusammenhang stehen dürften mit dem an dieser Stelle bis etwa 1830 gestandenen Kapitelshaus und dem mittelalterlichen Kreuzgang sind bereits zutage getreten. Für die Archäologie sind gut vier Monate vorgesehen. Nach den Planungen der Domgemeinde kann dann spätestens zum Sommer hin mit dem eigentlichen Baubeginn gerechnet werden.