FUSSBALL OBERLIGA RHEINLAND-PFALZ/SAAR: TSG Pfeddersheim besiegt SV Röchling Völklingen beim „Tag der offenen Tore“ mit 6:3 (4:1)
Auf Debakel folgt Spektakel
Belebendes Element im Pfeddersheimer Angriff: In seinem dritten Spiel für die TSG sorgte der 20-jährige Nils Anhölcher für viel Wirbel im und um den Strafraum des SV Röchling Völklingen. Der quirlige Neuzugang vom VfR Aalen eröffnete den Torreigen früh beim 6:3-Erfolg der TSG Pfeddersheim über die Saarländer. Foto: Felix Diehl
VON JÜRGEN JAAP | „Tag der offenen Tore“ im Uwe-Becker-Stadion in Pfeddersheim. Wieder einmal. Nach vier Niederlagen in Serie inklusive eines historischen 2:8-Debakels mit zehn Toren in einer Halbzeit gegen den FC Hertha Wiesbach gab es nur zehn Tage später erneut gegen einen Saarland-Klub, nämlich den SV Röchling Völklingen, abermals Tore satt in einem Meisterschaftsspiel der TSG Pfeddersheim in der Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar. Die Elf um den nach dem Wiesbach-Desaster für Christoph Hartmüller auf den Trainerstuhl der TSG beförderten 31-jährigen Daniel Wilde bezwang dank einer furiosen Anfangs-Viertelstunde Oberliga-Vizemeister Röchling Völklingen in einem verrückten Fußballspiel mit einigen Wendungen 6:3 (4:1).
TSG gelingt Traumstart mit drei Treffern in 15 Minuten
Beide Teams, letzte Saison als Zweiter und Dritter lange im Rennen um die Oberliga-Meisterschaft, waren nicht gerade nach Wunsch in die Saison 2019/2020 gestartet. 17 Gegentreffer hatte Pfeddersheim in den letzten vier Spielen kassiert. „Die vier Pleiten zuletzt haben wir aber aus unseren Köpfen gestrichen“, beteuerte Nils Anhölcher. Und wenn’s hinten löchrig ist, dann eben ab nach vorne. Genauso startete der 20-jährige Neuzugang vom VfR Aalen an der Seite von Sebastian Kaster im Sturm mit seiner TSG-Elf ins Spiel. Einen Pass aus der Abwehr nahm Nils Anhölcher im Mittelkreis auf, marschierte Richtung Gäste-Strafraum und schloss kurzerhand selbst ab – 1:0 (2.). Ein Bilderbuch-Start und Balsam für die angeknackste TSG-Psyche. Und es kam noch besser. Die Gastgeber blieben am Drücker. Erst schob Fabio Schmidt das Leder nach einem Ballgewinn des prima aufgelegten TSG-Kapitäns Tobias Bräuner ins Netz (12.) und nur drei Minuten darauf setzte TSG-Abwehrspieler Christopher Ludwig eine klasse Anhölcher-Ecke mit dem Kopf ins kurze Eck.
Wackelige Abwehrreihen gewähren viele Torchancen
3:0 – alles gelaufen? Von wegen. Wie instabil die TSG-Defensive derzeit ist, war nicht allein an den vielen ungenauen Zuspielen des sonst sehr zuverlässigen Mathias Tillschneider festzumachen. So durfte SV-Spielmacher Nico Zimmermann völlig unbehelligt durch die Pfeddersheimer Spielhälfte spazieren und aus 20 Metern frei zum 3:1-Anschluss einschießen (20.). Immerhin: Pfeddersheim blieb gegen eine ebenfalls nicht gerade sicher und souverän agierende Völklinger Abwehr nach wie vor gefährlich. Scheiterte Fabio Schmidt zunächst bei einem Konter im Eins gegen Eins noch an Gästekeeper Sebastian Buhl (23.), so machte es der Linksfuß auf steilen Pass von Björn Weisenborn beim zweiten Versuch besser (31.). „Wir hätten gut und gerne höher führen müssen“, mochte Daniel Wilde trotz der 4:1-Führung zur Pause nicht völlig zufrieden sein, ließen Fabio Schmidt (5.) und Björn Weisenborn (44.) doch weitere Hochkaräter ungenutzt.
Pfeddersheim gibt „Dreier“ fast noch aus der Hand
Weiter ging es mit dem Tor-Festival auch in Hälfte zwei. Kapitän Tobias Bräuner und der ebenfalls gerade nach einer Bänderverletzung wieder ins Team gerückte Marcell Öhler konnten die Partie bei den hochsommerlichen Temperaturen im Mittelfeld nun nicht mehr so gut kontrollieren wie noch im ersten Durchgang. Und weil auch Sebastian Kaster zwei Chancen zur Entscheidung liegen ließ (54. und 56.), gab es eine Wende im Spiel. Ein Doppelschlag der Gäste gestaltete die Partie urplötzlich wieder offen. Erst bugsierte Lars Birster einen von der TSG-Abwehr abgefälschten Schuss ins Tor (72.). Zwei Minuten später war der 4:3-Anschluss hergestellt, als die linke Pfeddersheimer Abwehrseite schlief und Fabian Scheffer ungebremst zum Torschuss kommen ließ. „Da wurde mir angst und bange um die drei Punkte“, räumte Daniel Wilde ein, denn: „Wir gingen auf dem Zahnfleisch.“
Tor-Spektakel nimmt gutes Ende für Pfeddersheim
Typisch für das höchst unterhaltsame Spiel mit den zum Torerfolg geradezu einladenden Abwehrformationen dann der Schlussakkord. Jan Wollbold foulte Sebastian Kaster völlig überflüssig im Strafraum von Völklingen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Christopher Ludwig mit links eiskalt (78.). Und damit nicht genug. Den neunten und letzten Treffer des Tor-Spektakels erzielte der kurz zuvor für Sebastian Kaster eingewechselte TSG-Stürmer Maurice Müller in der Nachspielzeit auf Flanke von Luftrim Kodraliu zum 6:3-Endstand. Drei ganz wichtige Zähler für Pfeddersheim, die Daniel Wilde („Ich bin mit dieser Reaktion meiner Mannschaft sehr zufrieden“) und der TSG Pfeddersheim nach einem schwierigen Start in die Saison etwas den Druck von den arg strapazierten Fußballer-Herzen nehmen.