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So., 24. April 2022, 12:33 Uhr
TALENTE IM NIBELUNGENLAND: Motorsport-Ass Moritz Fischer aus Eich ist als ganz junger Kartfahrer bereits auf den großen Arenen des Rennsports zu Hause
Auf der rasenden Jagd nach Bestzeiten und Pokalen
Mit 80 Stundenkilometern rasant auf mindestens drei Reifensätzen pro Renn-Wochenende durch die Kurven: Moritz Fischer weiß bereits mit zwölf Jahren, wie es sich auf der Ideallinie deutscher Rennstrecken anfühlt.
VON JÜRGEN JAAP |Sport ist so vielfältig. Von Aerobic über Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Judo, Karate, Kartfahren, Motorsport, Radfahren, Sportklettern, Taekwondo, Tanzen, Tennis, Tischtennis, Turnen bis hin zum Wassersport bieten allein in der Nibelungenstadt Worms über 100 Sportvereine mit insgesamt etwa 31.000 Mitgliedern nahezu jede Sportart an. Zahlreiche junge Menschen eifern olympischen Helden der Leichtathletik oder im Schwimmbecken nach. Ja, es gibt sie auch in großer Anzahl im Nibelungenland: Talente, die das Zeug dazu haben über die Region hinaus Aufmerksamkeit auf ihren Sport zu lenken. Wir stellen sie über viele Sportarten hinweg nach und nach vor – in der Serie…
Talente im Nibelungenland
Wackersdorf, Ampfing, Oschersleben, Kerpen, Hockenheim. Kleine Orte, die große Emotionen bei Freunden des Rennsports auslösen. Bei Moritz Fischer rufen derlei Ortsnamen besondere Gefühlswallungen hervor. „Die Rennstrecke ist mein Zuhause“, sagt der 12-jährige Bub aus Eich am Rhein mit leuchtenden Augen. Nicht etwa, dass sich der wissbegierige Schüler des G8-Gymnasiums Nackenheim nicht am Altrhein in Eich geborgen fühlen würde. Ganz im Gegenteil. „Papa Hans-Peter, Mama Manuela, Opa und Oma sind in meinem Leben die Wichtigsten“, schwört Moritz Fischer. Die Familie steht an Position eins beim mit zwölf Jahren schon groß gewachsenen jungen Burschen.
Aus dem „Beast“ wird „Hanne“
Aber gleich danach folgt der Motorsport, die Geschwindigkeit, der Rennsport, Kartfahren. Moritz hat Benzin im Blut. Wie alle Männer der Familie Fischer. Der Opa fuhr die Formel V, eine ältere Rennserie mit VW-Equipment. Vater Hans-Peter mag jede Form von laut heulenden Motoren. Und Sohnemann Moritz liebt den Rennsport, frönt dem Motorsport leidenschaftlich, hat große Vorbilder und noch größere Ziele. Das Talent dazu scheint dem flinken Youngster in die Wiege gelegt. Mit neun Jahren stieg er ins erste Kart, dem er den etwas martialisch anmutenden Namen „Beast“ verlieh. Das heutige 125 ccm Hubraum und 29 PS starke Gefährt heißt „Hanne“, benannt nach der viel zu früh verstorbenen Großtante, „mit der ich immer viel Spaß hatte“, betont Moritz.
Die beiden Protagonisten des aus den Kinderschuhen wachsenden MOSPEED Racing Teams aus Eich: Vater und „Schrauber“ Hans-Peter Fischer und Sohn und Fahrer Moritz Fischer sammeln Pokale wie andere Briefmarken. 2022 soll das bisher beste Jahr in der jungen Rennsport-Karriere der Altrheiner werden. Foto: Felix Diehl
Erster Sieg bei Deutscher Meisterschaft IAME Series in Kerpen
Familiär geht’s zu im Rennstall MOSPEED Racing. In der eigenen Garage in Eich legen Hans-Peter und Moritz gemeinsam Hand ans schnelle Sportgerät. Auf den Strecken in ganz Deutschland ist neben RMW-Motorsport Rennstall aus Koblenz, bei dem Moritz seit diesem Jahr unter Vertrag ist, die komplette Familie am Start. Beim ersten offiziellen Rennen der Deutschen Meisterschaft IAME (Italian American Motor Engineering) Series Germany in Oschersleben 2021 in Sachsen-Anhalt etwa drückten alle Fischers vor Ort die Daumen. Den ersten Sieg fuhr Moritz im zarten Alter von elf Jahren in Kerpen ein. Einen riesigen Pokal gab’s dafür. „Der hat jetzt in unserem Gästezimmer in einer großen Vitrine einen Ehrenplatz“, sagt Moritz. „Und wir werden wohl bald richtig anbauen müssen“, ergänzt Hans-Peter Fischer.
Auf den Spuren eines Michael Schumacher
Apropos Kerpen in Nordrhein-Westfalen. Bekanntlich machte dort Michael Schumacher, der berühmteste Deutsche Rennfahrer, seine ersten Schritte im Kart. „Michael Schumacher und Sebastian Vettel sind meine Vorbilder“, lässt Moritz Fischer denn auch wissen. Und ohne größeres Zögern schiebt der Eicher nach: „Mein Ziel ist der Nürburgring, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und die Formel 1.“ Eine Etappe dieser großen Vorgaben hat der gute Schüler, der Mathematik, Biologie und logisches Denken gerne pflegt, bereits abgehakt. Mit einer Topspeed von 120 Stundenkilometern und einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von 80 km/h siegte er genau dort, wo Michael Schumacher einst seine große Karriere startete.
Prima Start ins Rennjahr 2022
Der Weg dorthin ist freilich weit und durchaus steinig. Das wissen Hans-Peter Fischer („Man braucht Sponsoren und eine ordentliche finanzielle Unterstützung“) und Moritz Fischer nur zu genau. 2022 soll es erst einmal in der IAME Series Germany vorangehen. Beim Auftakt des Süddeutschen ADAC Kart Cup in Wackersdorf legte Moritz unter über 30 Fahrern der Klasse X30 Junior Mitte April einen verheißungsvollen Start hin. Startplätze zwei und drei im Qualifying, die schnellste Rennrunde im ersten Wertungsrennen und am Ende ob einiger Wetterkapriolen ein klasse fünfter Rang in der Gesamtwertung standen auf der Rennstrecke in Ostbayern zu Buche.
Moritz ist Förderpilot des ADAC Mittelrhein
Förderung ist im Motorsport ein ganz wichtiger Aspekt. Umso mehr zählt für Moritz Fischer nach seinen sehr guten Leistungen im Rookie Jahr 2021 die Aufnahme als Förderpilot des ADAC Mittelrhein e.V. „Ein wichtiger Schritt nach vorne“, ist sich Hans-Peter Fischer sicher. Weitere sollen an den vielen Renn-Wochenenden des Jahres 2022, 14 waren es 2021, folgen. Die Schule spielt dabei bestens mit. „Die Schule stellt mich vor den Rennen frei, das funktioniert.“ Genau wie im Gymnasium in Nackenheim lernt Moritz übrigens „von Rennen zu Rennen dazu“. Dabei seien körperliche Fitness, die er sich bei seinem Ausgleichssport Taekwondo holt, ein gesundes Selbstvertrauen und Rennintelligenz besonders gefragt. „Druck auf den Gegner aufbauen und dann auf der Bremse an ihm vorbei“, lässt Moritz um eine seiner Stärken auf der Strecke wissen. Und nach so einem Wochenende auf den großen Rennstrecken darf Moritz dann meist auf die Frage seiner Schulkameraden „Hast du schon wieder einen Pokal geholt?“ stolz mit einem „Ja, aber sicher!“ antworten.