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Mo., 27. September 2021, 13:29 Uhr
Fußball Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar: TSG Pfeddersheim unterliegt FC Arminia Ludwigshafen nach desolater erster Halbzeit mit 1:6 (0:4)
Auf Derby-Debakel folgt Heim-Debakel
Benjamin Himmel sorgte mit dem zwischenzeitlichen Anschlusstor zum 1:5 für einen der wenigen guten Momente der TSG Pfeddersheim im tristen Oberliga-Heimspiel gegen FC Arminia Ludwigshafen. Foto: Felix Diehl.
Von Jürgen Jaap | Wormatia in den Köpfen. Pudding in den Beinen. Eine Abwehr so aufgescheucht wie ein Hühnerhaufen, den gerade ein Fuchs aufsucht. Die TSG Pfeddersheim hat eine historisch schlechte Woche seit dem erneuten Aufstieg 2012 in die Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar hinter sich. Genauer gesagt: vier historisch schlechte Tage. Dem leblosen 0:7-Debakel im Wormser Stadtderby beim VfR Wormatia Worms am Mittwochabend folgte am Wahlsonntag ein im ersten Durchgang total deprimierendes 1:6 (0:4) gegen FC Arminia Ludwigshafen. 1:13 Tore in zwei Spielen binnen vier Tagen – das gab’s in zehn Jahren jüngerer Oberliga-Historie für die Pfeddersheimer noch nicht. „Ich nehm’ die erste Hälfte auf meine Kappe“, stellte sich der junge 33-jährige TSG-Coach Daniel Wilde schützend vor seine Elf. Der pünktliche Abpfiff von Schiedsrichter Fabian Mohr (SV Strohn) glich einer Erlösung für TSG-Spieler, Trainer und knapp 150 Pfeddersheimer Fußballfans bei zum tristen Kick passenden Nieselregen im Pfeddersheimer Uwe-Becker-Stadion.
TSG versucht’s spielerisch – und scheitert kolossal
Eine Szene beschreibt dabei das ganze Desaster der letzten beiden Auftritte des aktuellen Tabellenvierten der Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar – Staffel Süd. Die zweite Halbzeit hat gerade begonnen. Erneut schieben sich TSG-Torwart Alexander Loch, Rouven Amos, Elias Burkert und Edonart Leposhtaku den Ball zwecks Spielaufbau um den eigenen Strafraum zu. Giuliano Cultrera sprintet dazwischen, stiehlt Lepostaku das Leder, spielt rüber zum völlig freistehenden Nico Pantano, der die Kugel nur noch zum fünften Treffer für Arminia Ludwigshafen einzuschieben braucht (47.). Der Pfeddersheimer Innenverteidiger beobachtet den Fortgang der Szene nach dem Ballverlust hilflos auf dem Hosenboden sitzend. Abwinken auf den Rängen ob des nächsten Gegentores nach einem kapitalen Schnitzer, das so ähnlich zuvor gegen Wormatia und Ludwigshafen gleich reihenweise zustande kam. „Pfeddersheim versucht von hinten herauszuspielen, Kompliment“, wird Gästetrainer Marco Laping in der Pressekonferenz zur Partie versuchen, Aufbauarbeit für die verunsicherten TSG’ler zu leisten. Es bleibt beim Versuch.
Zwei frühe Nackenschläge werfen TSG aus der Bahn
„Wir wollten zunächst tiefer stehen, über Ballbesitz wieder Sicherheit gewinnen“, gab Daniel Wilde nach der Klatsche gegen Wormatia als Taktik aus. Damit war es schnell vorbei, denn gleich der erste Angriff brachte den Gästen die Führung. Einen Rückpass von der Grundlinie hämmerte Ex-Wormate Lennart Thum in den Winkel (1.). „Wir kamen aus einem 0:7 – und dann gleich noch zwei Nackenschläge“, sah Daniel Wilde sein Team bereits früh aus der Bahn geraten, denn kurz darauf stand es 0:2. Eine Ecke nebst Kopfball-Stafette wehrte Fabio Schmidt, der auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position spielen musste, viel zu kurz ab. David Braun schoss das Leder volley an Freund und Feind vorbei stramm unten in die Maschen (10.).
In der Folge merkte man den Pfeddersheimern die in den Köpfen verankerte Unsicherheit buchstäblich bei jeder Aktion an. Fehlpässe ohne Ende und was Daniel Wilde besonders bemängelte: „In den Zweikämpfen eine katastrophale Vorstellung.“ Das Fehlen von zehn Spielern und speziell der kampfstarken Mathias Tillschneider, Henrik Nagel und Vincent Haber machte sich im Abwehrverhalten der TSG augenfällig bemerkbar. Weitere Gegentore waren angesichts der überforderten TSG-Defensive nur logisch, zumal Ludwigshafen dazu noch das Spielgerät gekonnt durch die eigenen Reihen laufen ließ. Ricardo Antonaci auf Zuspiel von Giuliano Cultrera im Anschluss an einen weiteren TSG-Patzer (25.), sowie David Braun mit seinem zweiten Treffer nach Pass von Cultrera, der sich zuvor – man möchte fast meinen natürlich – das Leder von einem Pfeddersheimer auflegen ließ (35.), sorgten für den 0:4-Pausenstand, der aus TSG-Sicht sogar als schmeichelhaft zu bezeichnen ist.
TSG-Abwehr bleibt die Achillesferse
Immerhin: Mit der Hereinnahme von Waaris Bhatti für Elias Burkert und Melchisedec Yeboah für Vllaznim Dautaj zur Pause wurde es etwas besser auf Seiten der Gastgeber. Und weil Waaris Bhatti eine schöne Flanke auf den Kopf von Benjamin Himmel gelang, glückte der TSG auch der Anschlusstreffer zum 1:5 (70.). „Die zweite Hälfte haben wir ordentlich gespielt“, befand Daniel Wilde. Für den jungen TSG-Coach steht freilich vor den nächsten Oberliga-Spielen viel Arbeit an. Wo am meisten, machte die letzte Aktion der Partie klar. Wieder einmal war die TSG-Abwehr nach einem Freistoß nebst Kopfball-Rückgabe von FC-Kapitän Nico Pantano nicht im Bilde, als Matteo Monetta aus kürzester Distanz ungehindert einnetzen konnte (88.). Der Abpfiff des Spiels ließ nicht lange auf sich warten – und das war auch gut so für die Kicker der TSG Pfeddersheim.