Talente im Nibelungenland: Die Zwillingsschwestern Emilia und Sophia Heckmann vom 1. Judo-Club Worms schultern (meist) gemeinsam beim Judo sportliche Hürden im Doppelpack
Auf sanftem Weg zu großen Taten
Zwei Zwillinge, eine große gemeinsame sportliche Leidenschaft: Judo. Emilia (knieend) und Sophia Heckmann lieben die sportliche Herausforderung des Judo-Sports mit jeder Faser ihrer Körper. Foto: Marcus Diehl
Von Jürgen Jaap › Sport ist so vielfältig. Von Aerobic über Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Judo, Karate, Kartfahren, Motorsport, Radfahren, Sportklettern, Taekwondo, Tanzen, Tennis, Tischtennis, Turnen bis hin zum Wassersport bieten allein in der Nibelungenstadt Worms über 100 Sportvereine mit insgesamt etwa 31.000 Mitgliedern nahezu jede Sportart an. Zahlreiche junge Menschen eifern olympischen Helden der Leichtathletik oder im Schwimmbecken nach. Ja, es gibt sie auch in großer Anzahl im Nibelungenland: Talente, die das Zeug dazu haben über die Region hinaus Aufmerksamkeit auf ihren Sport zu lenken. Wir stellen sie über viele Sportarten hinweg nach und nach vor – in der Serie „Talente im Nibelungenland“.
Judo, der laute Sport
Der Opa muss sich mächtig strecken, um das Geschehen über vier Reihen von sitzenden, knieenden und stehenden Sportlern, die da meist in einem typischerweise weißen Judoanzug, dem Judoki, rund um vier Matten, Tatami im Japanischen genannt, die Kämpfe der jungen Judoka gebannt und lautstark anfeuernd verfolgen, auf seinem Foto-Handy einzufangen. „Emilia, Emilia, Emilia“, ruft es aus einem Dutzend Kehlen. Es ist laut, das Dezibel-Meter schlägt mächtig aus. Emilia Heckmann kämpft auf Matte 3. Der Opa filmt, die Oma drückt auf der Tribüne fest die Daumen. Die 10-jährige Zwillingsschwester Sophia reiht sich vehement rufend in die Gruppe der Anhänger der kleinen Judo-Kämpferin des 1. Judo-Club Worms ein. Das 41. Nibelungen-Turnier in den Sporthallen des Bildungszentrum Worms ist auf vollen Touren. Allein schon 97 Judoka sind in verschiedenen Gewichtsklassen bei den Wettbewerben der U13 am Start.
Judo, der respektvolle, der höfliche Sport
Emilia Heckmann will sich den zweiten Sieg an diesem Samstag im heimischen Worms über Nike Hanrath vom VfL Lahnstein holen. Mit dem Seoi-Nage, einem Schulterwurf, bringt Emilia Nike zu Boden. Dann folgt ein Haltegriff. „Meine Lieblings-Technik“, sagt das kleine Energiebündel später lächelnd. Emilia hat zwei Waza-Ari genannte halbe Wertungspunkte eingeheimst. Das bringt den Sieg. Beide Kämpferinnen treten nun zurück zum Mattenrand, verbeugen sich voreinander. Höflich und respektvoll geht’s zu beim Judo. Doch nur kurz darauf klatscht Sophia als erste ihre Schwester ab, dann folgen die Vereinskollegen, der Opa und ein Küsschen der Oma. „Wir haben bereits einmal Gold und zweimal Silber geholt“, lässt Sophia stolz wissen. Mit „wir“ meint Sophia natürlich ihre Zwillingsschwester Emilia und sich als Duo. Dabei ist der Auftritt vor heimischem Publikum in den rappelvollen BIZ-Sporthallen erst das dritte Judo-Turnier der Heckmann-Sisters.
Kleinigkeiten entscheiden häufig beim Judo
„Richtige Judo-Talente eben, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen“, sagt Bernd Jäger, der ausgesprochen fachkundige und rührige Judo-Abteilungsleiter des 1. JC Worms. Doch viel Zeit zum Feiern bleibt den Zwillingen mit Bernd Jäger nicht. Nun muss Emilia quasi im Finale gegen die einen halben Kopf größere Medina Kelmendi vom VfL Eppelstein ran. Beiden gelingt eine Beintechnik nebst Wurf, je ein Waza-Ari für beide Judoka. Nuancen entscheiden das gleiche Duell zugunsten der etwas aktiveren Medina. Egal. „Dann funktioniert es für eine von uns beiden vielleicht schon beim nächsten Turnier mit dem Sieg“, sagt Emilia Heckmann kaum enttäuscht wirkend. Zuvor allerdings gab’s für die beiden Schwestern noch eine kleine Aufgabe. Im Kampf um Rang zwei ging es gegeneinander. Ein wenig merkte man den Geschwistern ihre Zurückhaltung an. Für Inaktivität gab’s jeweils einen Shido, eine kleine Bestrafung. Am Ende holte sich Emilia Silber, Sophia errang Bronze.
Heckmann-Sisters sind zwei vieler Judo-Kids des 1. JC Worms
Gewonnen haben die Herzen der intensiv mitfiebernden Judo-Freunde am Rande der Tatami aber nicht nur die beiden Zwillingsschwestern Heckmann. Beim 1. Judo-Club Worms ist nur bei der U13 gleich eine ganze Reihe junger Kämpfer am Start. Dima Lazarev und die beiden Zwillingsbrüder David und Paul Schmierer sind nur drei Judoka, die beim heimischen Turnier ordentlich Erfahrungen sammelten. „Für einige ist das nach der langen Corona-Auszeit überhaupt das erste große Turnier“, betont Bernd Jäger. Sicher scheint beim großen Engagement und Talent von Emilia und Sophia Heckmann aber bereits jetzt, dass es ganz sicher nicht bei den bislang fünf Plätzen auf dem Siegertreppchen für die Wormser Zwillingsschwestern bleibt.
Früh übt, was einmal ein großer Kämpfer werden will. Für Dima Lazarev (oben, Jahrgang 2012) war das 41. Nibelungen-Turnier des eigenen Vereins 1. Judo-Club Worms eines der ersten Judo-Turniere überhaupt. Foto: Marcus Diehl