Do., 29. Oktober 2020, 11:48 Uhr
ARBEITSMARKT: Aufschwung durch steigende Infektionszahlen in Gefahr / Arbeitslosenquote in Worms bei 8,5 Prozent
Auf unsicherem Erholungskurs
Die saisonübliche Herbstbelebung am Wormser Arbeitsmarkt hat sich im Oktober mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen fortgesetzt. Damit ist der Arbeitsmarkt im zweiten Monat nach Beginn der Pandemie auf Erholungskurs, auch wenn die positive Entwicklung gegenüber September etwas abgeflacht ist. Die Zahl derer, die ihren Job verloren haben, lag sogar niedriger als im Oktober vor einem Jahr. Dafür fanden im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Menschen eine neue Beschäftigung. Allerdings lagen sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Unterbeschäftigung nach wie vor deutlich über den Werten des Vorjahres.
Zahlreiche Betriebe in Kurzarbeit
„Der Arbeitsmarkt übersteht die Pandemie bis jetzt verhältnismäßig gut“, erläutert Susanne Decker, Leiterin der Wormser Arbeitsagentur, die aktuellen Zahlen. Allerdings seien die Chancen am Arbeitsmarkt nicht gleich verteilt. So waren es vor allem jüngere Personen unter 25 Jahren, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Hier spielten wie bereits im September Abgänge in Ausbildung eine wesentliche Rolle. Dagegen kam es bei den Älteren über 50 Jahre zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt bereits seit April kontinuierlich an. Hoffnung auf eine weitere Erholung macht laut Decker der Blick auf die Arbeitskräftenachfrage. Diese steigt seit Mai kontinuierlich an. Gesucht wurden vor allem Arbeitskräfte in der Zeitarbeit, im Handel, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen. Allerdings sei der aktuelle Aufschwung durch die steigenden Infektionszahlen in Gefahr. Auch die Stimmung in den Betrieben habe sich zuletzt wieder eingetrübt. Nach wie vor befinden sich zahlreiche Betriebe in Kurzarbeit, auch wenn in den letzten Monaten deutlich weniger Anzeigen hinzugekommen sind. „Viele Betriebe, die im März und April Kurzarbeit angezeigt hatten, haben diese jetzt noch einmal verlängert“, so Decker. Neu Kurzarbeit angezeigt haben im Oktober 3 Betriebe für 25 Mitarbeitende. Seit Beginn der Krise haben in Rheinhessen insgesamt 914 Betriebe für 9.086 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt.
Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick
Im Oktober waren in Worms insgesamt 4.923 Personen als unterbeschäftigt registriert. Das waren 110 weniger als im Vormonat, aber 729 mehr als im Vorjahr. 3.978 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Das waren 73 weniger als im September, aber 974 oder 32,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote fiel von September auf Oktober von 8,7 auf 8,5 Prozent. Im Vorjahr hatte sie bei 6,5 Prozent gelegen. Von den 3.978 Arbeitslosen im Oktober wurden 1.547 von der Arbeitsagentur und 2.431 vom Jobcenter Worms betreut. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit entfiel überwiegend auf die von der Arbeitsagentur betreuten Arbeitslosen. Mit gut 18 Prozent gegenüber dem Vormonat fiel der Rückgang bei den Jugendlichen bis 20 Jahre am stärksten aus. Die Arbeitgeber meldeten 253 neue Stellen. Das waren 46 mehr als im September, aber 10 weniger als im Vorjahr. Im Oktober kam es auch auf allen anderen regionalen Arbeitsmärkten im Bezirk der Mainzer Arbeitsagentur zu einem Rückgang Arbeitslosenzahlen. Im Gesamtbezirk fiel die Quote von 5,7 auf 5,6 Prozent, in der Stadt Mainz von 6,5 auf 6,3 Prozent, in der Stadt Worms von 8,7 auf 8,5 Prozent, im Landkreis Alzey-Worms von 4,7 auf 4,6 Prozent und im Landkreis Mainz-Bingen von 4,4 auf 4,3 Prozent.