Die Mannheimer Kufencracks gewinnen beim Spengler Cup sensationell gegen die finnische Spitzenmannschaft Jokerit Helsinki mit 5: 3 Toren
Auferstehung der Adler
Die Adler können wieder jubeln. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Wer hätte das gedacht, nach zuletzt neun Niederlagen in Folge gewannen die Mannheimer Adler am Sonntag beim Spengler Cup mit 5:3 (2:2/2:1/1:0) Toren gegen Jokerit Helsinki. Und die finnische Mannschaft ist im europäischen Eishockey nicht irgendwer, sondern es ist ein absolutes Spitzen-Team. Besonders zu erwähnen, die Cracks aus der Hauptstadt spielen seit einem Jahr nicht mehr in der finnischen Liga, sondern in der russischen Superliga KHL. Die Cracks aus Suomi werden sogar als einer der Titelanwärter in der KHL gehandelt.
Es mag natürlich sein, dass die „Joker“ aus Helsinki die Mannheimer einfach restlos unterschätzten und als es zu spät war, den Hebel nicht mehr in Richtung Sieg umlegen konnten, doch muss man sie trotzdem erst einmal schlagen. Und zwei Sachen stimmten bei den Adlern am Sonntag, die man in den letzten Partien nahezu vollständig vermisste. Dies war einmal die Moral und zum anderen die Effizienz vor dem gegnerischen Kasten.
Dabei fing es für die Raubvögel gar nicht gut an und es schien sich ein Debakel wie gestern anzubahnen, als Mannheim mit 3:6 gegen Lugano verlor. Denn Helsinki führte nach zwölf Minuten bereits mit 2:0 Toren. Diesmal fielen die Mannheimer aber nicht auseinander und wurden zum willenlosen Opfer, sondern sie schlugen zurück. In der 15. Minute schoss Glen Metropolit den 1:2 Anschlusstreffer und in der 19. Minute traf Mathieu Carle zum 2:2 Ausgleich. Damit ging es in die Pause. Jetzt dachten alle, ab dem zweiten Drittel würde Helsinki aufwachen und das Match entscheiden. Aber weit gefehlt, Mannheim war ein ebenbürtiger Gegner und hielt dagegen. So stand es nach dem zweiten Drittel gar 4:3 für die Adler nach zwei Toren des Mannheimer Top-Torjägers Ryan MacMurchy bei einem Gegentor von Niklas Hagman. Auch im letzten Abschnitt vermochten die „Joker“ die Partie nicht mehr zu drehen. Die Adler standen stabil in Abwehr und spielten diszipliniert und clever. Den Schlusspunkt der Partie setze Kai Hospelt in der 60. Minute mit seinem Treffer ins leere finnische Tor.
Die große Frage ist, was passiert nun bei den Adlern? Hätten die Mannheimer erneut verloren, wäre der Negativtrend fortgesetzt worden und der Trainer wäre noch mehr ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. So aber ist eine neue Situation entstanden. Schafft die Mannschaft mit ihrem Coach Greg Ireland die Wende? Ist die Talsohle durchschritten und es geht wieder aufwärts? Kann man einen Trainer entlassen, der gerade gewonnen hat? Schwierig. Manch einem wäre es daher wohl lieber gewesen, die Raubvögel hätten gegen Helsinki eine weiter Klatsche erhalten, dann hätten die Verantwortlichen den Coach entlassen können. Jetzt aber ist alles wieder offen. Mit Spannung darf man auf die nächsten Tage nach Davos schauen, wo der Spengler Cup ausgetragen wird.
Zur Chronologie
1. Drittel
Ein verhaltener Beginn beider Teams. Die Mannheimer hielten gegen den finnischen Top-Club gut mit. In der 10. Minute ein tolle Gelegenheit für die Adler durch einen Schlagschuss von Christopher Fischer. Nur zwei Minuten später fahren dann aber drei Spieler von Jokerit auf das Mannheimer Tor zu. Nur ein Adler-Verteidiger ist zur Unterstützung von Goalie Dennis Endras zur Stelle. Die logische Konsequenz, das 1:0 für die Finnen durch Peter Regin. Quasi beim nächsten Angriff der Nordmänner versenkt Jare Sallinen in der 13. Minute den Puck zum 2:0 für Helsinki im Adler-Gehäuse. Jetzt sah alles nach einem erneuten Zusammenbruch der BLau-Weiß-Roten aus, doch konnte Glen Metropolit in der 15. Minute den 1:2 Anschlusstreffer für die Kurpfälzer markieren. Und damit nicht genug, in der 19. Minute schoss Adler-Verteidiger Mathieu Carle den Puck im Powerplay zum 2:2 ein. Dies war auch der Stand beim Gang in die Kabinen. Fazit: Es schien alles für die Finnen gelaufen, dann zeigteMannheim Charakter und schaffte die Wende.
2. Drittel
Im zweiten Abschnitt machten die Adler weiter, wo sie im ersten aufgehört hatten. Kaum hatte das Drittel begonnen, traf Adler-Stürmer Ryan MacMurchy in der 23. Minute zum 3:2 für die Kurpfälzer. In der 25. Minute allerdings der Ausgleich zum 3:3 durch Niklas Hagman. In der Folge entwickelte sich eine ausgeglichene Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Die als Top-Mannschaft aus der russischen KHL gefeierten Finnen dabei keineswegs überlegen. Als alle schon dachten, mit dem 3:3 ging es in die Kabinen, hämmerte Ryan MacMurchy in Überzahl in der 40. Minute zur 4:3 Führung für Mannheim ein. Mit diesem Zwischenresultat ging es in die Pause. Fazit: Helsinki enttäuschte, Mannheim stark und dank eines überragenden MacMurchy in Führung.
3. Drittel
Alle Beobachter erwarteten im letzten Abschnitt einen Sturmlauf von Jokerit, bei dem die Finnen ihre ganze Klasse zeigen würden. Doch Fehlanzeige. Die „Joker“ aus dem Norden vermochten der Partie nicht ihren Stempel aufzudrücken. Mannheim stand gut und kompakt in der Abwehr. Helsinki agierte ideenlos. Zudem fehlte bei den Skandinaviern die ganz große Leidenschaft und der Kampfgeist. In der 51. Minute lief Adler-Stürmer Glen Metropolit alleine auf das Tor von Jokerit zu, doch konnte er den Puck nicht im Tor unterbringen. Und so langsam rannte Helsinki die Zeit davon, jetzt waren nur noch sechs Minuten zu spielen. Und alle Zuschauer rieben sich die Augen, es war nichts von den Finnen zu sehen, zumindest nicht das, was man von einem europäischen Top-Team erwartet hatte. Dann noch drei Minuten. Bei zwei Minuten Restzeit nahm Jokerit seinen Torsteher zugunsten eines sechsten Feldspielers heraus. Und schlimmer noch, ein Adler musste auf die Strafbank, also sechs Nordmänner gegen vier Feldspieler der Kurpfälzer. Doch nicht den Finnen gelingt der Ausgleich, sondern Adler-Stürmer Kai Hospelt schoss zum 6:4 Endstand ins leere finnische Tor. Fazit: Starke Adler belohnen sich für eine gute Leistung, Jokerit hingegen war eine große Enttäuschung.