Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
Sie sind hier: Startseite » Sport » Aus! Vorbei! Entsetzen! Adler sind raus!
Fr., 19. April 2013, 16:52 Uhr
Mannheimer Adler verlieren Spiel 6 der Play-Off-Viertelfinalserie gegen Wolfsburg mit 3: 4 Toren und scheiden damit sang- und klanglos aus
Aus! Vorbei! Entsetzen! Adler sind raus!
VON GERNOT KIRCH Nach alles in allem schwachen Play-Offs scheiden die Adler als Punktrundenerster und Meisterschaftsfavorit bereits in der Play-Off-Viertelfinal-Serie mit 2:4 Spielen gegen die Wolfsburg Grizzlys aus. Zwar kämpften die Adler in Partie 6 in Wolfsburg beherzt, doch mussten sie sich hoch motivierten und spielstärkeren Grizzlys mit 4:3 (1:2/2:0/1:1) geschlagen geben.
Die Worte aus Mannheim lauten dazu Fassungslosigkeit, Frust, Enttäuschung und immer noch ungläubiges Staunen. Und in einer Play-Off-Runde, die nach dem Modus Best-of-seven ausgespielt wird, kann nach vier Niederlagen und nur zwei Siegen auch nicht von Pech oder Zufall gesprochen werden.
Es waren auch keine Verletzten, die Mannheim schwächten, sondern sie konnten in Bestbesetzung antreten. Die Gründe für das Ausscheiden sind andere und liegen tiefer. Zunächst sei aber der Hinweis erlaubt, es war eine enge Serie, die leicht hätte auch anders ausgehen können. Doch „hätte, wäre, könnte“ gibt es im Eishockey nicht. Fakt ist, die Adler haben maßlos enttäuscht und sind verdient ausgeschieden. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass Wolfsburg spielerisch viel besser ist, als es jener 10. Tabellenplatz nach der Punktrunde aussagte, da sie bis Januar viele verletzte Akteure hatten.
Aber es ist keine Wunder- oder Übermannschaft, sondern einfach ein Team, das das umgesetzt hat, was Mannheim fehlte. Die Grizzlys waren von der ersten Partie an hellwach, spielten mit Herz und Leidenschaft und waren in den „Special Teams“, also bei Über- und Unterzahl, besser und effektiver. Im Nachhinein betrachtet, war dies sicher ein Hauptschlüssel zum Erfolg. Während Wolfsburg fünf Treffer in Überzahl markierte, schoss Mannheim hier nur zwei Tore. Hinzu gezählt werden muss zugunsten der Grizzlys noch das Unterzahltor von Sebastian Furchner aus Begegnung 2. Und es war nicht so, dass die Grizzlys häufiger in Überzahl hätten agieren können. Denn während gegen Wolfsburg 82 Strafminuten verhängt wurden, erhielten die Mannheimer nur 58 aufgebrummt.
Zu der Stärke in den Special Teams kam bei Wolfsburg, dass ihre Big Boys exakt zu den Play-Offs topfit waren. Leute wie Hospelt, Haskins, „Diesel“, Milley oder Brocklehurst drückten der Serie ihren Stempel auf.
Kommen wir zu den Adlern. Es gab wohl zwei Schlüsselszenen oder exakter -phasen, die die Serie beeinflussten. Die eine fand bereits vor den Play-offs statt. Die Adler nahmen Wolfsburg nicht ernst bzw. falls sie doch ernst nahmen, konnten sie ihre Absichten von kämpferischen Spiel nicht umsetzen. Es fiel auf, dass im Vorfeld teilweise davon geredet wurde, dass man dieses Jahr mit dem Titel dran wäre. Eine Fokussierung, die man besser auf die Grizzlys hätte richten sollen. Ein bitterböser Fehler. Denn in den ersten vier Partien schien es, als ob die Adler nicht richtig da waren. Sie zeigten zu wenig Präsenz und Leidenschaft. Erst in den Spielen 5, das sie 3:2 gewannen, und in Spiel 6 stimmte der Kampf und Einsatzwille.
Die zweite Schlüsselszene der Play-Off-Serie spielte sich rund fünf Minuten vor Ende der ersten Partie ab, als Mannheim mit 2:0 Toren führte, dann Frank Mauer und Doug Janik auf die Strafbank mussten und Wolfsburg - durch diese numerische 5:3 Überzahlsituation begünstigt - die Partie zunächst ausglich und in der Verlängerung dann gewann. Von diesem Augenblick an, hatte Wolfsburg Oberwasser und die Adler waren geschockt. Und Mannheim brauchte bis Spiel 5, um wieder in die Serie zurückkommen.
Doch richtig in Schwung gekommen ist die Mannheimer Tormaschine die ganzen Spiele über nicht. In zwei Matches (3 und 4) oder exakter, über acht Drittel lang erzielten die Stürmer nicht ein einzigen Treffer. Besonders schwach und enttäuschend dabei die so genanten Big Boys der Mannheimer.
Zu nennen sind hier Yanick Lehoux, Mike Glumac, Ken Magowan und Christoph Ullmann. Wobei man ehrlicherweise fast alle Angreifer mit Ausnahme von Frank Mauer und Matthais Plachta als Enttäuschungen bezeichnen könnte. Erzielte Yanick Lehoux in der Punktrunde etwa 20 Tore und gab 37 Vorlagen, markierte er in den Play-Offs gerade mal ein Treffer und gab eine Vorlage. Mike Glumac agierte noch schwächer. Schoss er in der Punktrunde 20 Tore, gelang ihm gegen Wolfsburg nicht ein einziger. Wobei man die Enttäuschung bei diesen Cracks nicht nur an den Zahlen festmachen kann, sondern sie versagten als Leitwölfe, Führungsspieler und Cracks, die vorangehen und den Mitspielern den Weg aufzeigen müssen.
Das Mannheimer Angriffspiel wirkte auch ideenlos. Man hatte den Eindruck, den Cracks im blau-weiß-roten Dress fällt gegen die geschickt und mit klugem Forecheking agierenden Wolfsburger kein Mittel ein. Das sture Anrenne brachte keinen Erfolg. Und ein absoluter Einzelkönner, der es mit individueller Klasse und Genialität macht, fehlte in den Mannheimer Reihen. Wie übrigens nahezu in der ganzen DEL, was aber natürlich etwas mit dem Geld zu tun hat, das dies Cracks in andern Ländern verdienen können.
Doch alle Schuld den Adler-Stürmer zu zuschieben, wäre falsch. Die Abwehr überzeugte mit Ausnahme von Florian Kettemer ebenfalls nicht. Im Nachhinein erweist es sich als Fehler, nur auf so genannte Allrounder und Zerstörer zu setzen. Was fehlen sind ein Blueliner mit hartem Schuss, der gerade in Überzahl Tore erzielen kann, sowie ein „Quartback“, der ein Spiel mit klugen Pässen aufzieht. Mit diesen beiden Aufgaben sind nahezu alle Adler-Verteidiger überfordert. Wobei es sicher auch falsch ist, so etwas von Leuten zu verlangen, die dies eben nicht können. Was man aber hingen erwarten kann, ist ein kluger erster Pass. Doch auch dies funktioniert leider in den Play-Offs viel zu selten. Daher haperte es im Angriffsspiel der Adler häufig schon beim Aufbau aus dem eigenen Drittel. Was dazu kommt, sind Leichtsinnfehler und richtig sattelfest wirkten die Defender gegen Wolfsburg auch nicht.
Kommen wir zu Torwart Dennis Endras. Er ist einer der wenigen Adler-Cracks, die hellwach waren und der mit seinen Glanzparaden die Mannheimer in der Serie hielt. Ohne Endras wäre manche Niederlage höher ausgefallen.
Etwas Lack abgebröckelt ist nach dem Viertel-Final-Aus sicher auch am Glanz von Coach Harold Kreis. Zwar steht er nicht auf dem Eis und kann die Tore schießen, doch es hatte den Anschein, dass er sein Team nicht richtig heiß machen und motivieren konnte. Auch fehlte vielen Beobachtern gegen Wolfsburg, als es nicht richtig lief, dass er taktische Umstellungen vornahm, etwa Reihen umstellte oder seinem Spielsystem Überraschungselemente gab. Und natürlich ist der Coach zusammen dem Manager Teal Fowler verantwortlich, welche Spieler man nach Mannheim geholt hat.
Der ganze Frust muss ich nun erst einmal setzen. Und Schnellschüsse wird es wohl keine geben. Aber sicher dürfte nach solch einer katastrophalen Serie auch sein, dass einige Leute ihre Koffer werden packen müssen. Wobei auch klar ist, wirklich gute Ausländer zieht es eher an die Fleischtöpfe nach Russland, in die Schweiz oder nach Schweden.
Zwei Dinge gilt es noch anzumerken: Die Schwächephase der Adler begann nicht erst in den Play-Offs, sondern schon weit vorher in der Punkrunde. So stimmten gerade Aufwand und Ertrag im Sturm schon lange nicht mehr. Die Effizienz beim Toreschießen entwickelte sich kontinuierlich zur Achillesferse der Blau-Weiß-Roten.
Zu erwähnen sind natürlich auch die hohen Erwartungen in Mannheim, die den Spielern von Saisonbeginn an eine Tonnelast auf die Schulter legt und Druck erzeugt. Denn „siegen“ zu müssen, wie in Mannheim, ist immer etwas anderes als „siegen“ zu können, wie an vielen anderen Standorten.
Zur Chronologie:
Die Wolfsburger hatten in Spiel 6 in heimische Arena den besseren Beginn. Sie dominierten zunächst die Partie und machten mehr Druck. Symptomatisch für das Adler-Spiel ihre Überzahl ab der 7. Minute. Die Badener schafften es kaum, überhaupt in die Grundaufstellung zu gelangen. Und schlimmer noch, sie erlaubten es den Grizzlys sogar, mit zwei Stürmern gegen nur einen Adler-Verteidiger gefährlich auf Torsteher Dennis Endras zu zufahren. Doch schaffte es Sebastian Furchner nicht, nach herrlichem Zuspiel von Kai Hospelt, den Puck ins leere Tor zu schieben.
Ab der 9. Minute war dann Wolfsburg mit einem Mann mehr auf dem Eis. Und die Niedersachsen machten es besser. Bereits nach 22 Sekunden der numerischen Überlegenheit zappelte die Hartgummischeide in den Maschen des Adler-Gehäuses. Greg Moore hatte zum 1:0 für die Hausherren getroffen. Nun schien alles für die Cracks aus der VW-Stadt zu laufen. Doch steckte Mannheim nicht auf.
Und die Kufenflitzer aus der Quadratestadt wurden für ihre Mühen belohnt. In der 16. Minute traf Kapitän Christoph Ullmann mit einem herrlichen Schuss in den Winkel zum 1:1 Ausgleich.
37 Sekunden vor der Drittelpause musste dann Grizzly-Stürmer Kai Hospelt nach einem Foul für zwei Minuten auf das Sünderbänkchen. Mannheim nun ausnahmsweise mit einem starken Überzahlspiel. Zwar konnte Justin Mercier zunächst noch die Führung für die Blau-Weiß-Roten verhindern, doch mit der Pausensirene hämmerte Yannic Lehoux den Puck zur Mannheimer 2:1 Führung ins Grizzly-Tor.
Im zweiten Abschnitt war es eine intensive, ja, harte Partie beider Teams. So wurde Adam Mitchell in der 7. Minute hart gefoult, sodass er eine Minute lang nahezu regungslos auf dem Eis lag. Die Überzahl konnte Mannheim allerdings nicht verwerten.
Lange wollte im zweiten Drittel kein Treffer fallen. Dann durfte Wolfsburg in Überzahl agieren. Die Grizzlys waren dabei nicht unbedingt überzeugend, doch lenkte Adler-Verteidiger Steve Wagner den Puck ins eigene Tor, sodass es 2:2 unentschieden stand. Das Tor beflügelte die Niedersachsen, die das Heft des Handels wieder in die Hand nahmen und das Adler-Gehäuse mächtig bedrängten. Die logische Konsequenz die 3:2 Führung der VW-Städter in der 36. Minute durch Vincent Mayer aus der 4. Angriffsformation. Mit dem 3:2 ging es auch bin die Kabinen.
Der letzte Abschnitt sah zunächst dominierende Wolfsburger. Es lief alles auf einen Sieg der Niedersachsen hinaus. Doch dann war es der stärkste Adler-Stürmer der Play-Offs, Frank Mauer, der auf Zuspiel von Matthais Plachta in der 46. minute zum 3:3 ausglich. Als das Momentum wieder die Seite der Mannheimer zu kippen schien, erhielt der Mannheimer Alex Foster eine Strafzeit und es hieß Überzahl für die VW-Städter. Und wieder standen die Adler nicht gut und die Grizzlys überzeugten.
Die Konsequenz, Grizzly-Verteidiger Aaron Brocklehurst traf in der 49. Minute mit einem Hammer von der blauen Linie zum 4:3 für die Niedersachsen. Nun agierten die Wolfsburger sattelfest und Mannheim rannte die Zeit davon. Die Adler setzten zwar zu einem Sturmlauf an, doch sehr durchdacht und wirklich gefährlich wirkten die Badener dabei nicht. Zwei Minute vor Spielende nahm Trainer Harold Kreis erst seine Torwart heraus und 22 Sekunden vor der Schlusssirene schließlich noch ein Auszeit, doch es half nicht, es blieb beim 4:3 für Wolfsburg