Die Einwohnerversammlung im Kesselhaus rückte die Parkproblematik sowie den schlechten Straßenzustand in den Fokus
Ausbau der Carl-Villinger-Straße gefordert
Die Forderung der Anwohner ist der Ausbau der Carl-Villinger-Straße mit Gehweg. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die geplante Bebauung an der Carl-Villinger-Straße im Wormser Westend bewegt seit Wochen die Gemüter der Bewohner. Besonders in der direkt angrenzenden Mörikestraße ist Kritik laut geworden. Die städtische Wohnungsbau GmbH soll im Auftrag der Stadt dort 20 kleine Reihenhäuser mit einer Wohnfläche von 86 Quadratmetern und einer Miete von 6,80 Euro pro Quadratmetern bauen.
Kanalkapazitäten
Die Stadt Worms hatte am Mittwochabend zu einer Einwohnerversammlung in das EWR-Kesselhaus eingeladen. Insgesamt sind 600 Einladungen verschickt worden, etwa 100 Bürger folgten der Einladung. Die Veranstaltung dauerte fast dreieinhalb Stunden. Die ersten 80 Minuten gehörten dem Thema Abwasser und die Aufnahmekapazität der Kanäle. Hierbei stellte Marko Dittrich vom städtischen Entsorgungs- und Baubetrieb (ebwo) zunächst den Generalentwässerungsplan der Stadt für das Wormser Westend vor. In den Jahren 2008 und 2009 sei die Aufnahmekapazität der Kanäle vergrößert worden. Der Grund war, dass bis zu diesem Zeitpunkt in Häusern in der Mörikestraße bei Starkregen häufig Wasser im Kellern stand. Seit der Vergrößerung der Kanäle seien die Probleme beseitigt.
Sickerbehälter für Regenwasser
In Bezug auf die geplante Bebauung in der Carl-Villinger-Straße führte Marko Dittrich aus, dass das Abwasser der 20 neuen Reihenäuser nicht in den Kanal der Mörikestraße fieße, sondern das Schmutzwasser direkt zum Kanal der Alzeyer Straße gelange. Weiter erläuterte Marko Dittrich die Unterschiede zwischen der Behandlung von Regenwasser und Schmutzwasser. Während das Schmutzwasser in der Carl-Villinger-Straße, das im Haus etwa beim Duschen anfällt, über Abwasserkanäle entsorgt wird, soll das Regenwasser in großen Sickerbehältern gesammelt und von dort in den Boden abgegeben werden. Somit würden die Kanäle nicht zusätzlich belastet. Bei allen Neubaugebieten werde dies so gehandhabt.
In der anschließenden, sehr lebhaften Diskussion im Kesselhaus drehte es sich mehr um die Bebauung und Entwässerung im Brauereiviertel und auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Fröhling.
Straßenzustand bedenklich
Als es schließlich konkret um die Bebauung an der Carl-Villinger-Straße ging, erklärte Oberbürgermeister Michael Kissel mit deutlichen Worten, dass es sich um eine Informationsveranstaltung für die Anwohner handele. Die Entscheidung über die Errichtung der von 20 Reihenhäuser sei von den zuständigen Gremien getroffen worden. Der Stadtchef erläuterte die Notwendigkeit zur Schaffung von neuem Wohnraum in Worms, besonders für einkommensschwache Bürger. Alleine bei der Wohnungsbau GmbH würden 1.200 Menschen auf einer Warteliste stehen. Auch an diese Menschen müsse man denken.
Nur 20 Reihenhäuser
Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbau GmbH, Jürgen Beck, stellte zunächst drei Varianten zur Bebauung vor. Letztlich habe sich die Stadt für die Variante drei mit „nur“ 20 Reihenhäuser entschieden. Weiter erklärte er, dass man die Rheinhäuser ohne Keller und eher klein realisiere, um sie bezahlbar zu machen. Die Nachfrage sei jetzt schon groß. Generell hatte man den Eindruck die Bürger haben den Bau von 20 Reihenhäusern inzwischen akzeptiert, auch wen sich Begeisterung in grenzen hielt.
Ausbau der Carl-Villinger-Straße
Hitzig wurde es bei der Versammlung, als es um die Carl-Villinger-Straße ging. Es war für fast alle Anwesenden nicht nachvollziehbar, dass ein Baugebiet erschlossen wird, der Zustand der Straße aber auf dem Niveau eines Feld- oder Wirtschaftsweges bleiben soll. Mathias Mattheis, ein Bewohner der Mörikestraße, legte dar, wie intensiv die Carl-Villinger-Straße inzwischen genutzt werde. Da sei ein mobiler Pflegservice mit fast 20 Autos, die Besucher des Schwimmclubs Poseidons, die Schüler aus Horchheim auf dem Weg in die Schulen, die über 100 Besitzer von Kleingärten, dazu der ebwo und die Lastwagen eines Baumpflege-Firma. Es könne daher nicht von einer geringen Beanspruchung gesprochen werden. Die Forderung der Anwohner war daher, mit dem Bau der Reihenhäuser auch die Straße auf einen Standard mit Fußweg zu bringen, der den Namen Straße verdiene. Und dies auch für die Kinder, die einen sichern Gehweg benötigten. Es könne hier nicht gewartet werden, bis in fünf oder zehn Jahren die Sporthalle auf dem ehemaligen Gelände der Stadtgärtnerei realisiert werde. Oberbürgermeister Michael Kissel sagte zu, die Forderungen zu prüfen.
Zu wenig Stellplätze
Sehr lebhaft wurde auch über die Parkplätze diskutiert. Laut vorläufigem Bebauungsplan gehört zu jedem Reihenhaus ein Parkplatz. Hier wurde eingeworfen, dass zu jedem Haushalt nicht mehr ein Auto gehöre, wie die Stadt dies kalkuliere, sondern rein mathematisch 1,5 oder 1,8 Wagen. Schon jetzt fehlten im Sommer, wenn das Poseidonbad offen hat, Stellplätze. Mit den 20 Reihenhäusern werde der öffentliche Parkraum noch knapper. Die 30 neuen, öffentlichen Parkplätze, die an der Ecke Monsheimer Straße / Carl-Villinger-Straße entstehen sollen, stünden ja noch nicht zur Verfügung. Der Vorsitzende des Schwimmclubs Poseidon, Manfred Pfeiffer, schlug hier vor, zumindest in der Bauphase die kleine, geschotterte Fläche in unmittelbarer Nähe zum Gästeeingang bei Wormatia-Spielen als Parkplatz auszuweisen. Dies sei ohne großen Kosten zu realisieren und würde die Situation gerade im Sommer entlasten.
Was passiert mit Fußweg?
Manfred Pfeifer fragte auch nach, ob der schmale Fußweg an den Bahngleisen von der Carl-Villinger-Straße zur Mörikestraße verschwinden solle. Hierauf konnten die Verantwortlichen noch keine Antwort geben.
Die kleine geschotterte Fläche am Gästeeingang zum Wormatia-Stadion könnte als vorläufiger Parkplatz genutzt werden. Foto: Gernot Kirch