
Auch die diesjährige Studienfahrt der Europa-Union Worms bot wieder neue Eindrücke und schöne Landschaften, doch dieses Mal waren alle Teilnehmer besonders ergriffen von dem Programm, denn die Fahrt durch Nordpolen bedeutete einen Ausflug in deutsche Vergangenheit. In Danzig etwa besuchte die Gruppe unter Leitung von Vereinsvorsitzendem Dr. Jörg Koch, die Halbinsel Westerplatte, die bekannt geworden ist durch den Beschuss des dortigen polnischen Munitionslagers durch Soldaten der Wehrmacht am 1. September 1939, der als Beginn des Zweiten Weltkrieges gilt. Beeindruckt von dem gelungenen Wiederaufbau der im Krieg stark zerstörten Stadt, dem informativen "Europäischen Zentrum der Solidarnosc" und den authentischen Orten, die an den Literaturnobelpreisträger Günter Grass erinnern, wurden die Besucher auch empfangen im Deutschen Generalkonsulat in Danzig. Zu den weiteren Höhepunkten der Studienfahrt gehörten die Besichtigung der Marienburg, einst Wehrburg des Deutschen Kreuzritterordens, eine Fahrt durch die unendlichen Weiten Masurens, dem "Land der 1000" Seen, mit Vortrag im Gräfin-Dönhoff-Salon in Galkowo oder einem Orgelkonzert in der evangelischen Kirche in Lötzen.
Irritiert war die Wormser Gruppe allerdings von dem "Abenteuerspielplatz" Wolfsschanze. Nicht das Gedenken an den Widerstand gegen das NS-Regime steht dort im Vordergrund - Claus Graf Schenk von Stauffenberg hatte hier am 20.Juli 1944 ein Attentat auf Hitler verübt - sondern Panzer fahren mit und für Kinder über das weiträumige Gelände. Deutsche Geschichte begegnete den Besuchern auch in Königsberg/Russland, der Geburtsstadt von Immanuel Kant. Hier war es Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, der dank seiner Russisch-Kenntnisse weitere Informationen in Erfahrung bringen konnte. So positiv die Fahrt auch war, so unerfreulich war die Erfahrung an der Grenze: bei Einreise aus Russland nach Polen, einem EU-Mitgliedsland, mussten die Wormser zwei Stunden warten und sich einer Kontrolle unterziehen, von der man dachte, auch sie sei längst Geschichte. Über dieses Erlebnis und andere Begebenheiten berichtete auf ihrem Blogg Vera Lengsfeld, ehemalige Bürgerrechtlerin der DDR, die erneut mit den Europäern aus Worms unterwegs war.
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