
Auf den Straßen staut sich der Verkehr, immer mehr Menschen sind innerstädtisch unterwegs, um von A nach B zu kommen. Für Pendler und Stadtbewohner stellt sich immer wieder die Frage, ob das Auto weiterhin sinnvoll ist oder das Motorrad eine schnelle und clevere Alternative ist. Im dichten Stadtverkehr kann ein 125-er Motorrad die Fahrzeit auf Kursstrecken oft halbieren und den Parkbedarf auf einen Bruchteil der Zeit reduzieren. Für regelmäßige Stadtpendler kommen hier Flexibilität, Zeitersparnis und geringere Betriebskosten zusammen. Aber lohnt sich der Umstieg für jeden? Und was sagen die Zahlen?
Laut Umweltbundesamt verlieren Autofahrende in Deutschland im Schnitt 46 Stunden pro Jahr im Stau. In Ballungsräumen wie Berlin, Köln oder München liegt die Zahl sogar deutlich darüber. Das bedeutet verlorene Lebenszeit, steigende Emissionen und eine hohe Belastung für Straßeninfrastruktur und Umwelt. Die längsten Stauzeiten entstehen in Hamburg und Hannover.
Der größte Teil dieser Stauzeit fällt auf Berufsverkehr. In diesem Kontext zeigt sich, wie begrenzt die Möglichkeiten des Autos im urbanen Raum inzwischen sind. Selbst kurze Strecken verlängern sich erheblich, wenn Ampelschaltungen, Parkplatzsuche und Rückstaus hinzukommen. In dicht besiedelten Gebieten wird das Auto zunehmend unpraktisch, selbst für kurze tägliche Fahrten.
Motorräder mit 125 Kubikzentimetern bieten eine Alternative. Sie sind beweglicher im Verkehr, passen in kleinere Parklücken und reduzieren die Standzeit im Vergleich spürbar. Insbesondere auf Kurzstrecken ergeben sich Vorteile, die mit dem Auto nur schwer zu erreichen sind. Die Einzelfahrt bleibt zwar witterungsabhängig, aber im Alltag überwiegen in vielen Situationen die praktischen Vorteile des Zweirads.
Seit Januar 2020 erlaubt die B196-Erweiterung des Pkw-Führerscheins das Fahren von Leichtkrafträdern mit maximal 125 Kubikzentimetern und einer Motorleistung von bis zu 15 PS. Die Nachfrage war von Beginn an hoch. Bis Anfang 2023 wurden laut Angaben von Auto Motor und Sport rund 185.000 Genehmigungen erteilt. Das zeigt, dass viele Menschen das Motorrad nicht nur als Hobby, sondern zunehmend als alltagstaugliches Verkehrsmittel wahrnehmen.

Die B196-Erweiterung richtet sich an Personen ab 25 Jahren, die seit mindestens fünf Jahren im Besitz eines Führerscheins der Klasse B sind und eine siebeneinhalbstündige Schulung in Theorie und Praxis absolvieren. Prüfungen sind nicht erforderlich.
Aus der Quelle AUTODOC: „Mit der B196-Erweiterung darf man in Deutschland Leichtkrafträder mit einem maximalen Hubraum von 125 cm³ und einer Maximalleistung von 15 PS fahren. Wichtig zu beachten ist, dass das Leistungsgewicht von 0,1 kW/kg nicht überschritten wird. Die B196-Erweiterung des Führerscheins der Klasse B besitzt nur in Deutschland Gültigkeit.“
Die steigenden Zulassungszahlen sprechen für eine Entwicklung, in der das Motorrad als Verkehrsmittel an Relevanz gewinnt. Die Integration in den Alltag erfolgt schrittweise, wird aber durch neue Führerscheinregelungen klar unterstützt.
Wer zwischen Auto und Motorrad wechselt, sollte eines nicht aus den Augen verlieren: Die Anforderungen an die Technik verändern sich. Besonders relevant sind die Bremsen. Während Autos auf vier Rädern stabil verzögern, benötigt ein Motorrad eine ausgewogene Bremsleistung, die sich auf zwei Räder verteilt. Die Vorderradbremse trägt den Großteil zur Verzögerung bei, die Hinterradbremse stabilisiert.
Bei Motorrädern ist das Verhältnis von Gewicht zu Bremsleistung deutlich sensibler. Auch kleine Defekte oder unregelmäßiger Verschleiß können das Bremsverhalten massiv beeinflussen. Die Bremskraftübertragung erfolgt direkter, die Eingriffsgrenzen sind enger. Deshalb ist die Wartung besonders wichtig.
Laut AUTODOC-Spezialisten bietet der Herstellerkatalog von ATE auch Bremsscheiben mit Beschichtung an, was ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Temperaturen und Korrosionsschäden erhöht. Somit garantieren diese Komponenten eine dauerhafte Sicherheit.
Typische Verschleißmerkmale sind Rillen, Vibrationen beim Bremsen und längere Reaktionszeiten. Wer regelmäßig im Stadtverkehr unterwegs ist, sollte die Bremsanlage mindestens einmal jährlich überprüfen. Einfache Sichtkontrollen geben Hinweise, ein Fachcheck schafft Klarheit.
Für alle, die den Umstieg vom Auto aufs Zweirad ernsthaft in Betracht ziehen, gilt daher: Sicherheit bleibt das entscheidende Kriterium. Die kompakte Bauweise eines Motorrads verzeiht keine Nachlässigkeit. Bremsleistung und Reaktionsverhalten entscheiden über Sicherheit und Kontrolle im dichten Verkehr.
Viele Menschen, die sich nach Jahren im Auto für ein Motorrad entschieden haben, berichten von einer deutlich entspannteren Verkehrserfahrung. Der Weg zur Arbeit verkürzt sich, Parken wird unkomplizierter und der Umgang mit dem Verkehr selbst wirkt weniger belastend. Gleichzeitig braucht es eine Phase der Eingewöhnung. Der Wechsel vom geschlossenen Innenraum des Autos zur offenen Fahrweise auf dem Motorrad bedeutet eine Umstellung. Fahrverhalten, Sichtweise und Sicherheitsgefühl verändern sich.
Technik wird ein zentrales Thema. Wer selbst wartet, spart Geld, trägt aber auch Verantwortung. Bremsflüssigkeit, Öle, Ketten und vieles mehr sind Themen, die Ex-Autofahrer neu lernen müssen. Das Vierrad ist anders zu bedienen und zu warten als ein moderner City-Flitzer auf zwei Rädern.
Viele berichten von einem neuen Verhältnis zur Mobilität. Sie erleben ihre Stadt anders, bewegen sich bewusster und empfinden die Fahrt selbst wieder als Teil des Tages. Für manche ist das Motorrad eine Ergänzung, für andere ein vollständiger Ersatz zum bisherigen Auto.